Georgien// Kutaisi: Wunderbare Marktszenen, klebrige Süßigkeiten und die gigantische Prometheushöhle bringen uns zum Staunen

Georgien// Kutaisi: Wunderbare Marktszenen, klebrige Süßigkeiten und die gigantische Prometheushöhle bringen uns zum Staunen

Eins vorweg: Leider wird es in diesem Beitrag nur wenige Bilder zu sehen geben, da unsere Kamera in Tbilisi Füße bekommen hat und mit ihr der größte Teil unserer Bilder aus Kutaisi dahin ist. Ziemlich ärgerlich – nicht zuletzt, da eine neue Kamera natürlich ordentlich zu Buche schlägt. Immerhin sind wir mit der neuen Nikon bisher sehr zufrieden und hatten darüber hinaus eine interessante Begegnung auf der Polizeiwache: Mehr dazu im bald erscheinenden Bericht über Tbilisi…

Nach knapp drei Stunden Flug erreichen wir wohlbehalten den Flughafen von Kutaisi, der mit seiner winzigen Abfertigungshalle und einem einzigen Gepäckband vielmehr ein „Flughäfchen“ ist.
Es scheint, wir sind in einer anderen Welt gelandet – nicht nur die 34°C draußen, die Palmen und Zypressen neben der Landebahn und die Berge in der Ferne kündigen dies an, sondern vor allem die Freundlichkeit der Leute. So wird David bei der Passkontrolle mit einem herzlichen Lächeln in Georgien willkommen geheißen.

Mit einem Marschrutka (Kleinbus-Sammeltaxi) geht es zügig nach Kutaisi, dessen Außenbezirke mit seinen achtgeschössigen, heruntergekommenen Platten wahrlich keine Augenweide sind. Malerisch sind einzig die Berge am Horizont, doch plötzlich tauchen große futuristische Neubauten auf, die so gar nicht hierher zu gehören scheinen. Schnell wird uns klar, dass dies das neue Regierungsviertel sein muss, denn die georgische Hauptstadt heißt seit letztem Jahr nicht mehr Tiflis, sondern Kutaisi.

In der Innenstadt angekommen, machen wir uns auf zu Giorgi s Homestay, ein nettes Guesthouse mit einem kleinen Garten auf einem der Hügel der Stadt. Der Besitzer Giorgi und sein Töchter sind wirklich nett und ihr verspieleter Cockerspaniel Betty lässt uns kaum Ruhe. Am Abend werden wir zum Dominospiel und zu einem Glas Chacha – aus Wein destilliertem georgischem Vodka, der mit seinen hausgebrannten 65% Vol. die Kehle in Feuer steckt – eingeladen.

DSCN0384

Kutaisi ist wirklich eine eigenartige Stadt, die mit ihren knapp 200.000 Einwohner_innen die zweitgrößte Georgiens ist, jedoch alles andere als großstädtisch auf uns wirkt. Auf einer Vielzahl von Hügeln oberhalb der Innenstadt erstrecken sich weite Gebiete mit Einfamilienhäusern, die zumeist von größeren Gärten umschlossen sind. Die Altstadt selbst ist recht klein und umfasst zum einen den Teil rund um den Basar, der insgesamt recht heruntergekommen aussieht, aber wunderbar lebendig und farbenfroh wirkt.

Der renovierte Teil, in dem sich Oper, Theater und ein Einkaufszentrum befinden, wirkt hingegen eher etwas steril. Auf der anderen Seite des Flusses erstrecken sich weitläufig wenig attraktive Neubaugebiete, Busbahnhof und der größte Markt der Stadt. Mit wirklichen Attraktionen kann das eher provinzielle Kutaisi nicht aufwarten, doch wir fühlen uns wohl hier, genießen es Eis und frisches Obst vom Markt zu essen, durch die Stadt zu schlendern, die vielen kleinen Kirchen zu betrachten, die teils arg heruntergekommenen, aber trotzdem hübschen Häuser mit ihren Holzverandas anzuschauen, frisch gezapftes Kwas zu trinken (das es hier wie in der Ukraine ebenfalls gibt und zum Lieblingsgetränk unserer bisherigen Reise avanciert ist) und uns etwas auszuruhen.

