Polen// Warschau: Perfekte Szenerie für dystopische Geschichten und doch anders als erwartet!

Polen// Warschau: Perfekte Szenerie für dystopische Geschichten und doch anders als erwartet!

Wir sind unterwegs!

Hinter uns liegen einige durchaus stressige Tage: Eine Wohnung auflösen bei 31°C ist wahrlich keine Freude, das Abschiednehmen von Familie, Freund_innen, Kolleg_innen und Poldi mehr als schwer und generell zeichnet sich auch ein großes Fragezeichen dahingehend ab, was uns in diesem Jahr der Weltreise erwarten wird. Wird alles nach Plan verlaufen? Oder wird dies (hoffentlich) gerade nicht der Fall sein? Werden wir wundervolle Dinge erleben? Stressige? Traurige? Werden wir des Reisens überdrüssig sein? Wird es uns gelingen, sich einfach treiben zu lassen, ganz anders wie in unserem Alltag, der durch Arbeit und andere Verpflichtungen strukturiert ist? Werden wir liebenswerte Menschen treffen, Naturwunder sehen? Werden wir nach diesem Jahr weltoffener sein?

Am Freitag also, den 21.06, Tag der Sommersonnenwende, brechen wir auf und fahren mit Franka zum zentralen Omnibusbahnhof in Berlin. Hier werden wir gleich in den Bus nach Polen steigen, unser altes Leben zumindest temporär hinter uns lassen: Abschiede fallen schwer, vor allem wenn man liebgewonnene Personen zurücklässt, wie es bei uns der Fall ist.

Doch wir steigen tatsächlich ein und blicken ein letztes mal durch die getönten Busscheiben auf unsere Stadt Berlin, lassen dass ICC hinter uns, den Fernsehtum, die Bergmannstraße und noch vieles mehr…Vor uns liegen nun rund 650 km Fahrt nach Warschau in einem (zumindest theoretisch) klimatisierten Polskibus. Gut 10 Stunden Fahrt, die ohne größere Vorkommnisse verlaufen. Durch ländliche, dünn besiedelte Gebiete fahren wir, zeitweise unterbrochen durch riesige, graue und karge Wohnblöcke, die die Vorboten grösserer Städte sind. Wahrlich keine schönen Bilder, sondern wahrgewordene Tristesse – so scheint es zumindest.

Als wir uns Warschau nähern, verdunkelt sich der Himmel und es entlädt sich ein heftiges Gewitter. Blitze zucken über den Hochhäusern, die grau in grau glänzen und sich von dem mitlerweile violettdunklen Himmel abheben. Es schaut richtig schaurig aus und wäre die perfekte Szenerie für dystopische Geschichten. Dass dieser Schein trügt, wird sich zeigen, doch zunächst präsentiert sich Warschau mit seinen sozialistischen Wohnblöcken, die sich in Pfützen spiegeln und großen, windigen Plätzen auf seine rauhe Art und Weise.

Das Pepe-Hostel (sehr zu empfehlen!) liegt etwas außerhalb und so brechen wir am Abend noch auf, die Stadt in der Nacht zu entdecken. Noch regnet und dampft es in der schwülen Stadt, wir sind etwas verloren inmitten der hohen, verspiegelten Glaskästen und brechen schließlich in Richtung der „old town – stare miastomiasto“ auf, so wie es die meisten Touristen wohl tun. Für den ersten Abend eine gute Entscheidung, denn die Altstadt präsentiert sich deutlich freundlicher und auch der Regen lässt nach. Wir treffen auf verwinkelte kleine Strassen, zahlreiche Cafes und Restaurants und gut gelaunte Menschenmassen, die in zahlreichen Cafes und Bars sitzen. Wirklich, die Stadt ist sehr belebt und durch eine angenehme, freundliche Atmosphäre gekennzeichnet. Gegen Mitternacht lassen wir den Abend auf der Krakowskie Przedmiescie ausklingen und sind gespannt auf den nächsten Tag.

Diesen starten wir im Hostelgärtchen bei einem Frühstück im Freien, welches wir im „resort“, einem Cafe in der Innenstadt um einen Sojamilch-Cappucchino ergänzen. Vegan ist ein Begriff, die Atmosphäre ein wenig berlinesk – man sitzt in alten Badewannen – und so ist es nett und schön zu entspannen. Ein weiterer Gang durch die Innenstadt verstärkt den gestrigen Eindruck: bunte Häuser, leicht abbröckelnder Putz und warme Farben scheinen im Sonnenschein. Dass alles „nur“ Fassade ist, und nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich schwinkt in unseren Gedanken aber stets mit, vor allem nach unserem Besuch im „Warsaw rising museum“, das etwas ausserhalb inmitten von zahlreichen Wohnblöcken liegt. Auf dem Weg dorthin landen wir zufälliger Weise auf einem stillgelegten Industriegelände und einem dort versteckten Biomarkt. Genial! In den Hallen gibt es zahlreiche Stände, an denen biologische Nahrungsmittel, vegane Produkte und zahlreiche hausgemachte Dinge angeboten werden. Die Atmosphäre ist richtig nett und schnell kommen wir mit einem jungen Polen ins Gespräch, der ganz begeistert von der Entwicklung seiner Stadt berichtet und uns auf Selbstgebackenes einlädt. Ein netter Moment in dieser Industierhallte inmitten vermeintlich anomymer Wohnsilos!

