Thailand// Chiang Rai: Der Jigsawkiller im weißen Tempel und unsere Motorradtour in die Berge

Thailand// Chiang Rai: Der Jigsawkiller im weißen Tempel und unsere Motorradtour in die Berge

Wat Rong Khun – der weiße Tempel

Chiang Rai, im hohen Norden Thailands, ist eine recht langweilige Stadt. Zugegeben, es gibt einen netten Nachtmarkt und ein gutes Krankenhaus (dem Heiko ein paar Tage später leider einen Besuch wird abstatten müssen), doch ansonsten gibt es vor allem eine Sehenswürdigkeit, für die es lohnt hierhin zu reisen: den weißen Tempel. Dieser liegt rund 13km südlich der Stadt und ist sicherlich einer der außergewöhnlichsten Tempel Thailands. Im Gegensatz zu den sonst farbenfrohen und bunten Tempelanlagen, die wir bisher besucht haben, ist der Wat Rong Khun von außen gänzlich in weiß und silber gehalten (die Farbe weiß soll hier auf die Rheinheit Buddhas verweisen). Das Gebäude funkelt und glitzert in der Sonne und sieht, wenn man die farbliche Gestaltung außer acht lässt, auch zunächst wie ein normaler Tempel aus. Schaut man jedoch etwas genauer hin, so erblickt man silberne Schädel, und Fratzen, die in Bäumen hängen, Skulpturen, die an Aliens und Dämonen erinnern und andere fantasievolle Wesen, die just einem Horrorfilm entsprungen sein könnten. Die Gestaltung ist nicht weiter verwunderlich, wenn man berücksichtigt, dass hier Chalermchai Kositpipat, ein thailändischer Künstler wirkt, der seit 1997 diesen Tempelkomplex gestaltet. Besonders im Inneren des Tempels, fallen die Besonderheiten ins Auge. Betritt man den Ubosots (die Versammlungshalle der Mönche), blickt man auf einen lächelnden Buddha. Dreht man sich um, in Richtung Ausgang, so schaut man in die Fratze eines Dämons, dessen eine Pupille aus dem Antlitz eines bekannten Terroristen besteht und die andere aus dem Abbild eines Präsidenten. Zusätzlich sind die den Dämon umgebenden Wände mit vermeintlich negativ konnotierten und weltlichen Insignen unserer Zeit versehen, die es zu überwinden gilt, um die Erleuchtung zu finden. Wer auf dieser Seite dargestellt ist? Zum Beispiel Superman, Neo (aus den Matrix Filmen), der Jigsawkiller und…Michael Jackson.


Motorradrundtour durch die Berge Nordthailands

Chiang Rai ist außerdem ein sehr guter Ausganspunkt um Motorradtouren in die Region des goldenen Dreiecks zu unternehmen (jener Punkt an dem Thailand, Laos und Myanmar aufeinander treffen und jene Region, die einst für den Anbau von Opium bekannt war). Auch wir entschließen uns, für die kommenen drei Tage Motorräder auszuleihen und eine Tour durch die Berge Nordthailands zu unternehmen, immer an der laotischen Grenze entlang. Hier ein Streckenüberblick:

Motorrad

Am ersten Tag heißt unser Etappenziel Huak, das mitten im Phu Sang Nationalpark liegt, rund 80km in östlicher Richtung. Wir folgen hierbei der 1152 durch eine wunderschöne Ebene gen Osten, aus der vereinzelt schon die ersten Vorboten der Berge emporragen: Solitär stehende Karststeinformationen, die sich dem Himmel entgegen strecken. Die Route ist wirklich schön und führt, als wir die 1152 zeitweise verlassen, durch winzig kleine Dörfer mit Holzhäusern und bunten Blumengärten. Mit Beginn des Phu Sang National Park wird die Straße (1093) etwas steiler und windet sich fortan in Richtung Laos mit vielen Serpentinen die Hügel empor. Der Nationalpark besteht aus immergrünem Wald, immergrünen trockenem Wald und Mischwald und ist wirklich saftig grün und verdammt schön. Direkt nach dem Parkeingang stürzt der 25m hohe Namtok Phu Sang Wasserfall in die Tiefe, dessen Wasser, da er aus einer warmen Quelle gespeist wird, eine konstante Temperatur von 33 Grad hat. Neben dem Wasserfall führt ein kleiner Weg in den Dschungel hinein. Hier kann man rund 1,7km auf Holzstehlen, an Baumriesen vorbei, durch den Wald laufen, bis man schließlich einen glasklaren, kleinen und brodelnden See erreicht: die Quelle des Wasserfalls.

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Nur wenige Kilometer weiter, wir sitzen nun wieder auf unseren Motorrädern, erreichen wir unser ersten Etappenziel: Huak. Die Bewohner_ innen des Dorfes sind extrem nett und durch Zufall finden wir ein außergewöhnlich schönes Homestay (links an der Hauptstraße gelegen, ca. 400m nach dem Ortseingang). Hier bewohnen wir ein sehr schönes, kleines Haus, nur für uns drei, von dessen mit Fackeln erleuchteter Terrasse wir auf die Berge blicken können.

