Thailand // Chiang Mai: Sanfte Dickhäuter, leuchtende Himmelslaternen und ein ziemlich wilder Fluss

Thailand // Chiang Mai: Sanfte Dickhäuter, leuchtende Himmelslaternen und ein ziemlich wilder Fluss

In Asien macht man ziemlich häufig die Erfahrung, dass nur selten VIP drinsteckt, wo VIP draufsteht. Dies gilt leider auch für den versprochenen VIP Nachtbus, der zwar eine ganze Ecke mehr Baht kostet, aber trotzdem kaum mehr Beinfreiheit als ein regulärer Bus bietet – Pech gehabt. Aber was soll’s, wir kommen nichtsdestotrotz unbeschadet am 15. November in Chiang Mai in Nordthailand an.
Wer schon mal was von Chiang Mai gehört hat, assoziiert mit dieser Stadt in der Regel eins: Tempel. Und das kommt nicht von ungefähr, denn in der, teils von einer alten Mauer umgebenen, Altstadt findet man jede Menge davon. Wirklich sehr, sehr viele – allesamt interessant und mit ihren goldenen Dächern, imposanten Buddhastatuen, weiß gekalkten Chedis und Holzhallen sehr schön anzusehen. Doch nach dem zehnten Tempelbesuch setzen langsam gewisse Ermüdungserscheinungen ein… ;-) Die Stadt an sich ist nett und auch, wenn es abgesehen von den Tempeln und ein paar schönen Teakholzhäusern, wenige wirklich hübsche Gebäude gibt, gefällt uns das fast dörflich anmutende Gassengewirr abseits der großen Straßen, sehr gut.


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Die Thais machen auch weiterhin auf uns einen überwiegend freundlichen und entspannten Eindruck und wir freuen uns jedes Mal über die melodische Aussprache von Alltagssätzen wie Sawadee Kraaaaaaaaap. ;) Positiv fällt uns auf jeden Fall auch auf, dass die thailändische Gesellschaft beispielsweise in Bezug auf die sexuelle Orientierung recht tolerant zu sein scheint. Auf der Straße sieht man häufig schwule oder lesbische Paare, die offen zu ihrer Identität zu stehen scheinen. Was im familiären Kontext oder abseits der größeren Städte geschieht, können wir natürlich nicht beurteilen, aber auf den ersten Blick scheint die Situation diesbezüglich hier erfreulich entspannt. Darüber hinaus sind Ladyboys im Alltag sehr präsent und ein vollkommen normaler Anblick. Wir haben gelesen, dass die Akzeptanz von Ladyboys in Thailand vergleichsweise hoch ist, dass sie aber auch hier vielfältige Formen der Diskriminierungen im Alltag erdulden müssen. Da sie oft keinen regulären Job finden, sind sie, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, häufig gezwungen sich zu prostituieren.
Was uns leider immer wieder unangenehm auffällt – und ein Vorurteil bestätigt – sind die vielen älteren, westlichen Herren, mit jungen Thai-Damen als Begleitung am Arm. Es tut mir natürlich sehr leid, für die Paare, die in einer solchen Konstellation ihre wahre Liebe gefunden haben, aber man kann stark bezweifeln, dass alle jungen Thais davon traumen bierbäuchige Europäer zu beglücken. Da schämt man sich unweigerlich selbst „Westler“ zu sein.

