Georgien// Swanetien — von Mestia nach Ushguli: Eine Wanderung durch liebliche Natur mit erhabenen Ausblicken

Georgien// Swanetien — von Mestia nach Ushguli: Eine Wanderung durch liebliche Natur mit erhabenen Ausblicken

Wir verlassen Kutaisi gen Mestia. Dass die Fahrt dorthin rund 10 Stunden anstelle der anvisierten 6 dauert, liegt sicherlich auch vor allem daran, dass unser Marschrutkafahrer zunaechst einige Runden durch Kutaisi dreht um diverse Fahrgäste, Tüten mit Obst und Gemüse und vor allem eine riesige Matratze einzusammeln. Als das Auto fast überquillt und trotzdem zusätzlich noch 17 Fahrgäste Platz gefunden haben, brechen wir auf in Richtung der  Berge.

Die Fahrt ist abenteuerlich, denn nachdem wir Zugdidi passiert haben, geht es fortan steil bergauf, in Serpentinen am Berghang entlang. Neben uns geht es dementsprechend steil hinunter, mehrere hundert Meter, was den Fahrer natürlich nicht davon abhält durch die Kurven zu heizen. Am heutigen Tage besonders pikant, denn zusätzlich schüttet es, und die Wassermassen klatschen wellenartig gegen das Auto. Immer wieder kurven wir um kindsgroße Steinblöcke, die auf die Fahrbahn gefallen sind. Gut, dass auf dem Dach die Matratze liegt – bestimmt hält sie einiges ab. So zumindest versuchen wir uns alle in der Marschrutka zu beruhigen.

Doch letztlich kommen wir wohl behalten in Mestia an, einem kleinem alpinen Dorf, das an einem Hang klebt und – wie schön, der Regen ist von dannen gezogen – in der Sonne liegt. Mestia selbst ist einen Ausflug wert, aber auch nicht mehr, da werden wir in den folgenden Tage noch deutlich schönere Örtchen passieren. Denn, nachdem wir uns mit Proviant für die folgenden Tage eingedeckt haben, geht es los – hinauf in die Höhen und hinein die Bergwelt. Der Weg schlängelt sich, Mestia hinter sich lassend, einen Hang hinauf, um dann auf der anderen Seite durch ein Tal zu fuehren. Unterwegs laufen wir an zahlreichen kleinen Orten vorbei, die gekennzeichnet sind durch zahlreiche Steintürme, welche charakteristisch für die Dörfer in Svanetien sind. Sie dienten den Bewohner_innen als Schutz vor Feinden, denn die Region war in der Vergangenheit vor allem durch ihre Blutsfehden innerhalb verfeindeter Familien bekannt. Mit Blick auf die hohe der Anzahl der Türme scheint es in der Vergangenheit nicht sonderlich beschaulich, sondern gar blutig zugegangen zu sein. Heute aber bieten die Türme einen interessanten Kontrast zu der Bergwelt, auch wenn wir froh sind, am Folgetag richtig tief in die Natur eintauchen zu können und die Orte hinter uns lassen.

Unsere erste Nacht im Zelt steht an und wir stellen fest, dass wir ein ganz essentielles Teil unseres Multifuelkochers zu Hause vergessen haben. Ätzend! Nun haben wir zwar dunkelviolette Auberginen, leuchtendrote Tomaten und auch Pasta, doch leider kein Feuer, mit dem wir unsere Speisen zubereiten können. Folglich gibt es ungekochte Asianudeln und Schokolade. In den Folgetagen müssen wir also, entgegen unserer Planungen, unterwegs bei Familien einkehren und vor Ort essen.

Der nächste Tag beginnt beschwerlich. Sehr beschwerlich. Es geht bergauf, und das verdammt steil und verdammt lang. Mag sein, dass wir unterwegs eine falsche Abzweigung genommen haben, denn der Weg ist teilweise ziemlich schlecht markiert. In der Hitze ist es wahrlich schweißtreibend die benötigten Höhenmeter zu bewältigen. Doch eines ist fulminant schön: die Landschaft. Um uns herum ragen zahlreiche Viertausender auf, teils schneebedeckt, es schwirrt und zirpt, unzählige Schmetterlinge und Hummeln fliegen durch ein Blumenmeer, Bäche verzetteln sich in Almwiesen. Die Natur ist gar lieblich und uns in den folgenden drei Tagen ein wunderbarer Begleiter. Nach jeder Biegung offenbaren sich neue erhabene Aussichten in die Ferne und die Gletscher, doch auch der Blick ins Nahe verspricht ein Farbenmeer…

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Nachdem wir die erste Nacht im Zelt geschlafen haben, erreichen wir am zweiten Abend Adishi, einen ganz, ganz kleinen Ort, in dem ca. 20 Menschen leben. Hier verbringen wir die Nacht bei der netten Familie Avliani, bekommen Khachapuri und andere leckere Dinge, die wahrlich eine Freude sind nach dem heutigen Fußmarsch. Der Ort, es ist vielmehr ein Örtchen, liegt an an den Ausläufern eines hohen breiten Tals und ist gekennzeichnet durch enge Gassen, steinerne Häuser und unzählige Schweine, Kühe, Hunde und Katzen, die durch die Gassen stolzieren. Wir fühlen uns um hundert Jahre zurückversetzt, nur der Fernseher und Handy sind Zeugen unserer Zeit.

