China// Hong Kong: Wow! Woow! Wooow!

China// Hong Kong: Wow! Woow! Wooow!

Hong Kong wurde rückblickend sicherlich zu einem der bisherigen Höhepunkte unsere Reise, was zur Folge hatte, das wir an Stelle der anvisierten fünf Tage ganze elf in dieser außergewöhnlichen Stadt verbrachten (zunächst in einem tollen Zimmer mit Meerblick im 20ten Stock in einem Hochhaus in den New Territories, dann couchsurfend an der Stadtgrenze unter Papayabäumen und schließlich campend am Strand auf der Insel Lantau). Aufgrund der Vielzahl an Eindrücken, gibt es an dieser Stelle nur ein paar Blitzlichter, die unsere Zeit in dieser Stadt skizzieren sollen.

Urbanes

Das wirklich außergewöhnliche an dieser Stadt ist sicherlich ihre Dichte an Wolkenkratzern, die sich mitten aus dem Dschungel dem Himmel entgegen strecken. Rund 1250 sind es, die über 234 Inseln verteilt liegen, wobei die höchste Dichte an Hochhäusern sicherlich in Hong Kong Central vorzufinden ist. Hier ist es voll, hektisch, Passanten rasen über die Straße, die schmalen doppelstöckigen Trams fahren im Zickzack und insektengleich durch die Straßenfluchten. Es gibt riesige Bankgebäude, chaotische Marktgassen, frittierte Enten, Schildkrötensuppe, Starbucks, Gucci, Shoppingmalls und tausenderlei mehr. Es ist ein grandioser Mix zwischen asiatischer und westlicher Kultur, die die Stadt so interessant und vielfältig macht. Die Stadt saugt uns auf und fesselt uns mit ihren immer neuen Perspektiven. Unten, in ihrem tiefsten Inneren kann man kaum den Himmel sehen, gleicht einer Ameise, die sich zwischen den Hochhäusern ihren Weg sucht. Oben, auf dem Victoria Peak liegt einem die Stadt zu Füßen und man genießt wahrscheinlich einen der grandiosesten, von Mensch gemachten Ausblicke dieser Welt. Die Skyline dieser Stadt ist eines: atemberaubend. Bei Tag genießt man sie von einem der zahlreichen Hügel und bei Nacht, wenn die Wolkenkratzer bunt illuminiert sind, Millionen Lichter funkeln und riesige, leuchtende Neonreklame die Straßen in ein immer wieder anderes Licht taucht, von der Avenue of Stars in Kowloon.

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Natürliches
Und trotzdem, man mag es kaum glauben, kann man sich in dieser Stadt wunderbar erholen. Rund 70% dieser Global City in der das Geld regiert sind Tropenwald. Grüne, hügelige Inseln umgeben die Stadt und sandige Strände sind in kurzer Zeit mit den günstigen Fähren zu erreichen. So gibt es wunderbare Fluchträume um der Hektik des Stadtlebens zu entgehen: Lantau, die größte Insel und einer der Endpunkt der MTR  beherbergt zum einen Disney Land und zum anderen viel Wald, viel Strand und eine riesige Buddhastatue. In diesem Fall ist es die größte sitzende der Welt (schon wieder ein Superlativ!). Wirklich imposant ist jedoch vor allem ihre Lage, denn der Buddha thront ganz kontemplativ auf einem Berg und genießt die wunderschöne Aussicht auf die umgebenden Berge und das Meer.

Inseln Hong Kong

Nicht weit entfernt liegt das kleine Fischerdorf Tai O. Ein ruhiger, heißer Ort, dessen Häuschen allesamt auf Holzstelen stehen um dem Wasser des Meeres zu trotzen. Es riecht nach Fisch, der in der Sonne getrocknet wird, nur wenige Leute sind auf den engen Wegen unterwegs und es ist tatsächlich ein beschaulicher Ort, obwohl die Häuser beileibe nicht schön und pittoresk sind. Hauptsächlich bestehen sie aus verrostetem Metall, sind alle windschief und übersäht mit Muscheln. Und trotzdem ist es fein, sich hier ein paar Stunden aufzuhalten, das klatschende Wasser zu hören und als Abschluss mit dem Schnellboot aufs Meer hinaus zu fahren und rosafarbene Delphine zu beobachten.