Das Museum, in dem die Geschichte des Aufstandes in Warschau zur Zeit des zweiten Weltkrieges aufgearbeitet wird, ist in jedem Fall einen Besuch wert. Die Räumlichkeiten sind imposant, die geschichtlichen Aspekte interessant, allerdings sind wir aufgrund der schieren Informationsmasse und der multisensualen Aufbereitungen (überall blinkt, dröhnt und bewegt sich etwas) ein wenig überfordert. Trotzdem: ein lohnenswertes Museum!

Auf dem Weg zurück in die Stadt laufen wir durch den Park Ogrod Saski und picknicken mit den Leckereien vom Öko-Markt. Wir sitzen am Fusse einer Pagode, blicken auf einen Teich und sind, ganz nebenbei, Zuhörer eines Big-Band Konzertes. Denn in Warschau findet gerade unter anderem ein Literaturfestival statt, und in dem Park gibt es, neben zahlreichen Ständen an denen Autoren ihre Werke präsentieren, auch Konzerte. Wirklich, die Stimmung ist ganz wunderbar: Überall sitzen Leute auf Decken oder tanzen zu der Musik und sind ausgelassen und fröhlich. Als wir dann später den Park verlassen kommt uns eine Gruppe von Menschen entgegen, die einen Anhänger schiebt. Darauf sitzt ein Mann, der Piano spielt…Wahrlich, diese Stadt vermag zu begeistern!

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Später dann leihen wir uns noch Fahrräder aus, fahren zum Kulturpalast, jenem Turm, der alle Gebäude der Stadt überragt und ein Geschenk der Sowjetunion an Polen war, aber für die Bürger_innen lange Zeit verhasstes Symbol der Abhängigkeit von Moskau war. Wahrlich imposant und klobig ragt er in den Sonnenuntergang… Der Tag neigt sich dem Ende zu und wir entscheiden uns, diesen bei einem Bier in der Altstadt ausklingen zu lassen. Wir stellen fest: Diese Stadt ist anders als eingangs erwartet, diese Stadt ist bunt und belebt und ein defintiv wunderbarer Einstieg in ein Jahr voll von vielfältigen Impressionen und eine kleine Lektion darin, sich nicht vom ersten Eindruck täuschen zu lassen.

//David

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13 Comments

  1. petra camnitzer - 25. Juni 2013

    …. ein sehr schöner bericht,toller einstieg-super fotos -grüsse aus bremen

  2. franka - 25. Juni 2013

    …wie einladend jetzt immer wieder hier zu besuch zu kommen…

  3. Rahel - 27. Juni 2013

    Liebe Grüsse, passt auf euch auf denke fest an euch & wünsche viele spannende Erlebnisse!

    • david - 29. Juni 2013

      Liebe Rahel,
      ich denke, dass wir viel spannendes und wundervolles erleben werden.
      Unsere Wege werden sich in diesem Jahr vermutlich leider nicht kreuzen, oder plant ihr eine Reise in unsere Richtung$

      Liebe Grüsse
      David

  4. Karen - 27. Juni 2013

    Hallo ihr zwei,
    Bin endlich dazugekommen, auf eure Website zu gehen:) Tolle Fotos und Eindrücke aus Warschau. Freu mich schon auf den nächsten Beitrag! Habt weiterhin ganz viel Spaß!!
    LG Karen

    • david - 29. Juni 2013

      Hallo Karen,

      schön von dir zu lesen! Neue Eindrücke aus Krakau gibt es bereits, ein Reisebericht über Lviv und Kiev folgt bald. Es gibt viel zu erzählen…

      Liebe Grüsse an Dich!

  5. Marén - 27. Juni 2013

    Hallo ihr zwei,

    es ist wirklich toll, euch beide auf eurer Tour ein wenig begleiten zu können. Ich komme gerne wieder vorbei und sende euch ganz viele Grüße aus Berlin.

    LG Marén

    • david - 29. Juni 2013

      Hallo Maren,

      schön von dir zu lesen! Geniesst du derzeit den Berliner Sommer, fernab der Schule?
      Nicht vergessen: Schneeflocken fallen, Schneeflocken fallen….

      :)

  6. Katja - 28. Juni 2013

    Hallo,

    erstmal ein großes Lob an Euch für diese wunderschöne Seite. Es macht wirklich Spaß alles zu verfolgen, besonders das Abenteuer Weltreise. Ich wünsche Euch auf diesem Weg eine unvergessliche Zeit.
    Schade, dass wir uns nicht in Sri Lanka treffen können :-(
    Ich danke Dir Heiko für Deine ausführlichen Tipps bezüglich Ausrüstung usw. Vielen Vielen Dank!

    • heiko - 29. Juni 2013

      Vielen lieben Dank! Schön, dass Dir unsere Seite gefällt. :-) Ja, schade, dass das zeitlich nicht passt, aber ich bin sehr gespannt auf euren Reisebericht und gute Tipps. Habt eine tolle Zeit in Sri Lanka!

  7. steffen - 2. Juli 2013

    Alles Gute. Ursula und ich werden regelmäßig mitlesen und Fotos anschauen. Wir brechen nächste Woche nach Island auf, andere Ecke der Welt. Jedenfalls finde ich Eure Tour aufregend. Der Tag Eures Aufbruchs war mein Geburtstag. Gutes Omen! Grins. Steffen

  8. Jürgen - 26. Mai 2017

    Hallo bin auf Weltreise,

    ich komme aus Deutschland, kann mir jemand sagen, wo man Arbeit findet in Warschau?
    Kennt sich hier jemand aus? Gelernt habe ich Elektriker ich würde auch was anderes nehmen um Geld zuverdienen. In ca. 10 Tage geht es weiter Richtung Russland!

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