Am nächsten Morgen dann brechen wir auf. Vater und Sohn der Gastfamilie begleiten uns, denn wir müssen eine Furt im Fluss passieren und das scheint nur auf dem Rücken eines Pferdes zu gehen. Ob das tatsächlich stimmt sei mal dahingestellt, doch die Stelle, an der wir schließlich durch das Wasser warten, ist in der Tat recht wild und tief, mit unseren Rucksäcken hätte das eine wacklige Partie werden können. Dank des Pferdes kommen wir trockenen Fusses auf der andere Seite an und können nun wieder bergauf steigen, denn der höchste Punkt des Weges will erreicht werden. Oben werden wir, ich sagte es ja bereits, von grandiosen Nah- und Fernblicken begrüßt – verweilen, wahrnehmen und einfach nur schauen…

Am vierten Wandertag dann erreichen wir Ushguli, das Ziel unserer kleinen Reise per pedes. Ushguli ist eine Gemeinschaft von vier Doerfern am oberen der Ende der Enguri-Schlucht und mit seinen 2200 Metern, das höchste, ganzjährig bewohnte Dorf Europas, das ebenfalls für seine Wehrtuerme bekannt ist. Die Gemeinde ist seit 1996 Teil des UNECSO Weltkulturerbes.
Über dem Dorf thront auf 2500m, ganz märchenhaft die kleine Limcheri Kirche, die so winzig aussieht vor dem Berg Schchara, mit 5200m der höchste Berg Georgiens.
// David

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7 Comments

  1. franka - 17. Juli 2013

    sooo schön ;)

  2. Katja - 18. Juli 2013

    wow, ich wusste gar nicht, dass georgien so schön ist. danke, für die schönen bilder.

    macht weiter so.

    LG

    • heiko - 21. Juli 2013

      Hallo Katja,
      ja, Georgien ist wirklich wunderschoen und wir sind verdammt froh, dass wir uns fuer eine Reise hierher entschieden haben. Wir koennen jedem nur waermstens empfehlen das kleine Kaukasus-Land zu bereisen, insbesondere, wenn man Freude am Wandern hat. Aber gut, fuer euch geht’s ja erstmal noch weiter Richtung Osten, wo es gewiss ebenfalls sehr schoen sein wird… :)
      LG aus Tbilisi!

  3. jens - 19. Juli 2013

    Europa? Wirklich Europa? – Und: Playmobils (mit selbst gebastelten Rucksäcken: alle Achtung!) am Rande der Zivilisation und am Abgrund – auch wunderbar. Wahrlich, ein tapfer erobertes Weltkulturerbe! Herzliche Grüße aus der mitteleuropäischen Ebene, Jens.

    • david - 21. Juli 2013

      Lieber Jens,

      ja, die Playmobilfiguerchen starteten ihre Reise bereits in einem selbstgebastelten Adventskalender im Jahre 2011, kurz nachdem wir die Entscheidung faellten diese Reise zu unternehmen. :) Sie sind uns ein steter Begleiter…
      Das mit Europa ist so eine Sache. Georgien wird von seinen Bewohner_innen wohl gerne als der „Balkon Europas“ definiert, jedenfalls lesen wir diesen Satz immer wieder. Wo genau die Grenze zwischen Europa und Asien in der Kaukaususregion gezogen wird, ist wohl nicht ganz eindeutig zu beantworten, wobei Georgien als solches ja in Vorderasien liegt. Ushguli scheint aber dann per Definiton wohl eher einer jenen Orte zu sein, die noch in Europa liegen. :) Zaehlt auch ihr bald wieder zu den Reisenden? (gerne auch per Mail!)

      Liebe Gruesse
      David

  4. steffen - 20. Juli 2013

    Hut ab, ob ich das auf mich nehmen würde? Liest sich sehr wirklich gut und klingt nach einer echten Herausforderung. Passt bloß auf Euch auf. Hut ab, die Herren. Ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Etappe. Sehr aufregend, wirklich. Ursula und ich sind aus Island zurück. Sie tourt jetzt durch Glasgow und ich wanderte aus Reykjavik kommend ganz bieder, wie jedes Jahr, durch den Harz. Kein Vergleich zu Euren Erlebnissen. Obwohl ich den Harz liebe. Ja, doch.

    • david - 21. Juli 2013

      Hallo Steffen,

      es freut mich von dir und ,indirekt, auch von Ursula zu hoeren. Ich hoffe, ihr zwei hattet eine wunderbare Zeit in Island mit vielen intensiven Momenten. Wie seid ihr gereist? Habt ihr die Island umrundet? Irgendwann moechte ich auch gerne mal Island bereisen, die Landschaft sieht toll aus, vielleicht weniger lieblich als die Almwiesen in Svanetien, aber sehr imposant und schoen rauh. Ich freue mich auf ausfuerhliche Berichte, wenn ich wieder da bin. :) Ich hoffe, ihr konntet den Schulalltag ein wenig vergessen und verbringt weiterhin schoene Ferien. Dir in jedem Fall eine tolle Zeit im Harz und auch viele Gruesse an Ursula in Glasgow!
      Wir brechen morgen auf nach Kasachstan – ich bin schon gespannt!
      Beste Gruesse von uns!
      David

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