Auf dem Weg zurück machen wir halt am Pui O Beach, einem schönen Strand, der in einer mondsichelartigen Bucht liegt. Das Wasser ist erfrischend und unter Palmen schauen wir uns den Sonnenuntergang an. Und hier entdecken wir dann auch unsere Bleibe für die nächsten Tage: einen kostenlosen Campingplatz (von denen es zahlreiche auf Hong Kongs Inseln gibt!) direkt auf diesem schönen Strand und nur 40 Minuten Fährfart von der Innenstadt entfernt. Was ein Glück! :-)

Pui O Beach  

Menschliches

Generell, das muss man einfach sagen, finden wir es in Hong Kong deutlich entspannter als auf dem chinesischen Festland. Die Leute starren einen nicht ständig an, man begegnet sich deutlich rücksichtsvoller, fast alle sprechen Englisch und es wird nicht ständig aus dem tiefsten Inneren auf den Boden gerotzt (denn das ist verboten und richtig teuer!). Das klingt vielleicht penibel, doch wir brauchen gerade ganz definitiv ein wenig Erholung vom Reste Chinas. Das finden wir (s.o.) und davon mal abgesehen treffen wir richtig nette Leute. So verbringen wir zum einen, einen netten Abend mit Pizza und Bier mit Ryo und Teh Hau, tauschen unsere Reiseerlebnisse aus und können außerdem  etwas über das Leben in Hong Kong, aber auch in Japan und Malaysia erfahren, denn das sind die Heimatländer der beiden. Außerdem treffen wir via Couchsurfing Iris, bei der wir zwei Nächte schlafen. Sie ist richtig weit rum gekommen und bei einem vegetarischen Abendessen in Hong Kong downtown weiß sie viel über ihre Reisen nach z.B. Israel und Schweden zu berichten. Iris wohnt zusammen mit ihrem politik- und geschichtsversiertem Vater („Uncle Ho“) an der Stadtgrenze Hong Kongs und tatsächlich nächtigen wir in einem Haus, das umgeben von Papayabäumen und Plantagen ist. Ein reizvoller Kontrast zu der wuseligen Innenstadt. Auch das ist Hong Kong!

Hong Kong ist in vielerlei Hinsicht anders als Festland-China. Die offizielle Strategie „Ein Land, zwei Systeme“ spiegelt sich nicht nur darin wieder, dass die Sonderverwaltungszone HK anders als die Volksrepublik China nicht auf einem sozialistischen, sondern einem kapitalistischen Grundverständnis fußt, sondern darin, dass die Bürger_innen viele Privilegien genießen, wie z.B. uneingeschränkte Reise- und Meinungsfreiheit. Zwanzig Kilometer weiter nördlich werden Falun Gong-Anhänger_innen verfolgt und gefoltert, hier betreiben sie unbehelligt Straßenstände. In der VR gesperrt oder zensiert, gehören Facebook, Twitter und Wikipedia hier zum Alltag.

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Kommerzielles

Tja, Hong Kong ist wohl D-I-E Stadt des Konsums und wir können uns kaum vorstellen, dass es auf dieser Erde ein Stadt mit einer höheren Dichte an Shopping-Malls geben kann (vgl.: http://en.m.wikipedia.org/wiki/List_of_shopping_centres_in_Hong_Kong). Diese Stadt ist durch und durch kommerzialisiert und man kann sich dem einfach kaum entziehen. Die meisten MTR-Stationen enden unter Malls, die Skywalks führen zwangsläufig durch Malls und die Straßen sind gesäumt von – richtig – Malls. Teilweise haben wir den Eindruck in einer Shoppingblase gefangen zu sein, so schwer ist es, den hoch glänzenden Kaufpalästen zu entfliehen.  

