China // Pingyao: „Mushroom rape“ in der Stadt der tausend roten Laternen

China // Pingyao: „Mushroom rape“ in der Stadt der tausend roten Laternen

Pingyao  war einst ein wichtiges Finanzzentrum im alten China: Hier gab es die ersten Banken des Landes und auch der erste  Scheck wurde hier ausgestellt. Und wo das Geld ist, lebt es sich bekanntlich besonders gut, so ja zumindest die weitläufige, aber auch fragwürdige Meinung. Während der Ming- und Quing-Dynastie entwickelte sich der Ort zusehends zu einer reichen Handelsstadt, was die rund 4000 teils riesigen Residenzen im Stadtinneren eindrucksvoll belegen.

Heute besteht Pingyao eigentlich aus zwei gänzlich separierten Teilen: jenem altehrwürdigen, der von der best erhaltenen Stadtmauer Chinas umgeben ist, und jenem neuen Teil, der aus tristen Hochhäusern besteht und in der Nacht durch Leuchtreklame erleuchtet wird. Hier gibt es ganz klar das bessere Essen (denn in der Altstadt ist es wahrlich eine Katastrophe!), doch wirklich sehenswert ist das neue Pingyao nicht. Das alte hingegen schon:

Entlang zahlreicher kleiner Sträßchen und Gassen liegen die für Pingyao typischen Steinhäuser mit ihren tiefen Steindächern. Teilweise mag man kaum glauben, was sich für riesige Gebäudekomplexe hinter den pittoresken Fassaden verbergen. Das Richeng-Finanzhaus z.B. umfasst über 100 Räume, die sich um die zahlreichen Innenhöfe gruppieren. Insgesamt gibt es rund zwanzig, dieser „besonders sehenswerten“ Gebäude und um sie zu sehen, braucht man eine Eintrittskarte, die 40€ für zwei Personen kostet und zwei Tage gültig ist (kleiner Tipp: der dt. Führerschein ähnelt offenbar einem Studentenausweis und macht das Ganze um die Hälfte günstiger ;-) ).

Und so läuft man durch die Straßen, schaut sich die historischen Gebäude an (darunter auch eine alte katholische Kirche – eine echte Seltenheit in China) und begibt sich auf eine kleine Reise in die Vergangenheit, von der die Häuser und Tempelanlagen zu erzählen scheinen. Die taotischen, konfuzianischen und buddhistischen Tempel sind wirklich schön und in ihrer Gebäudestruktur ganz ähnlich aufgebaut wie auch die Wohnhäuser: Man betritt sie durch ein Eingangstor und läuft durch das verwinkelte Areal von Hof zu Hof. So ergeben sich immer wieder neue schöne Perspektiven auf die Wasserbecken, die grünen Keramikdächer, die riesigen Räucherstäbe, die im Sand stecken und die haushohen Statuen.

Besonders reizvoll ist Pingyao bei Nacht, denn dann sind die Straßen um den zentral gelegenen Stadtturm mit tausenden (und das ist nicht untertrieben!) roten Laternen und Lämpchen erleuchtet. Überall funkelt es und man mag sich an den Lichtpunkten kaum satt sehen.

Liest sich so als wäre Pingyao DER städtische Höhepunkt unserer Reise? Mitnichten! Das hat mehrere Gründe: Pingyao ist vermutlich das, was Rüdesheim am Rhein für Deutschland ist: Konservierte Historie, durch die sich Massen an lautstarken chinesischen Touristen schieben (ja, auch wir sind Touristen, aber hoffentlich nicht ganz so Lautstarke), die an immer gleichen Geschäften vorbei laufen und miserables Essen zu sich nehmen. Das ist die kleine, aber durchaus vorhandene Schattenseite dieses ansonsten wirklich sehenswerten Örtchens, das für ein, zwei Tage ganz definitiv ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Peking wert ist (aber auch nicht länger!).

…sagte ich bereits, dass das Essen innerhalb der Mauern wirklich, wirklich schlecht und teuer ist? Die meisten Restaurants halten übrigens die mehr oder weniger gleiche Speisekarte für ihre Gäste parat. Wie wäre es zum Beispiel mit „frittiertem verrotteten Sohn“ zum Abendessen? Ein weiterer kleiner Blick auf die liebevoll übersetzte Speisekarte:

…erzählte ich außerdem, dass mitten auf der hell erleuchteten Fußgängerzone ein Junge der Meinung war, auf Heikos nackte, nur in Sandalen steckenden Füße pinkeln zu müssen?

…habe ich außerdem erwähnt, dass wir uns in Pingyao so den Magen verdorben haben, dass wir in Peking vor allem eines gesehen haben, nämlich die Toilette?

//David

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