Kasachstan// Almaty

Kasachstan// Almaty

Von Tbilisi fliegen wir mit air astana nach Almaty in Kazachstan. Der Flug verläuft zum Glück recht ruhig und so kommen wir pünktlich an. Im Flugzeug lernen wir Nathalie kennen, die sehr gut Deutsch spricht und wir entscheiden uns spontan mit mit ihr und ihrer Mum in die Stadt zu fahren. Eine gute Entscheidung, denn der Weg ins Zentrum ist extrem lang und wir müssen diverse Male umsteigen. Aufgrund mangelnder Sparchkenntnisse kein leichtes Unterfangen. Almaty wirkt zunächst ganz anders als erwartet, denn beide dachten wir, dass die Stadt vor allem aus Hochhäusern besteht. Dies trifft aber offentlichtlich eher auf Astana zu, denn Almaty präsentiert sich über große Flächen hin eher dörflich, kleine Häuser reihen sich aneinander und das Gefühl einer Großstadt kommt tatsächlich erst im unmittelbaren Zentrum auf, doch auch dort wirkt alles noch recht beschaulich.

Unser abendliches Ziel jedoch liegt etwas außerhalb an einer Ausfallstraße in einem traurig tristen Wohnblock. Über couchsurfing haben wir einen Kazachen kontaktiert, der uns eine vergleichsweise günstige Bleibe in einem einem kleinen Hotel vermitteln wollte. Da aber nun auch Nathalie und ihre Mum dabei sind, müssen wir umdisponieren und eine neue Bleibe will gefunden werden. Erneut hilft unser Kontakt von cousurfing via Telefon und irgendwann treffen wir in einer düsteren Ecke im Regen Almatys eine junge Frau, die uns in den besagten Wohnblock und in das Appartement Nr. 12 bringt. Etwas konfus stehen wir vier nun dort, ein kleines Hotel ist das nicht, stattdessen eine ziemlich leere Wohnung mit ein paar Möbeln, verklebten Töpfen und leeren Schränken. Ehrlich gesagt ziemlich ungemütlich und kein schöner Ort. Doch Nathalies Mum ist tatkräftiger als wir, fängt an zu spülen und kurze Zeit später sitzen wir mit Schmand und Pelmini am Tisch. Nathalie weiß viel über Kazachstan zu berichten und für uns ist es ein großer Vorteil, dass sie unsere Sprache spricht. So berichtet sie von den Problemen und Spannungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Kasachstans – den Russen einerseits, zu denen sie sich selbst auch zählt, und den Kasachen andererseits. Die beiden Bevölkerungsgruppen trennen laut Nathalie nicht nur rein kulturelle Unterschiede (europäisch – asiatisch), sondern vor allem religiöse (Christen – Muslime) und sprachliche (russisch – kassachisch) Divergenzen. Kasachisch (eine Turksprache des Nomadenvolkes der Kasachen) ist zwar Amtssprache, doch nur ca. 65% der Bevölkerung (fast ausschließlich Kasachen) sprechen diese Sprache, wohingegen nahezu jeder Russisch beherrscht. Der aktuelle Präsident sei von allen Teilen der Bevölkerung gut gelitten, doch sei er bereits alt und nach seinem Ableben wäre es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis die Spannungen eskalierten.

Im Laufe des Abends treffen dann auch die tatsächlichen Bewohner der Wohnung ein, die sicherlich ziemlich erstaunt sind, dass vier Unbekannte dort auf sie warten. Einer von ihnen ist Adele, mit dem wir später dann auch das Zimmer teilen. Er wird uns am folgenden Tag einen recht speziellen Abend bereiten…

Am nächsten Morgen erkunden wir jedoch erstmal mit Nathalie und einer spanischen Freundin von ihr, die seit einigen Jahren in Almaty lebt, ein paar Ecken der Stadt. Auf unserem kleinen Spaziergang liegt der Panfilov Park, der auch die farbenfrohe Zenkov Kathedrale beherbegt. Die Kirche, erbaut 1904, besteht in ihrer Gänze aus Holz und in ihr befinden sich einige glanzvolle perlenbesetze Ikonendarstellungen.