Am zweiten Tag folgen wir ausnahmslos der 1093, die sich fortan richtig hoch in die Berge hinaufschlängelt. Tiefer Wald, landwirtschaftlich genutzte Hänge und kleine Dörfer wechseln sich entlang der Straße ab. Richtig beeindruckend ist vor allem eines: die grandiose Aussicht hinab in die breiten Täler und hinaus in die Ferne. Nach jeder Kurve erwartet uns ein neuer spannender Blick auf diese abwechslungsreiche Landschaft. Und da wir soviel mit Schauen und Bewundern beschäftigt sind, gelingt es uns nicht so recht ausreichend Strecke zu machen und wir schaffen es nur bis nach Pha Tang. Dafür haben wir dann jedoch abends noch genug Zeit den dortigen Aussichtspunkt zu erkraxeln und linkerhand nach Thailand, rechterhand nach Laos zu blicken und zu verfolgen, wie die Sonne über beiden Ländern untergeht.

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Am Abend stellt sich dann heraus, dass wir die Strecke am nächsten Tag ein wenig verkürzen müssen und nicht noch weiter in den Norden fahren können. Bei Heiko haben sich drei Insektenstiche ganz böse entzündet, sein Bein ist extrem angeschwollen und so müssen wir am nächsten Tag zeitig zurück Chiang Rai, um das dortige Krankenhaus zu besuchen. Wir brechen also recht früh auf und erneut raubt uns die Landschaft den Atem. Der kleine Ort liegt recht hoch, nahe des Bergkamms und so hat man einen weiten Blick in das Tal. Als wir über die 1155 fahren, ist die Sonne noch nicht lange aufgegangen und die Sonnenstrahlen brechen sich noch im Frühnebel, der durch das Tal wabert. Immer wieder starksen einzelne Bergspitzen aus dem Wolkenbett empor, bis sich der Nebel später auflöst, und die Landschaft frei gibt. Um wieder zurück auf die 1020 zu kommen, müssen wir schließlich noch einen Bergkamm überwinden, der es, was die Steigung angeht, ziemlich in sich hat. Unsere Motorräder kommen bei der zwanzigprozentigen Steigung mit Gepäck und uns drei Grazien ganz schön in Schwitzen, doch irgendwann passieren wir den kleinen Pass und vor uns liegen die restlichen 45km entspannter Fahrt zurück nach Chiang Rain.

Was für eine wundervolle und beeindruckende Tour!
//David

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4 Comments

  1. steffen - 24. Dezember 2013

    Ich lese jeden Eurer Einträge und berichte darüber regelmäßig im Haus 8. Die Fotos haben eine brilliante Schärfe. Mehr Schwarz-Weiß bitte. Dann sieht Asien gleich ganz anders aus. David, Dein Schreibtisch ist immer noch unberührt und wartet auf Dich. Wir wünschen Euch einen guten und insektenfreien (Vorsicht!) Jahreswechsel. Wir sind an der Ostsee. Steffen und U.

    • david - 28. Dezember 2013

      Lieber Steffen,

      vielen lieben Dank für dein Posting (und sorry, dass ich auf das vorherige nicht geantwortet habe).

      Ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten und eine angenehme Zeit an der Ostsee. Gerade brüte ich bei 35Grad in Singapur und sehne mir eine kühle Ostseebriese herbei.

      • steffen - 31. Dezember 2013

        Happy New Year ans andere Ende der Welt. Ich persönlich empfehle Sri Lanka. Ein Land, in dem ich tatsächlich 22 Mal tourte. Wunderbare Menschen. Ich bin sicher, es wird Euch gefallen. Lieblingsort: Kandy. Steffen und Ursula aus Stralsund.

        • david - 1. Februar 2014

          Lieber Steffen,

          auch dir und Ursula ein verspätetes frohes neues Jahr aus der Ferne!
          Du warst 22 Mal in Sri Lanka??? Da hast du sicherlich unglaublich intensive und interessante Erfahrungen gemacht. Derzeit sieht es leider nicht so aus als würden wir über Sri Lanka nach Deutschland zurück reisen, aber unsere Pläne ändern sich ja eh ständig, vielleicht landen wir doch schon bald in Colombo.

          Aktuell sieht es aber eher so aus, als würden wir nach Neu Seeland (wohin wir in zwei Wochen aufbrechen) noch nach Canada und Alaska reisen. Doch dies ist noch in der Planung und so richtig sicher sind wir uns noch nicht.

          Australien ist jedenfalls eines unserer bisherigen Lieblingsländer, was uns selbst ein wenig überrascht. Doch es gibt unglaublich schöne, einsame Natur, weiße leere Strände mit wildem Meer, rot leuchtendes Gestein vor blauem Himmel und so unglaublich viele Tiere… Wir sind schwer begeistert und genießen hier jede Minute!

          Liebe Grüße an euch zwei
          David

          PS: Seid in den Winterferien wieder an der Küste?

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