Auffallend sind die vielen Lastwagen und Busse mit deutschen Werbeschriftzügen: Theos Wurstwaren, Eisenwaren Hempel und Busse der Verkehrsgesellschaft Hamm sind vertreten – scheinbar landen hier in Georgien ausrangierte deutsche Fahrzeuge. Insbesondere der wuselige Basar hat es uns angetan und wir kommen zwischen Bergen von saftigem Obst und frischem Gemüse, selbstgemachtem Käse und frischgebackenem Brot, zuckrigen Süßigkeiten und geköpften Hennen mit vielen Leuten ins Gespräch und sind angetan vom Lächeln der Leute mit dem sie sehr freigiebig zu sein scheinen. Dennoch werden wir manchmal auch sehr kritisch beäugt und gemustert und insbesondere unsere Schuhe (Sandalen) scheinen häufig Auslöser skeptischen Stirnrunzelns zu sein. Englischkenntnisse sind hier absolute Fehlanzeige, aber die Menschen versuchen zumindest uns zu verstehen und mit uns zu kommunizieren. Trotzdem merken wir, dass zumindest rudimentäre Russischkenntnisse arg von Vorteil wären. Die georgische Schrift stellt uns ebenfalls manches Mal auf die Probe, denn man kann selten darauf vertrauen, dass Dinge zweischriftlich ausgeschildert sind.
Am dritten Tag fahren wir in die Prometheushöhle, eine weitläufige, wunderschöne Höhle, deren zahlreiche Stalagmiten und Stalaktiten dezent farblich angestrahlt werden und die mit klassischer Musik beschallt wird. Das klingt und ist recht kitschig, tut der Schönheit der Höhle aber keinen Abbruch. Die Führung durch eine gelangweilte Angestellte ist nicht wirklich informativ, aber die Höhle selbst versetzet uns ins Staunen und ist wahrscheinlich die imposanteste, die wir je besucht haben.
Am Abend gehen wir zum ersten Mal richtig essen und sind schwer angetan, denn die für Georgien recht typische Kombination aus Aubergine und Walnuss oder Blumenkohl und Walnuss schmeckt wunderbar! Darüber hinaus probieren wir noch mit Pilzen und Kartoffel gefüllten Teigtaschen und Kachapuri, ein mit Käse gefülltes Weißbrot, das es hier an jeder Ecke zu geben scheint. Bisher schmeckt uns das georgische Essen ziemlich gut. Später fahren wir noch mit der Seilbahn über den Fluss, hoch auf einen Berg, wo es einen Vergnügungspark mit einigen wenigen, kleinen Fahrgeschäften gibt. Mit uns in der Gondel fahren drei wirklich grimmig dreinschauenden Georgier, doch schnell müssen wir unser Urteil revidieren, denn sie sind sehr nett und wir kommen ein wenig ins Gespräch. Insbesondere der Gondelfahrer unterhält sich angetan mit uns, gibt ein paar Brocken Deutsch zum Besten und besteht zum Schluss auf ein gemeinsames Foto.

Vom Vergnügungspark aus laufen wir noch zur Kathedrale, die auf einem Hügel hoch über der Stadt thront und von dem aus man eine geniale Sicht über Kutaisi hat. Die mehr als tausend Jahre alte Kirche steht unter UNESCO Schutz und war bis vor kurzem noch eine Ruine. Die Regierung ließ sie wieder aufbauen, woraufhin die UNESCO mit dem Entzug des Titels drohte, was jedoch bisher nicht in die Tat umgesetzt wurde. Jedenfalls ist die Kathedrale in ihrer Schlichtheit sowohl innen als auch außen ein wunderschönes Gebäude, das uns in seinen Bann zieht. Auf den umliegenden Ruinen einer Befestigungsanlage lässt es sich entspannt sitzen und so lassen wir den Abend mit Blick auf die beleuchtete Kathedrale und die Lichter Kutaisis ausklingen.

