Kambodscha// Kho Ta Kiev: Robinson Crusoe Feeling und Meeresleuchten

Kambodscha// Kho Ta Kiev: Robinson Crusoe Feeling und Meeresleuchten

Auf mehr oder minder direktem Wege geht es weiter nach Kho Ta Kiev, eine nahezu unberührte Insel in der Nähe von Sihanoukville. Wir steigen auf halber Strecke aus, nehmen ein Tuktuk in Richtung Küste und warten einige Zeit im Nirgendwo, bis tatsächlich ein kleines Holzboot angeschippert kommt, uns einsammelt und mit uns Kurs in Richtung der Insel nimmt. Auf der Insel gibt es nicht viel (noch nicht, denn russische Investoren haben offenbar schon ihre Finger im Spiel und mitten durch die Insel wurde bereits eine breite Schneise für eine zukünftige Straße geschlagen), lediglich ein paar einsame Fischerhütten stehen vereinzelt am Rande des Dschungels, der die gesamte Insel überwuchert. Ansonsten gibt es noch das Ten103, eine Ansammlung von kleinen Baumhäusern, die direkt am glasklar funkelndem Wasser stehen. Hier wollen wir für ein paar Tage bleiben und entspannen: lesen, die Ruhe genießen und die Wunder der Natur bestaunen.
baumhaus

Unser Baumhaus hängt ein paar Meter über dem Boden in einer großen Astgabel und unsere Mitbewohner_innen sind auch schon da: Eine grüne Schlange, eine Ratte und diverse Spinnen heißen uns willkommen. Kein Wunder, denn es gibt keine Türen und kein Fenster, dafür aber einen traumhaften Blick vom Bett aus auf das Meer und die untergehende Sonne. In der Dämmerung veranstalten die Tiere des Dschungels ein unglaubliches Zirp-und Kruschel-Konzert, alles vibriert, raschelt und erwacht zum Leben.
In der ersten Nacht sind wir die einzigen Gäste, in den folgenden Tagen wird es zunehmend voller, doch noch immer herscht eine angenehm ruhige Atmosphäre. Und da es nur am Abend für ein paar Stunden Strom gibt, ist auch kein lauter Techno zu befürchten, der uns die Laune vermiesen würde. Stattdessen: Nette Leute (u.a. aus Neukölln), mit denen wir den Sonnenuntergang bestaunen und uns das fulminant leckere Schokoladenfondue (yessss!!) schmecken lassen, das auf einem kleinen Holzkohlegrill offeriert wird (und durchaus kostenintensiv ist, wie das Essen hier generell).

Und die Naturwunder? Da wäre zum einen die traumhafte Unterwasserwelt, die wir mit dem Schnorchel erkunden können. Vermutlich ist jene z.B. nicht mit dem Greatbarier Reef in Australien zu vergleichen (in ein paar Monaten werden wir Vergleiche anstellen können), doch für uns, die bisher bunte Salzwasserfische eher im Berliner Aquarium bestaunt haben, ist das, was wir zu sehen bekommen schon etwas ganz besonderes: Korallen, riesige stachelige Seeigel, Seegurken und vor allem riesige Schwärme voll bunter Fische, die mit uns schwimmen, vor uns auseinander triften oder im sich brechenden Sonnenlicht dahintanzen. Am Grund des Meeres beäugen uns schwarzweiß gemusterte unterarmgroße Fische. Und kleinere, leuchtend blaue mit gelben Schwanzflossen sind besonders mutig und kommen ganz, ganz nahe, so dass wir einander fast berühren. Und so stehen wir morgens kurz nach Sonnenaufgang auf, klettern aus dem Baumhaus und schnorcheln hinab in diese bunte, ganz stille Welt.

Nachts vermag uns das Meer eine Gänsehaut auf den Rücken zu zaubern: Meeresleuchten. Wir waten ins Wasser, ziehen unsere Bahnen und um unseren Körper herum leuchtet das Meer. Wie tausende Sterne, die um uns herumschwirbeln flouresziert der Plankton. Das ist unglaublich schön, noch dazu fliegen über uns am Himmel Sternschnuppen, die am Horizont ins Meer zu fallen scheinen. Eva, die neben uns schwimmt vergleicht das ganze mit einer Schneekugel, in der wir uns befinden. Wie passend, nur das alles viel, viel weiter ist!

Und der Mensch? Schafft es wieder einmal solch paradiesische Landschaften zu zerstören. Am Strand türmt sich der angeschwemmte Müll (wenn für die Gäste nicht vorher aufgeräumt wird), Plastik liegt im weißen Sand, gammelt vor sich hin. Dazwischen marschieren die Krebse.
// David

Author Bio

2 Comments

  1. jens - 8. Dezember 2013

    Jetzt ist die Sehnsucht zu groß, als dass ich nichts schreiben könnte! Ich will da jetzt auch hin! Meeresleuchten! Fluoreszierendes Glück,!! Schneekugelfeeling!!! Glasklares Schnorchelwasser mit buntesten Fischschwärmen!!!! … Also zünd‘ ich mir am 2. Advent ein Kerzlein an, nasche Lebkuchen, betrachte den rosafarbenen Himmel und fühle mich im warmen Zimmer geschützt.- Na also, geht doch: Herzliche Grüße aus dem dezembrigen Germany.

    • david - 28. Dezember 2013

      Achja, die Zeit im Baumhaus war ganz wunderbar und das leuchtende Plankton wirklich fulminant schön. Und nun ist schon wieder so viel Zeit vergangen und wir haben so viel neues gesehen (z.B. die farbenfrohe, vielfältige und abgefahrene Unterwasserwelt beim Tauchen in der Andamanensee).

      Aber wie du schon schreibst, Lebkuchen und ein warmes Zimmer bei Kälte sind was feines, und so sehnen wir uns manchmal auch in die Heimat zurück (aber nur manchmal!)

Leave a reply