Frohe Weihnachten zur Halbzeit

Frohe Weihnachten zur Halbzeit

Es ist Halbzeit – und Weihnachten!
In diesem Sinne wünschen wir euch allen erstmal ein frohes und entspanntes Weihnachtsfest mit euren Lieben! Wir befinden uns inzwischen in Melaka in Malaysia und finden es ziemlich eigenartig Weihnachten bei 35 Grad unter Palmen zu verbringen, doch mit Sushi, Käsekuchen und tropischen Früchten lässt sich so ein Heiligabend am Strand ganz gut verleben. ;)

Nichtsdestotrotz vermissen wir auch das Zuhause, winterliche Kälte, Kekse und deutschen Weihnachtskitsch. Nicht, dass es Kitsch hier nicht gäbe: Obwohl Malaysia ein mehrheitlich muslimisch geprägtes Land ist, dudelt allenthalben Weihnachtsmusik, blinken kitschige Plastiktannen und bunte -Einhörner (warum auch immer Einhörner…) und tragen alle Angestellten in Supermärkten, Cafés und Restaurants kleine Nikolausmützen auf dem Kopf (besonders skurril, wenn Frauen die Mütze zusätzlich zum Kopftuch tragen). Auf jeden Fall haben wir ein sehr außergewöhnliches Weihnachtsfest.

Zur Halbzeit unserer Reise wird es Zeit für einen Rückblick auf die letzten sechs Monate. Wir sind bereits seit 164 Tagen unterwegs und noch immer nicht reisemüde! Manches Mal – insbesondere jetzt zur Weihnachtszeit – plagt uns durchaus Heimweh und wir vermissen unsere Freund_innen daheim. Ausserdem haben wir inzwischen häufiger unstillbaren Heisshunger auf irgendetwas, dass es hier nicht gibt (aus welchem Grund auch immer hatte ich tagelang wilden Appetit auf Kartoffelsalat mit sauren Gurken). Trotzdem können wir Beide mit voller Überzeugung sagen, dass das Reisen weiterhin wunderbar und ein grandioses Abenteuer ist, für das wir uns immer wieder entscheiden würden.

Im folgenden ein paar Fakten zu den letzten 164 Tagen:

Zurückgelegte Strecke: +/-25 841 Kilometer
Zurückgelegte Strecke / Tag: 158 Kilometer
Besuchte Länder: 11
Ortswechsel: 63
Durchschnittliche Verweildauer pro Ort: 2,5 Tage (die hohe Taktung liegt u.a. an den Trekkingtouren)
Längster Aufenthalt: Ao Nang (Thailand): 13 Naechte
Kuerzester Aufenthalt: Jiayuguan (China): 2 Stunden (wir fanden’s hier so schrecklich, dass wir die Hotelsuche abbrachen und schnell wieder  in den Bus stiegen)

Hier mal ein kleiner Überblick über unsere „Nächtigungsplätze“ der letzten 163 Nächte:

In Verkehrsmitteln verbrachte Zeit in Stunden:

Bus / Nachtbus / Marshruthka 332
Zug 62
Fähre 35
Hausboot 24
Jeep 11
Flugzeug 7
Raftingboot 4
LKW 2
Standseilbahn 0,5
Seilbahn 0,5
Ungezählt: Tuk-Tuk, Kanu, Motorroller, Strassenbahn, Metrobus, Metro

Wie geht es weiter?

Da wir meistens wahlweise mit Entdecken oder Relaxen beschäftigt sind (v.a. jedoch ersteres!), hinken wir mit unserem Blog ein wenig hinterher. Tatsächlich befinden wir uns nicht mehr in Chiang Rai, sondern, wie bereits gesagt, in Melaka in Malaysia. Aber wir werden versuchen ein bisschen aufzuholen. ;)

Während der Reise kam ziemlich vieles ganz schön anders als geplant. Eigentlich wollten wir ja bereits in Indien und Indonesien gewesen sein. Vietnam, Laos, Kambodscha und Thailands Süden standen hingegen überhaupt nicht auf unserer Agenda. Zwei – zum Glück nicht allzu teure – Flüge haben wir gecancelt, was dazu führte, dass wir sehr viel Zeit in China verbrachten und Südostasien weitaus länger als geplant bereisten. Und die Entscheidung sich mehr Zeit zu lassen, war ganz definitiv richtig! Im folgenden seht ihr (ganz grob), wo uns die Reise bisher hingefuehrt hat:

Reiseroute Halbzeit

StepMap

Reiseroute Halbzeit

 

 

Wie wird es nun weitergehen? Ganz klar ist, dass wir am 08. Januar von Kuala Lumpur nach Adelaide (Australien) fliegen werden. Dann geht’s mit einem Leihwagen via Kangoroo Island nach Melbourne und von dort aus weiter nach Tasmanien. Es folgt einige Zeit in Neuseeland, wo wir ausgiebig wandern und die Natur geniessen wollen. Anschliessend fliegen wir zurück nach Australien. Dort werden wir auf irgendeinem Weg von Sydney nach Darwin reisen, von wo aus wir nach Dili in Ost-Timor weiter wollen. Von dort aus möchten wir das Inselarchipel Indonesiens erkunden, Papua Neuguinea wäre auch eine Überlegung… Was dann kommt wissen wir noch nicht. Vielleicht reisen wir via Japan wieder nach Beijing und nehmen die Transsibirische Eisenbahn durch die Mongolei und Russland bis nach Moskau und reisen durchs Baltikum zurück (vielleicht mit einem Abstecher nach Skandinavien?). Oder wir reisen von Indonesien nach Sri Lanka, dann gen Norden durch Indien bis nach Nepal, und von dort aus mit dem Flieger in die Türkei und weiter über den Balkan bis nach Westeuropa…? Natürlich hängt viel davon ab, wie sehr Australien und Neuseeland unsere Reisekasse belasten werden. Und wir müssen uns auch bezüglich des Wetters nochmal schlau machen, schliesslich ist die Reisezeit April – Juni nicht grade ideal für Indien und Nepal. Was meint ihr? Habt ihr Tipps oder Vorschläge für uns? Auf der nächsten Karte seht ihr nochmal ganz vereinfacht dargestellt, das, was wir aller Voraussicht nach machen werden (rot) und zwei mögliche Routen (blau und lila) für die Zeit danach:  

Moegliche Rückreise

StepMap
Moegliche Rückreise

 

Zum Schluss ein kleiner Rückblick der letzten sechs Monate in Form einiger vollkommen ungeordneter (trotz der Nummerierung) „Top-Listen“:

Tolle Erfahrungen in Bildern:

Tolle Erfahrungen in Worten:

  1. Die Wanderung von Mestia nach Ushguli war streckenweise – oft aufgrund der schlechten Ausschilderung und entsprechender Umwegen – ziemlich anstrengend. Dafür wurden wir mit genialen Aussichten und urigen, mittelalterlich anmutenden Dörfern mit den typischen Swan-Türmen belohnt. Eines der besten Panoramen der bisherigen Reise: Der Anblick der Limcheri Kirche vor dem Schchara Berg.
  2. Grundsätzlich natürlich die vielen tollen, interessanten, beeindruckenden, zum Nachdenken anregenden, manchmal auch seltsamen Begegnungen und Gespräche mit tollen Menschen, seien es andere Reisende oder Einheimische.
  3. Da gibt es wenig auszuführen: Die Aussicht vom Victoria Peak auf den Großstadtdschungel Hong Kongs, den wuseligen Hafen und die umliegenden dschungelbedeckten Berge ist grandios!
  4. Der Weg hierher war zwar beschwerlich, aber grade das macht natürlich das Abenteuer aus: Die Aussicht auf die beiden grundlegend verschiedenen Bergseen Ala Koel und Song Koel in den kirgischen Bergen und die weiten, offenen Graslandschaften der Jailoos, sind sicherlich mitunter die beeindruckendsten und dramatischten Landschaften, die wir je zu Gesicht bekommen haben.
  5. Menschgemacht und doch wie nicht von dieser Welt, wirkten die Drachenknochenreisterassen in Süd China. Zwar ging’s hier ganz schön touristisch zu, doch die Ausblicke auf die Terrassen, die irgendwie ausschauen, als seien sie „mit dem Nadeldrucker gedruckte Bilder“ (www.weitreise.de), sind faszinierend.
  6. Die Buchten rund um Cat Ba Island sind extrem schön. Bizarre, dicht bewachsene Karststeinformationen verwandeln die Buchten in eine unwirkliche Traumlandschaft. Besonders eindrücklich: Den Blick vom Canon Fort hoch über Cat Ba Town über die Insel schweifen zu lassen und in der Nacht den Geräuschen des nächtlichen Dschungels lauschen.
  7. Die Angkor Wats sind zutiefst bewegend und schön. Insbesondere die mannshohen, mysteriös lächelnden Gesichter des Bayon und die Lage der Tempel inmitten des Dschungels, haben uns fasziniert.
  8. Das Lichterfest Loi Krathong in Nord-Thailand hat uns mit seiner wunderbaren Stimmung und dem herrlichen Anblick der abertausend Laternen, die wie ein zweiter Sternenhimmel über der Stadt hingen, in seinen Bann gezogen. Gänsehaut Feeling pur!
  9. Die Massage auf Phu Quoc gehört ganz eindeutig zu den besten Massagen, die wir je hatten. Genau das Richtige nach dem ätzenden Vorfall in der Nacht.
  10. Vollkommen schwerelos durch die bunte Unterwasserwelt der Andamanensee zu tauchen, war ganz definitiv ein geniales Erlebnis: Knallig bunte Korallen, neugierige farbenfrohe Fische, Rochen, Schnecken, ihre Anemone verteidigende Clownfische, Schildkröten und all die anderen Tiere zu beobachten war wunderbar. Wir freuen uns auf jeden Fall auf weitere Tauchabenteuer! (Bericht folgt)
  11. Die Karstlandschaft und die Inselchen rund um Krabi in Thailand sind ganz definitiv kein touristisches Neuland, doch haben wir uns hier sehr wohl gefühlt und waren extrem positiv von der Schönheit dieser Gegend überrascht. (Bericht folgt)
  12. Das Homestay in Borjomi wartete zwar nicht mit besonders hübschen oder komfortablen Zimmern auf, dafür aber mit jeder Menge Herzlichkeit und einem obergenialen Frühstück. Zwar verstand unsere Gastgeberin kein Wort Englisch, war aber trotzdem stets das Lächeln in Person und überraschte uns mit einem gemeinsamen Nachmittag mit Privatkonzert der Nachbarschaftskinder und selbstgebranntem Chacha. Herrlich!
  13. Der  Wasserfall Tat Kuang Si unweit von Luang Prabang mit seinem aquamarinen, kühlen Wasser ist sicherlich der schönste Wasserfall, den wir bisher gesehen haben. (Bericht folgt)
  14. Sowohl das Canyoning in Da Lat, als auch das Rafting in Chiang Mai waren ziemlich coole Erlebnisse.
  15. Inmitten des leuchtenden Planktons am Strand von Koh Ta Kiev zu schwimmen, während sich der Sternenhimmel über uns spannte, war ganz definitiv eine besonders erhabener Moment.
  16. Nie zuvor haben wir einen so klaren Sternenhimmel gesehen, als in der Nacht bei Altyn Araschan. Die Sternschnuppen fielen im Stakkato und irgendwann sind uns einfach die Wünsche ausgegangen, so dass wir nur noch staunend und schweigend bis zum Einschlafen da lagen.
  17. Eine der amüsantesten Abende der Reise war wohl der Karaoke Abend mit Linhs Bruder und seinen Freunden in HCMC. Zwar haben wir aufgrund der Sprachbarriere kaum Informationen austauschen können, aber das war auch überhaupt nicht notwendig um viel Spass miteinander zu haben.