Spirituelles Letztlich besteht Hong Kong aber auch nicht nur aus Konsum und Kommerz. Über die Stadt verteilt gibt es zahlreiche religiöse Orte wie Kirchen, Moscheen und eine Synagoge. Vor allem aber findet man natürlich Tempel vor. Hierbei fällt insbesondere der atmosphärische Man Mo Tempel in der Hollywood Road ins Auge. Wenn man das 1874 erbaute Gebäude betritt, wabern einem dicke Wolken Räucherstäbchenrauch entgegen. Im Inneren ist alles in ein dunkles rot getaucht, Opfergaben liegen zu Fuße der großen Statuen und die Besucher ehren den Gott der Literatur (Man) und den Gott des Krieges (Mo) während über ihren Köpfen die Räucherspiralen schwelen. Und wer möchte, kann sich im  Raum nebenan noch die Zukunft voraussagen lassen.

Kulinarisches
In Peking sind wir ja leider nicht in den Genuss einer veganen Pekingente kommen, da unsere Mägen ein wenig durchgedreht sind. Doch in Hong Kong möchten wir die Chance nutzen und diverse vegetarisch bzw. vegane Restaurants ausprobieren. Endlich essen gehen ohne Stress und Sorge – darauf freuen wir uns. So probieren wir im Pure Veggie Haus das zugegebener Maße recht teure acht Gänge Menü aus. Teilweise schmeckt es grandios gut (z.B. der knusprige süß-saure Tofu) manchmal grandios eklig (Pflaunen-Bohnensuppe) und ein anderes Mal ist die Konsistenz grandios außergewöhnlich (gedämpfte, schleimige Teigtaschen mit Pilzen). Das mit Abstand beste Essen gab es in einem Restaurant nahe Yu Ma Tai: ultimativ knusprigen, marinierten Seitan, veganen Quallensalat und extrem scharfen Hot Pot. Ein Feuerwerk für die Geschmacksknospen.

Und sonst?

…hatten wir das Glück, während unseres Aufenthaltes in Hong-Kong das Mid-Autumn-Festival zu erleben. Das Fest bezieht sich auf das chinesische Erntefest und wird jedes Jahr dann gefeiert, wenn der Mond am fünfzehnten Tag des achten Monats des Mondkalenders in seiner Gänze am Himmel steht. Traditionell schenkt man sich sogenannte Mooncakes, kleine Kuchen mit wunderhübschen Mustern und außergewöhnlichen Füllungen (Lotus, Bohnen und auch hart gekochtes Eigelb als besonderes Schmankerl). Wie auch viele, viele andere Leute aus Hong Kong haben wir den Abend am Strand verbracht, haben die ausgelassene Stimmung genossen, die tausenden Kerzen im Sand bewundert und den leuchtenden Himmelslaternen nachgeschaut, wie sie über das offene Meer hinaus flogen. Und auch wir haben unsereüber das offene Meer hinaus flogen. Und auch wir haben unsere Wünsche auf eine Laterne geschrieben und haben sie steigen lassen …

//David

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4 Comments

  1. franka - 20. Oktober 2013

    wie vielgestaltig, fremd und schillernd :)

  2. Katja - 23. Oktober 2013

    wow,
    wunderschöne Eindrücke aus Hong Kong. Ich war selber 2007 für 2 Wochen dort und werde es sicherlich noch einmal tun. Danke für die schönen Fotos.

    • heiko - 5. November 2013

      Danke fuer den Kommentar! Ja, HK ist echt super, vor allem weil es so vielfaeltig und abwechslungsreich ist. Wir haetten auch nichts dagegen nochmal zurueckzukehren!

  3. Thailand// Bangkok: Same same, but different - im Trubel von Kommerz, Religiösität und Königtum | Worldtripnews - 17. Dezember 2013

    […] waren wir schon länger in keiner so richtig großen Stadt mehr. Der geniale Aufenthalt in Hong Kong, liegt nunmehr rund zwei Monate zurück und so freuen wir uns auf urbanes Großstadtleben, […]

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