Kirgisien // Pferdetrekking zum Song-Köl

Kirgisien // Pferdetrekking zum Song-Köl

Vom Issyk- Köl See geht es per Taxi nach Kochkor, einem kleinen Ort in Zentralkirgisien. Hier gibt es nicht viel: lediglich ein paar Restaurants, einige Reiseagenturen und ein Basar saeumen die Hauptstrasse. So dient uns Kochkor vor allem als Ausgangspunkt fuer ein Pferdetrekking, das wir in den kommenden Tagen machen moechten. Nachdem wir die unterschiedlichen Agenturen im Augenschein genommen haben, entschliessen wir uns die Tour mit der Jailoo Tourist Community zu unternehmen. Die Preise scheinen im Vergleich zu CBT recht vernuenftig, sind mit ueber 200 Euro aber trotzdem unsere groesste Investition in Kirgisien.

Am naechsten Tag geht es mit dem Taxi nochmals rund 1,5 Stunden in die Berge hinein, dort werden wir dann auf die Pferde umsatteln. Nach kurzer Zeit wird die Strasse zu einer staubigen Piste und an uns ziehen mal schroffes Gestein, mal rotorange gefaerbete, sandige Felsen und ein anderes mal sanfte gruene Wisen vorbei. Das Auge kann sich immer wieder auf neue Landschaften einstellen und es wird so niemals eintoenig. Auch in dieser abgelegenen Landschaft stehen zahlreiche Jurten und die Wiesen sind richtiggehend belebt von den Schaefern, dem Vieh und zahlreichen spielenden Kindern.

Irgendwann erreichen wir ein kleines Dorf, in dem wir in einer farbenfrohen Jurte unser Mittagessen einnehmen. Dann geht es auch schon los: Die Pferde werden gesattelt und wir steigen auf. Vielleicht sollte an dieser Stelle erwaehnt werden, dass weder Heiko noch ich reiten koennen, dementsprechend aufgeregt sind wir und dementsprechend unbeholfen wirken wir vermutlich auch auf unseren Reittieren. Doch erstaunlich schnell gewoehnt man sich an die erhoehte Aussicht und schon bald trotten wir gemeinsam mit unserem Guide Balobek los und verlassen das Dorf in Richtung der Berge. Unser Guide ist ein wirklich netter, recht introvertierter Typ, der aber leider so gut wie kein Englisch spricht. Trotzdem versucht er moeglichst viel mit uns zu kommunizieren und unterrichtet uns die wichtigsten Begriffe (Pferd, Dorf, Fohlen …) in Kirgisisch.

Da wir abends in den Jurten noch auf andere Gruppen treffen, entschliessen sich die Guides fortan zusammen weiter zu reiten. Leider sind die anderen nicht sonderlich sympathisch, vor allem ein Paerchen aus Israel ist extrem nervig. Die beiden Herren sind naemlich hauptsaechlich damit beschaeftigt abertausende Fotos von sich in ihren fulminanten Cowboyhueten zu machen und die tolle Landschaft als Catwalk zu missbrauchen. Doch davon sollten wir uns nicht die Stimmung vermiesen lassen, deswegen zurueck zur Landschaft:

Aktuell befinden wir uns auf ca. 2000m Hoehe, in den naechsten Tagen werden wir drei Paesse von rund 3600m passieren. Das Ziel unserer Reise ist der sehr beliebte Song-Köl, ein hochalpiner See auf 3016m Hoehe.

Diesem trotten wir zunaechst in sehr gemaechlichem Tempo entgegen, doch schon bald zeigt uns Balobek wie wir unsere Pferde zu einem etwas zuegigeren Tempo „motivieren“ koennen (ein lautes „Tschuuu“ soll naemlich Wunder bewirken) und dann – man mag es kaum glauben – galoppieren wir in doch recht rasantem Tempo ueber die famosen Jailoos, die saftig gruenen Sommerweiden Kirgisiens, wie genial!

Die weitlaeufige, unberuehrte  Lanschaft ist wirklich erhaben. Vor der Unendlichkeit der Natur fuehlt man sich klein: man reitet ueber eine Anhoehe und vor uns breitet sich ein schier endloses, breites Tal aus. Sanfte Wiesen wellen sich in Richtung des Horizontes, so weich und sanft, dass man sie am liebsten streicheln moechte. Und man selbst ist nur ein kleiner, verlorener Fleck in der Landschaft.

Die Naechte verbringen wir, ganz typisch, in Jurten bei Schaeferfamilien. Die zeltartigen Behausungen sind eine wirklich angenehme Bleibe. In der Nacht sind sie recht warm, tagsueber bieten sie eine kuehle Temperatur. Und wirklich, die Jurten sind so farbenfroh, dass man sich gerne in ihnen aufhaelt und die vielfaeltigten, verspielten Muster begutachtet…

Abends finden wir uns alle gemeinsam in einer Jurte zum Essen ein, und wie gehabt ist und bleibt es als Vegetarier in diesem Land problematisch. Irgendwie funktioniert es zwar (auch wenn es ratsam ist, die Bestandteile der vemeintlich vegetarischen Suppe, die dampfend vor einem steht, nicht allzu genau zu begutachten), doch ich moechte nicht unseren Cholesterinspiegel kennen, der nach rund fuenf Eiern taeglich bedrohlich in die Hoehe gestiegen sein duerfte…

Suppe, posierenden Cowboys und schmerzenden Hintern zum Trotz (drei Tage reiten sind wirklich das Maximum, wenn man nicht daran gewoehnt ist!) reiten wir also durch gruene Taeler, passieren hohe Paesse und erreichen am zweiten Tag den Song-Köl , der sich kristallklar vor uns ausbreitet. Den See umgebend tuermen sich die Berge in die Hoehe und doch scheinen sich Himmel und See zu beruehren (schon wieder ein romantisches Motiv, das Caspar David Friedrich sicherlich gerne wie auch das Erhabene – versucht haette bildnerisch umzusetzen)…

//David


rps20130820_160843

Author Bio

1 Comment

  1. steffen - 27. August 2013

    Hallo David, mit Interesse und voller Spannung lese ich Eure Berichte – und zwar alle. Welches waren bisher die größten Herausforderungen? Was überraschte Euch am stärksten positiv und was negativ? Wie riechen und schmecken übrigens diese Länder? Wo ist das Essen am leckersten und wo sind die Toiletten am allerschlimmsten? Dinge, die die Welt so braucht! Gute Frage…mein Lieblingsort… bleibt Berlin. Und ich bin gerne im Harz. Obwohl schon in der halben Welt gewesen, ist mein liebenswertester Ort dort Braunlage. Alles schön in Braunlage. Bad Harzburg ist auch toll. Ein Ort, den ich nie wieder besuchen werde, ist das 11 Flugstunden entfernte Badeparadies P. in T., aber schlimm war auch der vollkommene Dreck und Autogestank in A. in G., sonst eine tolle Hauptstadt mit großartigen Sehenswürdigkeiten. Passt bitte auf Euch beide auf! Dein Schreibtisch, David, ist leer und darf nicht vollgemüllt werden. Thomas klebte einen Extrazettel drauf und alle halten sich dran. Ganz liebe Grüße auch von Ursula und dem ganzen Team im Haus 8. Steffen, Berlin, 26 Grad, sonnig, ein ruhiger samstäglicher Korrekturtag.

Leave a reply