 

Negative Erfahrungen:

  1. Die Unsicherheit häufig nicht zu wissen, ob das Gegenüber nett zu uns ist, weil es Geld wittert oder ob es aufrichtige Freundlichkeit ist.
  2. Die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs in China ist ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Harmlose, höfliche Chines_innen verwandeln sich beim Besteigen des Verkehrsmittels bisweilen in wahnsinnige Egoisten. Ganz besonders schlimm ging es in Chinas nordwestlichster Provinz, Xinjiamg, zu. Das unglaublich nervige Einsteigeprozedere am Bahnhof und die lange Nachtfahrt im zugequalmten, stickigen Sitzwagen, wo hunderte Augenpaare jede einzelne unserer Bewegungen zu verfolgen schienen, war ziemlich ätzend.
  3. Busfahrt von Kashgar nach Urumqi: Ein Allroundpaket an ekligen Eindrucken – dreckige Bezüge, Flatulenzen, ungehemmtes Gerotze – 24 Stunden lang am Rande der Wüste Gobi. Einziger Lichtblick: Tunazaar, unsere wohlduftende, lustige, uigurische Leidensgenossin, die ebenso sehr litt wie wir.
  4. Keine schöne Erfahrung: Fiese Diebe auf Phu Quoc
  5. Echt fies: Beijing Belly
  6. Nein, mit den Ukrainer_innen sind wir wahrlich nicht warm geworden. Die Kiever waren die bisher flächendeckend unfreundlichsten Menschen, die wir kennengelernt haben.
  7. Auf dem Weg von Dazhai nach Nanning haben wir eine ganze Reihe Unfälle gesehen. Besonders traurig: Die Polizei ist schon längst vor Ort, die Spuren vermessen, das eine Auto bereits abgeschleppt. Die Toten hingegen scheinen vollkommen vergessen. Und so liegen sie nebeneinander gut sichtbar für alle mitten auf der Strasse. …
  8. Die Grenzpassage Kirgistan – China: Stupides Passvorzeigen (gefühlte siebenundachtzig Mal), wechselte sich ab mit langen, langen Phasen in denen nichts geschah. Es folgte das Auspacken unseres gesamten Gepäcks, um subversiven Material auf die Schliche zu kommen. Immerhin, nach 400 Bildern von georgischen Bergen hatte der Grenzbeamte auch keinen Bock mehr.
  9. Wenn die in ein Schaumstoffpolster gepackte Ananas zum Wiegen in eine Plastiktute verpackt wird, die dann wiederum an der Kasse in eine weitere Plastiktute gepackt wird, ist eine Grenze erreicht. Was soll der Mist?? Das Bewusstsein für Müllvermeidung und die Entsorgung desselben, ist in den meisten Ländern unserer Reise ganz klar kaum vorhanden. Und so landet der ganze Kram überall: Im Meer, am Strand, im Wald, auf der Straße. Zugegebenermaßen, haben viele Menschen dringendere Nöte, wie das alltägliche Überleben, als sich einen Kopf um die Umwelt zu machen. Darüber hinaus, ist die Muellproblematik of ein infrastrukturelles Problem. Dennoch stößt uns der unverantwortliche Umgang mit Müll und das mangelnde Umweltbewusstsein oft bitter auf.
  10. Ebenfalls erschreckend ist der Umgang mit Tieren und der mangelnde Respekt ihnen gegenüber. Tiere werden oft wie Gegenstände behandelt, die man in engste Käfige sperren kann, mit denen man auch mal Fußball spielt und die man ohne wenn und aber quälen und ausbeuten darf. Nicht, dass es bei uns daheim besser wäre: Da werden die Hündchen zwar gepäppelt, aber die armen Schweine lassen wir in Fleischfabriken schlachten und verarbeiten – aus den Augen, aus dem Sinn. Der Bezug zum Ursprung des Fleisches ist hier in Asien viel unmittelbarer. Dennoch ist der hohe Fleischkonsum hier ebenfalls erschreckend: Meistens steckt in den einzelnen Gerichten nur eine geringe Menge Fleisch, doch dafür gibt es auch so gut wie keine Gerichte ohne tierische Bestandteile. Kaum vorzustellen, wie sich die Nachfrage entwickelt, wenn die Mittelschichten in diesen Ländern weiter anwachsen (was sie hoffentlich tun) und sich mehr und mehr Leute noch mehr Fleisch leisten können. Wie sollen all diese Menschen mit Fleisch versorgt werden? Aber vor allem: Warum ist das notwendig? Warum sollte es so erstrebenswert sein, Fleisch auf dem Teller zu haben, Tiere zu töten und die Umwelt zu ruinieren, wenn es andere Wege gibt?