Später dann laufen wir zum Grünen Basar, einer Halle vollgestopft mit Obst, Gemüse und vor allem Fleisch. Wir probieren Kymys (vergorene Stutenmilch), Kurut (getrocknetes und in Bälle gepresstes Joghurt) und später am Abend dann noch Kamelmilch, eine Erfahrung für sich, von der jedoch eher abzuraten ist. :-)

Gegen Mittag bricht Nathalie mit dem Zug in ihre Heimatstadt auf und wir werden nahtlos an Ilyas, einen Freund von ihr, „übergeben“. Mit ihm gehen wir Kaffee trinken (ein Stück Käsekuchen 7) und erneut lernen wir vieles über das Leben in Kasachstan. In diesem Fall aber auch viel über Ilyas ganz persönliche Denke, der sich selbst als Rassist bezeichnet, wenig von Interkulturalität hält (wenn sich dadurch Kuturen vermischen), der aber trotzdem echt nett ist, deutsch-kirgisische Eltern hat (!) bei Zara arbeitet und doch eigentlich so weltoffen und weltgewandt scheint…

Am Nachmittag laufen Heiko und ich dann noch ein wenig durch Almaty und beginnen unseren Stadtspaziergang am Platz der Republik, von wo man zum einen auf die Stadt zum anderen auf die Berge blicken kann. Dies ist überhaupt eine sehr schöne Eigenschaft Almatys: der ständige Blick auf die nahen Berge, die sich unmittelbar hinter der Stadtgrenze mehrere tausend Meter hoch auftürmen und sich an unserem derzeitigen Standort in den Glasfassaden des Trade Centers spiegeln. Wir laufen den restlichen Tag durch die Stadt, bemerken die zahlreichen teuren Autos auf Almatys Straßen und fragen uns, ob auch der Rest des Landes von dem Ölboom, den das Auffinden von neuen Ölfeldern vor eininigen Jahren mit sich brachte, ergriffen wurde…

 Zu später Stunde machen wir uns auf in Richtung des Appartements Nr. 12. Dort wartet dann auch schon – the one and only – Adele. Es wird schwer werden diesen Abend zu beschreiben, der dann doch letztlich etwas surreal verlief, … Adele jedenfalls wartete mit einer großen Kanne chai in der Küche auf uns und wollte v.a. wissen ob Almety denn „butfl (=beautiful) sei. Dies war der Einstieg in ein durchaus nettes Gespräch, in dem es uns allen gelang mit Händen, Füßen, Wörterbuch und Adeles rudimentären Englischkenntnissen interessante Dinge über den jeweils anderen zu erfahren. So kam es dann auch, dass wir auf das Thema Musik zu sprechen kamen und fortan war Adele Feuer und Flamme. Man stelle sich also das besagte siffige Apartement Nr. 12 vor und vervollständige es vor seinem geistigen Auge um einige Discokugeln, Scheinwerfer und Nebelmaschinen bzw. einen roten, samtenen Vorhang. Dies jedenfalls wäre das passende Arrangement für Adele, der, nachdem er uns versicherte wie „butfl“ Musik sei, aufsprang und auf dem klebrigen PVC-Boden -spot an- diverse brakedance moves absolvierte. Ergänzt wurde das ganze – man öffne nun den roten Vorhang – um extrem hoch gesungene Opernarien, die Glas zum Bersten gebracht hätten. Adele jedenfalls war schließlich so in seinem Element, dass er noch spät in der Nacht und sogar noch am nächsten Morgen auf der Straße, als er uns zum Bus nach Bishkek brachte, in den schrillsten Tönen Opern trällerte. Wir sind uns bis heute nicht sicher, ob man nicht auch im entfernten Kirgistan von Zeit zu Zeit Adele die „Entführung aus dem Serail“ singen hört, doch nur wir können uns vorstellen, wie Adele dazu in seiner Apartement Nr. 12 in der Küche performent…

 

 

 

Author Bio

2 Comments

  1. Natalie - 29. August 2013

    Alma-Ata ist sehr schoen ,aber leider hatten wir nicht so viel Zeit fuer Sehenswuerdigkeiten((naechstes Mal
    take care,guys))
    with pray
    Nathalie

    • david - 7. September 2013

      …das stimmt: die Zeit war kurz, aber es waren positive, schöne und auch lustige Eindrücke in Kasachstan.
      Was machen deine Deutschlandpläne?

      Liebe Grüße aus Peking
      David

Leave a reply