Aber zurueck zu Chiang Mai: Wir können uns glücklich schätzen vorab eine Unterkunft gefunden zu haben, da die Betten der Stadt nahezu restlos ausgebucht sind. Wie auch wir, sind nämlich eine Menge anderer Besucher_innen, u.a. wegen des buddhistischen Fests Loi Krathong hergekommen.
Das Lichterfest Loi Krathong, hier im Norden auch Yi Peng genannt, wird zu Ehren Buddhas oder – je nach Auslegung – der Flussgöttin Phra Mae Khongkha, gefeiert.
Kunstvolle, aus Bannanenblättern und –stauden, bunten Blüten und Brotteig gefertigte Boote, die sog. Krathongs, werden mit Räucherstäbchen und Kerzen bestückt und am Ufer des Flusses zu Tausenden ausgesetzt. Schulen, Universitäten, Firmen und Organisationen fertigen oft richtig große und bunte Krathongs aus Pappmaché an, die vor der Flussfahrt in der Stadt ausgestellt werden. Mit den Flössen soll alles Negative, was die Seele belastet, z.B. Zorn, Neid, fortgespült werden. Bei so viel Futter ist Loi Krathong sicherlich DAS jährliche Ereignis für alle Fische und Enten.
Die Stimmung am Ufer des Flusses Ping changiert irgendwo zwischen Jahrmarkt und tief religiösem Fest: Es gibt laute Live-Musik, unzählige Essensstände, Gruppen von ausgelassenen, picknickenden Thais, betende Menschen am Ufer, die ihren Booten nachschauen, Umzüge durch die Straßen, farbenfrohe Raketen und laute Böller.
Zusätzlich zum in ganz Thailand verbreiteten Ritual der Krathongs, werden in Chiang Mai an den drei Abenden des Fests abertausende Himmelslaternen steigen gelassen. Besonders stimmumgsvoll geht es dabei in den Innenhöfen der von Lampions und Fackeln erleuchteten Tempeln zu, wo man für ein paar Baht eine Laterne aus Reispapier kaufen kann. Die Mönche helfen dabei die mit Wünschen beschriebenen Laternen der Besucher_innen in den Himmel zu entlassen. Und auch wir lassen eine Laterne steigen…
Die vielen Laternen, die anmutig über den Himmel schweben, sehen einfach gigantisch aus. Wie ein zweiter Sternenhimmel hängen die orangenen Lichter der davon schwebenden Laternen über der Stadt – ein wunderbarer Anblick!

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Da wir einige Tage in Chiang Mai verbringen, haben wir zum Glück auch die Gelegenheit das schöne Umland kennenzulernen.
An einem Tag schnappen wir uns ein paar Leihfahrräder und lassen uns in einem Songthaew die steile Straße zum Wat Phra That Doi Suthep, einem an den Hängen des Doi Suthep Berges gelegenen Tempel hochfahren. Hoch über Chiang Mai thronend hat man eine geniale Sicht über die Stadt und die Umgebung. Die Rückkehr ist leider ziemlich zäh, da die Bremsen der Räder extrem schlecht sind und nach ein paar Kilometern bergab sogar das letzte bisschen der Bremsbeläge abgebröckelt ist, so heißt es statt entspanntem Runterrollens nun Schieben.

Zwei Tage später macht sich Davids Mum auf den Weg zum Elephant Naturepark, einem Camp für misshandelte und behinderte Elefanten. Hier kommt man hautnah an die imposanten Dickhäuter heran und die Tiere müssen weder blödsinnige und entwürdigende Kunststücke machen, noch Tourist_innen auf ihrem Rücken herumkutschieren. Petra ist vom Camp sehr begeistert, insbesondere die Tatsache, dass die Mahuts, die Pfleger der Elefanten, die großen Tiere hier einzig mit Berührungen, Futter und Worten lenken, hat sie sehr beeindruckt.