 

Kulinarische Freuden:

  1. Malaysia ist für seine kulinarische Vielfalt bekannt – wie wir finden ganz zurecht! Die drei großen Bevölkerungsgruppen der Malaien, Inder und Chinesen haben ihre jeweils ganz eigene Küche, sich aber im Laufe der Generationen gegenseitig beeinflusst und inspiriert. Hinzu kommt der koloniale Einfluss von Portugiesen, Niederländern und Briten. In Georgetown war das indische Essen im Stadtviertel „Little Indian“ göttlich und hat Sehnsucht nach Indien geweckt. In Melaka haben wir ein vegetarisches Restaurant entdeckt, dass malaiisch-chinesische Fusionkueche serviert: Das Rojak (Salat aus Obst und Gemüse mit Erdnuss-Sesam-Sauce) und das Hoi Lok Feng Lui Cha (verschiedene Gemüsevariationen, gepuftes Getreide, Tofu, Nüsse, Reis werden mit einer schaumigen Soße aus Tee, Kräutern und Ingwer aufgegossen) waren ein Genuss!
  2. Khachapuri und dazu Tomaten- und Gurkensalat mit frischen Kräutern! Ebenfalls ganz toll: Auberginen mit Walnüssen. Unsere beiden Standardessen in Georgien: einfach, frisch und so lecker. Leider für Veggies in Georgien neben Khinkhali in der Regel auch die einzigen beiden Optionen.
  3. Nachdem wir eine ganze Reihe ziemlich mittelmäßige bis schlechte vegetarische Restaurants in Hong Kong ausprobiert hatten, stießen wir am letzten Tag auf ein unscheinbares chinesisch-veganes Restaurant im dritten Stock eines Hochhauses in TST. Verdammt, warum erst am letzten Tag?! Fulminant: Veganer Quallensalat, höllisch scharfer Hotpot mit Gemüse und Seitan und mega leckerer glasierter Tofu mit suß-saurem Gemüse.
  4. China war kulinarisch ganz klar ein Highlight der Reise. Eines der Abendessen mit unserem Couchsurfing Gastgeber Alan in Xi’an war ganz definitiv rekordverdächtig. Im fünften Stock einer schicken Mall gelegen, gab’s hier, wo wir niemals ein gutes chinesisches Restaurant vermutet hätten, für unter zehn Euro einen Querschnitt der chinesischen Küche zu kosten. Jedes der einzelnen Gerichte war richtig gut und in Kombination, durch die Vereinigung unterschiedlichster Geschmäcker, Konsistenzen und Texturen, geradezu himmlisch.
  5. Das Essen in Kirgistan hingegen war für uns ganz klar KEIN Highlight: Aufgrund der nomadischen Wurzeln besteht die kirgisische Küche primär aus Fleisch mit Fleisch and Fleisch. Und alles, was nicht Fleisch ist, wird in ordentlich viel Schafsfett angebruzelt, bis es wie Fleisch schmeckt. Richtig, richtig lecker war jedoch oft das kirgisische Hefe-Brot, das meist täglich frisch in einer Art Kessel über dem Feuer zubereitet wird. Besonders gut hat es bei einer Familie in Altyn Araschan geschmeckt, dazu frischen Joghurt und schwarzer Tee – einfach, aber lecker.
  6. Vom Vietnamesen um die Ecke kennt sie fast jeder, doch irgendwie schmecken sie in Vietnam, mit frischen Zutaten vom Markt, einfach viel, viel besser: Sommerrollen. Besonders gut waren sie in Hoi An, wo übrigens auch die Mango-, Papaya- und Pomelosalate grandios waren. Eine Herausforderung war es allerdings manchmal diese ohne die omnipraesente Fischsauce zu bekommen.
  7. Nach der kulinarischen Wüste Kirgistan war Kashgar mit seinen unzähligen Strassenstaenden ein wahrer Augenöffner. Die frischen Nudeln, die kurz vor der Zubereitung durch kraftvolles Ziehen und Schlagen, geformt werden und mit Gemüse als trockenes Gericht oder in Bruhe gereicht werden, sind sehr lecker.
  8. Wahrscheinlich haben wir uns an ihnen den Magen verdorben, aber die Khmer-Currie im Ganesha Hostel in Kampot waren definitiv die besten, die wir bisher hatten. Ohne grosse Umschweife: Da stimmte einfach alles.
  9. Pomelos und Mangos in Süd-China, Mamgosteen, Papaya und Rambutan in Vietnam, Wassermelonen und Nektarinen in Georgien, Honigmelonen und Mandarinen in Xinjiang, Longan und Ananas in Thailand… Das frische Obst auf unserer Reise ist ganz eindeutig ein Highlight! Die Früchte dort zu essen, wo sie herkommen und geerntet werden, wenn sie wirklich reif sind, ist geschmacklich meilenweit von den importierten unreifen Sorten, die es meistens in Deutschland gibt, entfernt.

