Georgien// Sighnaghi

Georgien// Sighnaghi

Von Tbilisi geht es in rund zwei Stunden in Richtung Osten in den Distrikt Kakheti, der vor allem fuer seine weitlauefigen Weinabaugebiete bekannt ist. Unser eigentlich Ziel ist das Doerfchen Sighnaghi, das auf einem kleiben Berg situiert ist und somit hoch ueber dem flachen Land liegt. Man hat eine fulminante Aussicht auf die Ebene und kann in der Ferne die Auslaufer des Kaukausus sehen.
Insgesamt mutet das Staedtchen mit seinen verwinkelten Gassen eher italienisch an, die Hektik von Tbilisi scheint sehr fern – genau das haben wir gesucht. Vor einigen Jahren wurde Sighnaghi retauriert und touristisch „aufgewertet“, was man in jedem Fall auch sieht, offensichtlich wurde jedoch bei den Renovierungsarbeiten etwas mehr Feingefuehl bewiesen als in den sanierten Bereichen der Altstadt in Tbilisi. Schoen ist es hier!

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Bei unserer Ankunft werden wir bereits von Nato, der Besitzerin der Guesthouse in dem wir die kommenden Tage wohnen werden, erwartet und sehr freundlich begruesst. Ihr Haus liegt hoch ueber dem Alazanie Tal und von den drei (!) enorm grossen Terassen kann man den Blick ueber die bewaldteten Huegel schweifen lassen. Und genau das machen wir auch in den folgenden drei Tage ueber einen langen Zeitraum, denn das freundliche Miteinander bei Nato und ihrer Familie, die wirklichen netten anderen Gaeste aus Israel, Deutschland, Daenermark und Polen sowie die sonnige Aussicht sind Grund genug zu bleiben und ausgiebig zu entspannen. So geniessen wir das leckere Fruehstueck und Abendessen, spielen Karten, lesen und hoeren immer wieder den Gesaengen von Qeto und Kato, den beiden Toechtern von Nato, die zum einen verdammt gut Singen und zum anderen Tschonguri (georgische Gitarre) und Floete spielen koennen. An einem Abend gibt es ein grosses gemeinsames Abendessen mit allen Gaesten und der Familie, bei dem sicherlich alle 5 Minuten ein Toast ausgeprochen wird, auf Land, Leute, die Liebe und den Frieden. Klingt ein wenig kitschig, ist aber schoen! Der hauseigene Wein fliesst in jedem Fall in Stroemen, die Atmosphaere ist freundlich und offen. Qeto und Nato geben auch nochmals den Song Magnolia zum besten, jenes Lied, das uns seit einigen Wochen in jeder Marschruthka, jedem Restaurant und ueberhaupt ueberall begleitet und somit auch zu unserem Georgiensong avancierte:

Ansonsten, das muessen wir gestehen, haben wir in Signaghi recht wenig unternommen. Wir haben das sehenswerte Museum besichtigt, in dem u.a. die Geschichte des Oertchens aufbereitet wird sowie Gemaelde des georgischen Kuenstlers Pirosmani zu sehen sind, haben die Stadtmauer abgelaufen, die sich mit zahlreichen Tuermen in einem grossen Bogen am Hang entlang schlaengelt und haben einen Ausflug in das nahe gelegene Frauenkloster Bodbe unternommen. Jenes Kloster, zwischen Zypressen und Blumen gelegen, wurde der Ueberlieferung nach dort errichtet, wo die heilige Nino begraben wurde, eine Missionarin, die die Bekehrung der Georgier zum Christentum initiierte.

Insgesamt ruhige Tage auf einem beschaulichen Fleckchen Erde!