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Während Petra also Elefanten füttert und schaut, machen wir uns auf dem Weg zum Rafting auf dem Mae Taeng Fluss, der auf knapp zehn Kilometern Länge wunderbares Rafting der Schwierigkeitsstufe III-IV (von fünf) bieten soll. Die beim Veranstalter Siam Rivers gebuchte Tour beginnt erst einmal recht behäbig und wir staunen nicht schlecht, als in den Bus u.a. ein neunjaehriger Junge und einige weitere Personen einsteigen, die nun wirklich nicht so aussehen, als befänden sie sich auf dem Weg zum White Water Rafting. Nach knapp zehn Kilometern Fahrt halten wir dann auch erstmal an einer Schmetterlings- und Orchideenfarm an. Joar, wenn’s eh auf dem Weg liegt… Also sehen wir uns brav die Schmetterlinge an, aber erkundigen uns irgendwann dann doch mal, wann wir denn endlich raften können. Die Antwort: Nach dem Elfentantenritt, der Bambusboottour und dem Mittagessen hätten wir knapp zwanzig Minuten Zeit dazu, aber das Wasser sei schon auch ein bisschen wild… Okay, da stimmt doch was nicht! Zwanzig Minuten sind ja wohl ein Witz. Und wir wollen ganz definitiv nicht auf Elefanten reiten! Einige Telefonate später hat sich das Missverständnis dann aber geklärt und schwupps werden wir auf einem Parkplatz gegen zwei verwirrt dreinschauende chinesische Frauen, die ganz definitiv Elefantenreiten wollen und ganz definitiv nicht David und Heiko heißen, ausgetauscht. Und man glaubt es kaum: Knapp anderthalb Stunden später sitzen wir wirklich im Raft! Und die Tour ist richtig, richtig gut. Der Fluss windet sich durch eine mit dichtem Dschungel bewachsene Gebirgslandschaft, wo sich dicke Lianen quer über den Fluss spannen. Zwischen den wilden Abschnittes gibt’s genug Zeit um sich entspannt neben dem Raft treiben zu lassen und die Landschaft zu genießen. Die Tour ist super organisiert, und unser Bootsführer und die beiden Mitpaddelnden – ein Paar aus Chicago – sorgen für eine nette Stimmung im Boot. Der Fluss ist streckenweise richtig wild und die Stromschnellen, Walzen und Wasserfälle sorgen für einen echten Adrenalinkick. Lean in, back to work, right forward, left backward, forward, sit, jump… Wir sind gut beschäftigt mit den ganzen Kommandos, die unser Bootsführer uns im Sekundentakt an den Stellen, wo’s ernst wird, zuruft, aber unser Boot meistert die Stromschnellen ganz gut – bis auf die letzte, wo drei von fünf Insassen über Bord gehen. Aber wenn da mal nicht der breit grinsende Bootsführer seine Hände im Spiel hatte…

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Collage Rafting

Die Berge rund um Chiang Mai laden ein sie mit dem Motorrad zu erkunden und so machen wir uns an unserem letzten Tag auf den Weg in Richtung des Mae Sa-Tals. Die knapp 100km lange, entspannte Rundtour ist ausgesprochen schön, denn man hat immer wieder wunderbare Ausblicke über die bewaldeten Berge. Ein netter Stopp ist zudem der nach der ehemaligen Königin Sirikit benannte botanische Garten, in dem ein paar imposante Gewächshäuser stehen. Am Ziel der Etappe, vom wo aus es wieder zurück nach Chiang Mai geht, liegt das entspannte und hübsche Dorf Samoeng mit seinen vielen Erdbeerfarmen. Schade, dass wir keine Nacht eingeplant haben, denn hier ist es wirklich sehr schön.

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Und sonst: Suchen wir weiterhin das geniale Thai-Essen von dem alle Besucher_innen und Reiseführer so schwärmen. Unser bisheriges Resümee: Beim Thai in Berlin Kreuzberg schmeckt’s besser – spricht das für das Restaurant in Berlin oder gegen das Essen in Thailand? Oder gegen unseren Gaumen? Aber noch geben wir nicht auf!

Übrigens stammt ein großer Teil der Bilder zur Zeit aus der Kamera von Davids Mum, die ja zur Zeit mit uns unterwegs ist. Vielen Dank, Petra, dass wir sie verwenden dürfen!

//Heiko

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2 Comments

  1. Daniel - 15. Januar 2014

    Also wenn das Essen beim Thai in Berlin Kreuzberg besser sein soll als das Original in Thai dann habt ihr wohl wirklich Pech gehabt. Normalerweise ist es eigentlich genau umgekehrt.

    Mich persönlich stören jetzt auch die alten Säcke mit den jungen Thai Girls nicht. Die lassen sich ihre Dienstleistungen schon ordentlich belohnen. Aber ich bestreite natürlich nicht dass denen wahrscheinlich ein knackiger Mittvierziger lieber wäre als ein glatzköpfiger bierbäuchiger Opa bei dem ohne Viagra eh nichts mehr geht.

    • heiko - 5. Februar 2014

      Hallo Daniel,

      ja, wir hatten scheinbar echt Pech mit dem Essen.
      Was den anderen Teil deines Kommentars angeht: Ich denke, dass man sich an Prostitution ganz definitiv stören sollte! Natürlich beschert der Verkauf des Körpers ein Einkommen, aber ich bezweifle, dass irgendjemand sich gerne und bereitwillig prostituiert. Die Not muss daher groß sein, um diesen Schritt zu tun.

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