Kirgisien // Bishkek

Kirgisien // Bishkek

Von Almaty aus geht es wie gewohnt mit der Marschrutka nach Bishkek. Der Weg dorthin bietet schon einen ersten Eindruck dessen, was uns in den kommenden Wochen erwarten wird: grenzenlose Landschaften.

Die Strasse schlaengelt sich am Fusse des Tianshan Gebirges auf einer Ebene entlang, rechts und links erstrecken sich weite Steppenlandschaften, die mal gruen und mal trocken orange-rot in der Sonne liegen. Und wir koennen die Landschaft sogar geniessen, denn unser Fahrer heizt deutlich weniger halsbrecherisch ueber die Strasse, als wir das von Georgien gewoehnt sind. Nach gut zwei Stunden erreichen wir die Grenze nach Kirgisien und passieren den wohl unkompliziertesten Grenzposten auf unserer Reise. Unsere Paesse werden kurz eingesammelt, doch nach bereits einer Minute betreten wir kirgisischen Boden. Wie schoen, wenn das auch in anderen Laendern zukuenftig vergleichbar entspannt ablaufen wuerde!

Bald danach erreichen wir den Busbahnhof in Bishkek und werden innerhalb kuerzester Zeit von diversen Taxifahrern belagert, die alle gleichzeitig auf uns einbruellen und uns zu verschiedensten Stellen des Landes fahren wollen. Unsere Orientierungslosigkeit ist kontraproduktiv und wirkt offensichtlich „Bruellfordernd“, doch nach einigen Minuten koennen wir zumindest einem Fahrer auf der Karte des Lonely Planets deutlich machen, wo es hingehen soll: in das Sabyrbeks‘ s B&B, eine schlechte Wahl, wie sich spaeter zeigen wird. Zwar ist das Zimmer relativ gross und vergleichweise sauber, allerdings bis unter die Decke vollgestellt mit alten Moebeln und anderen Alltagsgegenstaenden, wie zum Beispiel einem Hometrainer, der uns schnurrend dazu einlaedt, bei 35 Grad am Morgen ein paar Kalorien zu verbrennen. Wie gesagt, das Zimmer ist okay, doch Bad und Toilette wahrlich eine Kastatrophe. Vermutlich haben die Besitzer_innen vor einigen Jahren einfach entschieden, dass sanitaere Einrichtungen nicht mehr gesauebert werden muessen. Jedenfalls sieht es uebel aus und eigentlich moechte man die Dusche mit ihrer fingerdicken Patina erst gar nicht betreten. Doch was beibt anderes uebrig? Augen und Nase zu und durch!

Immerhin gibt es einen Garten (ebenfalls zugestellt mit zahlreichem Sperrmuell), der mit einem kleinen Pavillion aufwartet, an dem sich die Hotelgaeste und auch die Besitzer zeitweise treffen und ein Bier zusammen trinken. So auch an unserem ersten Abend. Ein weiterer kleiner Gast gesellt sich uebgrigens noch dazu, eine kleine abgmargerte Babykatze, die um uns herumtigert und um etwas Essen jaunert. Eine liebe Frau aus Belgien entschliesst sich kurzerhand im Kiosk um die Ecke etwas Katzenfutter zu kaufen, was von der Katze wohlwollend begruesst, von den Guesthousebesitzern jedoch unglauebig beauegt wird. Das gute Fleisch! Fuer eine Katze? Unglaublich! Und so klingt es vielleicht auch gar nicht so verwunderlich, dass nach ein paar Minuten – das Kaetzchen hat die halbe Dose aufgefuttert – der Rest auf dem Tisch landet und von den beiden bulligen Besitzern des Hauses genuesslich mit ein paar Chips aufgegessen wird. Wie das mundet! Uns wird klar, dass wir uns, was unsere vegetarische Ernaehrung angeht, auf etwas gefasst machen muessen. Willkommen in Kirgisien!

Doch nun zuerueck zur Stadt: Bishkek ist aus einer Karawanenstation an der Seidenstrasse hervorgegangen und bildet mit rund 800.000 Einwohnern die groesste Stadt des Landes. „bishkek“ ist uebrigens der Name fuer das Gefaess, mit dem Kumys zubereitet wird, jene vergorene Stutenmilch, die wir bereits in Kasachstan probieren durften. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit des Nationalgetraenkes und so ist es nicht verwunderlich, dass man sie auch auf allen Maerkten in grossen Flaschen kaufen kann. An jeder Strassenecke gibt es uebrigens noch zwei andere aussergewohnliche Getraenke zu erstehen: Tan und Makysm. Tan ist ein sehr saures, gegorenes Joghurtgetraenk, ein wenig vergleichbar mit Ayran aus der Tuerkei, jedoch deutlich salziger und saurer. In jedem Fall aber erfrischend und recht lecker. Daneben gibt es noch Maksym und das ist wiederum fuer einen europaeischen Gaumen sehr speziell. Es handelt sich dabei um eine braune, saemige, kruemelig dickfluessige Fluessigkeit. Geschmacklich erinnert sie an puerriertes Brot, dass zusaetzlich noch mit gegohrenem Sauerteig angereichert wird. Wer moechte kann im uebrigen auch eine Mischung aus beiden Getraenken erstehen!

Doch schon wieder halte ich mich an den kulinarischen Eigenarten dieser Stadt auf (es sei zumindest noch hinzugefuegt, dass wir auf einem Basar ganz wunderbare asiatische Nudeln und Salate gekauft und genossen haben, ohne uns dabei die Maegen zu verderben!). Bishkek ist eine Stadt mit einer sehr jungen Geschichte, eine erste Lehmfestung wurde erst 1825 erbaut. Daher gibt es auch keine historischen Gebauede, wodurch die Sehenswuerdigkeiten der Stadt recht schnell erschoepft sind und das Stadtbild mit seinen vorweigend sowjetischen Gebaueden relativ eintoenig wirkt. Doch auch hier bieten zumindest die Berge im Hintergrund eine schoene Kulisse und auch die zahlreichen Bewasserungskanaele, durch die das Wasser flutet,  sind, was die Atmosphaere der Stadt angeht, in jedem Fall foerderlich. Ausserdem ist es auf den Strassen sehr belebt, die Bishkeker sind viel unterwegs, sitzen in den zahlreichen Restraurnats und Cafes oder gehen shoppen. Man kann es also durchaus ein paar Tage hier aushalten, wobei wir uns jedoch staendig nach mehr Kultur im Sinne von Museen, Theatern oder anderen kulturellen Einrichtungen sehnen.

Trotzdem erleben wir  einige schoene Stunden in Bishkek, unter anderem uebrigens mit Agatha und Martin, zwei Freunde von Heiko, die zufelligerweise auch gerade in Kirgisiens Hauptstadt verweilen und auf ihrer Reise durch Zentralasien hier einen Zwischenstop einlegen. Den Abend lassen wir gemeinsam auf dem ala-too ausklingen, jenem zentralen Platz der Stadt, an dem einst die Tulpen-Revolution ihren Hoehepunkt fand. Heute kommen vor allem abends Jung und Alt zusammen um den schrillen Klaengen kirgisischer Popmusik zu lauschen, die in extremer Lautstaerke den Platz beschallt. Es ist eine ausgelassene und ganz spezielle Stimmung hier, umgeben von den Sowjetkloetzen tanzen ausgelassen kleine Maedchen und die etwas Aelteren flirten gekonnt mit den Handykameras. Und im Zentrum tanzen die beleuchteten Fontaenen…

 

 

 

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