//David

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8 Comments

  1. steffen - 27. Juli 2013

    Herrlich, dass es überall auf der Welt ländliche Rückzugsorte gibt. Entspanntes Dorfleben (im Urlaub) ist eben nie mit Stadtdreck zu vergleichen, wie man an Euren Erlebnissen mal wieder sieht. Die für Europäer fremden Landschaften Georgiens machen bestimmt viele Leser neugierig auf mehr. Ich werde gleich mal bei Dussmann stöbern gehen. Der Kaukasus sieht einfach großartig aus. Kompliment, die Herren, auch für die atmosphärischen Fotos. Nichtstun, David, ist wunderbar. Jüdische Weisheit: “ Ruhe ist der Geist des Friedens.“

    • david - 9. August 2013

      Hallo Steffen,

      meine Antwort lies ganz schoen lange auf sich warten, denn seit nunmehr fast drei Wochen sind wir in Kirgisien und das Internet hier ist wahrlich keine Freude. Wenn ueberhaupt existent, dann so langsam, dass sich z.B. unsere Seite erst nach Stunden oeffnet. Nun sind wir in Osh, kurz vor der chinesischen Grenze und hier ist das Internet zumindest temporaer verfuegbar.

      Das Dorfleben in Sighnaghi liegt nun schoen einige Wochen zuerueck und in Kirgisien wurde es dann doch nochmals ruhiger und die Landschaften noch einen Tick grandioser. Dafuer fehlt uns hier aber ein wenig das staedtische Leben, Museen, Theater, …kaum vorhanden. Mal sehen, wie es nun in China weitergeht, dort geht es naechste Woche hin, wenn die Grenze am Irkishtan-Pass wieder offen ist…

      Und: Wie waren die Wanderung im Harz? Ruhe, konntest du auch dort sicherlich viel finden, oder?

  2. Kirsten - 30. Juli 2013

    Schönes Lied! Gefällt mir!

    • heiko - 9. August 2013

      Das ist schoen. :) Wir haben das Lied eben zum ersten Mal nach knapp drei Wochen wieder gehoert – das Internet hier in Kirgistan ist in der Regel ziemlich langsam, daher sind Youtubevideos meistens nicht anzuschauen.
      Ich hoffe, du kommst mit der Master-Arbeit gut vorwaerts! :)

  3. Ute - 1. August 2013

    Was für ein Kontrast-nach einem wuseligen ersten „Schultag“ höre ich „Magnolia“ und bin gleich ganz woanders! Und die langen Abende mit viel Essen, noch mehr Trinken und Singen hab ich noch gut in Erinnerung, da wird man immer so sentimental und das ist gar kein kitschiges Gefühl, sondern wunderschön. Viele Grüße nach einem wirklich tollen Sommer aus dem heißen Berlin! Eure Texte und Fotos sind total schön und werden sehnsüchtig erwartet!
    Liebe Utegrüße

    • david - 9. August 2013

      Liebe Ute,

      es freut mich, dass „Magnolia“ deine Urlaubsstimmung ein wenig verlaengern konnte. Wir haben es eben nach langer Zeit auch mal wieder gehoert und erinnern uns mit einem wohligen Gefuehl an Georgien.
      Seit fast 3 Wochen sind wir in Kirgisen und erleben viel schoenes, vor allem die Natur, die Berge und die grenzenlosen Landschaften sind unglaublich! Oft denken wir, dass es toll waere etwas russisch zu verstehen und es sicherlich eine Freude waere, mal mit dir ueber einen kirgisischen Bazar zu ziehen!

      Die Beitraege ueber Kirgisen folgen, wenn wir konstanteres Internet haben, zumindest der Abschlussbericht aus Georgien sollte gleich online sein…:)

      Liebe Gruesse von uns aus Osh!
      Und liebe Gruesse auch an viele der BvA!

      David

  4. jens - 2. August 2013

    „Magnolia“ klingt sehnsüchtigst, Georgien, das Land, wo die Zitronen .. äh… der Wein gedeiht; das saftig-fruchtige Frühstück passte auch gut in die deutsche Hitze … also denn: ein Toast auf den Frieden, die Liebe, das Dolcefarniente … und herzliche Grüße in die Weiten Georgiens (würde gern tauschen). Jens

    • david - 9. August 2013

      Lieber Jens,

      der Wein war lecker, aber an der Mosel, das muss ich schon sagen, schmeckt er noch besser! :) Gerne wuerde ich zumindest einen Abend mit euch gemeinsam beim Hoerrit verbringen, trinken und Kloenen, das waere toll! Aber dann auch wieder in die Welt entschwinden, denn das Reisen ist famos und bereitet viel Freude!

      Wir denken an euch, ganz oft!

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