Kathedrale_Kutaisi_Panorama

//Heiko

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13 Comments

  1. franka - 13. Juli 2013

    schön wieder in gedanken ein wenig mitzureisen :)

  2. jens - 14. Juli 2013

    Georgien, dein Bericht, lieber Heiko, klingt äußerst lecker sowohl kulturell als auch kulinarisch. Wir Vegetarier können also weit nach Osten vorstoßen. Schön dies zu wissen!! „Vegetarians taste better“ sagt unser Kühlschrankspruch dazu. Und wenn die Menschen weiter östlich wieder freundlicher werden, dann ist’s ja auch wunderbar. Liebe Grüße in die Ferne von Jens.
    P.S. Schade das mit der Kamera, aber die neue hat sich schon gelohnt.

    • david - 21. Juli 2013

      In der Tat ist es hier als Vegetarier weniger kompliziert als gedacht. Vegan waere es aber sehr, sehr schwierig – da haben wir bisher nur eine Moeglichkeit in Tiflis entdeckt. Das Essen hier ist frisch und lecker, vor allem das Obst ist traumhaft suess!

  3. Sandra - 14. Juli 2013

    so schön zu lesen!
    tut mir leid, dass eure kamera weg ist – damit ist sicher auch das georgianische Poldi-und-Ihr-Zwei-Playmobil-Bild von dannen (was es doch sicherlich gegeben hat, oder?)
    die neue kamera tut aber auch gute dienste. ich wünsche euch keine weiteren langfinger, die euren weg kreuzen!

  4. Monika Will - 14. Juli 2013

    Hallo Ihr Zwei,

    klingt wirklich spannend. Wünsche Euch noch viele nette Menschen.

    Gruß

    Monika

    P.S. die Fotos sind viel zu dunkel, leider

    • david - 21. Juli 2013

      Liebe Monika,

      wir haben bisher sehr nette Menschen getroffen. Vor allem eine Familie in Borjomi, bei denen wir auch uebernachtet haben, waren unglaublich lieb und offenherzig. Davon werden wir auch nich erzaehlen…

      Liebe Gruesse
      David

  5. Ilka - 16. Juli 2013

    oh nein, die Kamera, so ein Ärger….aber schön, dass es euch gut geht und offenbar kommt man bis als Vegetarier Richtung Osten weiter als teilweise südlich in Deutschlan ;)

  6. Ute - 16. Juli 2013

    Wie spannend!!! Gern wäre ich euer Dolmetscher auf dem leckeren georgischen Markt, aber auch aus der Ferne ist eure Reise unglaublich spannend. Ich grüße euch aus der sonnigen Mitte Berlins!
    Poka (bis bald)!
    Ute

    • david - 21. Juli 2013

      Liebe Ute,

      das waere wahrlich eine Freude. Die sprachliche Barriere ist teilweise doch recht hinderlich, doch irgendwie klappt meist doch alles. Trotzdem waere man natuerlich nochmals dichter dran, am „georgischen“ Leben, wenn wir uns zumindest auf russisch verstaendigen koennten.

      Liebe Gruesse nach Mitte und ganz klar: Poka!

      David

  7. Manuel L - 6. Februar 2017

    hii
    Dein Reisebericht klingt echt interessant
    kannst du mir etwas über die Preise in Kutaisi sagen?
    essen und Bier im Restaurant und Taxis?
    wie schätzt das das Wetter in Kutaisi gegen 20.4. ein?

    Beste Grüße

    • david - 11. Februar 2017

      Hallo Manuel,
      Kutaisi war insgesamt relativ günstig, wie eigentlich ganz Georgien.
      In Kutaisi haben wir uns auf dem tollen Markt eigentlich selbst versorgt, haben Käse, Obst und Gemüse gekaut. Wir waren nur einmal essen, an den genauen Preis kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

      Wir waren im Juli in Kutaisi und es war sehr heiß. Im Apri ist es wahrscheinlich recht angenehm.

      Viele Grüße
      David

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