Kambodscha// Kampot: Von Masterplänen und böser Menschenhand

Kambodscha// Kampot: Von Masterplänen und böser Menschenhand

In Vietnam hatten wir eine wunderbare Zeit. Okay, das Ende war ziemlich bescheiden, doch letztlich haben uns die sehr liebevollen Leute, die grandiose Landschaft und die gute Kaffeekultur begeistert und Vietnam rangiert in unseren Top 7 (so viele Länder haben wir in den letzten Monaten bereist), sicherlich sehr weit oben.

Doch nun geht es weiter in Richtung Kambodscha, ein Land, bei dem die meisten Reisenden ins Schwärmen geraten, wenn der Name in einem Gespräch fällt. Ich selbst war vor rund drei Jahren schon einmal da und konnte mich damals nicht so recht begeistern. Es war in jedem Fall eine Reise wert, doch richtig „warm geworden“ bin ich mit Land und Leuten nicht. Nun hoffe ich, dass es diesmal klappt und wir auf dem Weg nach Thailand noch viele schöne Erfahrungen sammeln werden.

Gleich die Grenzpassage macht diese Hoffnung vorerst zunichte. Zwar verläuft alles erstaunlich unproblematisch und wir müssen nicht ständig irgendwo Geld abdrücken um weiter zu kommen, doch leider kommt es zu einem sehr erschreckenden Ereignis. Just als wir die kambodschanische Grenze passiert haben, kommt ein offensichtlich geistig behinderter junger Mann bettelnd auf uns zu. Ihm haben auch noch andere Krankheiten schwer zugesetzt und sein Anblick ist wirklich traurig stimmend. Als dann gerade unsere Pässe gecheckt und die Visa ausgestellt werden, hören wir, wie der junge Mann aufgebracht lautiert. Ein Grenzbeamter ist nämlich dabei, ihm eine Flasche Wasser über den Kopf zu schütten, damit er nicht in der Nähe der Grenze sitzt und bettelt. Der junge Mann, sich des Unrechts, das ihm gerade widerfährt, bewusst, scheint nicht bereit zu gehen und verkennt wohl auch den Ernst der Lage, denn der Beamte hat sich mittlerweile mit einem kindskopfgroßen, scharfkantigen Stein bewaffnet und fuchtelt wild und drohend rum. Es wird gebrüllt und gestammelt, irgendwann flüchtet der junge Mann, greift selbst verzweifelt und weinend zu einem Stein und stiehlt sich um die Ecke. Was genau noch passiert ist, wissen wir nicht. Jedenfalls steht eine handvoll Kambodschaner die ganze Zeit grinsend daneben und mich plagt seitdem das schlechte Gewissen, nicht eingegriffen zu haben. Denn auch wir standen entgeistert rum, zumindest aber nicht grinsend, und waren mit dieser menschenunwürdigen Situation und der sprachlichen Barriere überfordert. Doch Fakt ist, wir neun Touris, die dort standen und alles gesehen haben, haben nicht reagiert und nicht jenem geholfen, der es alleine offensichtlich nicht konnte…

Ein paar Stunden später kommen wir in Kampot an, einer kleinen Stadt am Ufers des Teuk Chhou. Unsere Bleibe für die nächsten Tage, das Ganesha Resort, liegt weit außerhalb der Innenstadt inmitten von Palmen, Obstbäumen und saftig grünen Reisfeldern. Es gibt runde Palmhütten, die über einem dunkelgrünen kleinen Fluss thronen und Hütten auf Stelzen, von denen man in die Ferne blicken kann. Ein traumhaftes Fleckchen Erde, wenn da nicht die Soundanlage der Besitzer_innen wäre. Als wir ankommen, wummert uns ohrenbetäubender Techno entgegen, und so bleibt es dann auch bis in die Nacht. Die Grillen, Schlangen, Geckos und was da sonst noch so im Unterholz kreucht und fleucht pulsiert im Wummern des Basses und wir tun es auch – notgedrungen. Immerhin wird es in den nächsten Tagen besser und die Lodge avanciert zu einer schönen Bleibe mit etwas seltsamen Personal, aber extrem leckerem Essen inmitten einer saftig grünen Landschaft, die einfach nur schön ist.

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Von Kampot aus kann man einen Tagesausflug mit dem Motorrad in den nahegelegenen (ehemaligen) Bokor-Nationalpark unternehmen. Der Park erstreckt(e) sich über ein Hochplateau, das auf rund 1100m liegt und bei freier Sicht einen wunderbaren Blick auf die Küste verspricht. Das Areal war zu Kolonialzeiten eine Hill Station der Franzosen, die hier um 1925 ein kleines Palasthotel und eine Kirche errichteten. Seit dem Rückzug der roten Khmer standen die Gebäude leer. Es entstand eine kleine Geisterstadt, die von Flechten überwuchert wurde und vom satten Grün des Nationalparks umgeben war.
Ich schreibe in Vergangenheit, da sich die Szenerie auf dem Plateau drastisch verändert hat. Zwar ist der Ausblick noch immer schön und auch die kleine Kirche steht noch, doch das Palasthotel wurde von den Flechten befreit und erstrahlt nun im nackten Beton. Und nicht weit davon, in Sichtweite, türmt ein riesiger furchtbarer Hotel-Casino-Komplex in die Höhe. Menschenleer. Und es scheint mehr als fraglich, als würden sich in Zukunft zahlungsfreudige Touristen in diese Ödnis aufmachen. Und trotzdem hat man für den Masterplan (http://www.dpa.com.sg/wp-content/uploads/2012/07/Bokor-Mountain-image1.jpg) große Flächen des Nationalparks platt gemacht und ist noch immer dabei, Dschungel zu zerstören, um Bungalows und eine Seilbahn zu bauen. Das einzige was hier entstehen wird ist eine Geisterstadt, für die intakte Natur weichen musste. Deprimierend.

//David

bokor

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