 

Kulinarische Tiefen:

  1. China war ein kulinarisches Highlight unserer Reise, aber es gab auch einige ekelige Dinge, die wir meistens jedoch aus sicherer Entfernung, z.B. auf dem Markt, betrachten konnten. Das Widerlichste, das je auf unserem Tisch landete, war definitiv eine harmlos daherkommende Trockenpflaumem-Getreide Suppe zum Frühstück, die geschmacklich irgendwo zwischen altem Abwasser, schimmligem Brot und dem ollen Geschmack im Mund nach dem Aufwachen lag.
  2. In Hong Kong haben wir in einem veganen Restaurant einen undefinierbaren, glibberigen Nachtisch bekommen, der die Konsistenz von Nacktschnecken hatte – pfui!
  3. Juchhu, es gibt Käsekuchen!!! Im kirgisischen Osh schien im California Café ein Träumchen wahr zu werden und so ließen wir uns direkt mal zwei Stück vom saftigen Käsekuchen einpacken. Der erste Biss, schreckensgeweitete Augen: Widerlich! Da meinte der Bäcker es wohl etwas zu genau mit dem Käsekuchen und hat anstelle von Quark oder Frischkäse scharf-sauren Weiskäse genutzt. Bäh!!!
  4. Kamelmilch in Kasachstan: Oh mein Gott, die armen Kamelkälbchen müssen diese widerliche Plörre wirklich trinken? Scharf, sauer, wässrig… Schmeckt nach gesiebter Kotze.
  5. Keine Ahnung mit was die getrocknetem Aprikosen auf dem grünen Basar in Almaty behandelt waren, jedenfalls befiel uns drei Essenden nach dem Genuss starke Atemnot und das Gefühl, dass die Kehle zugeschnürt wird – not nice…
  6. Das Essen in der Innenstadt Pingyaos kann generell als ziemlich schlecht bezeichnet werden. An keinem anderen Ort in China haben wir einen solchen Fraß bekommen.

 

Bester Kaffee:

  1. Kaffee im Café Karakol. Schmeckte vielleicht auch nur besonders gut, weil man in Kirgistan – mit Ausnahme von Instantplörre – selten Kaffee bekommt.
  2. Vietnamesischer Kaffee (mit gesüßter Kondensmilch) im Cong Café in Hanoi. Macht süchtig! Ungewöhnlich, aber besonders gut ist auch der geeiste Kaffee mit Joghurt.
  3. Das Cafe Ideary in der Nähe des Ao Nang Beach hatte richtig guten Caramel Cappuccino Frappe und dazu sehr nettes Personal.
  4. Die Cafészene in Georgetown in Malaysia ist ausgezeichnet: Tolle Locations, leckerer Kaffee, wunderbarer Kuchen. Besonders toll war das China House mit seinem riesigen Kuchenbuffet.
  5. Kaffee trinken ist im Teeland China leider ziemlich teuer (pro Tasse Cappuccino zahlt man ca. 3,50 EUR), dafür war der Kaffee aber auch fast immer wirklich gut. Besonders hervorzuheben ist „Coffe by Shrew“, ein hübsches Café mit exzellenten Kaffee – der Lichtblick im kulinarisch ansonsten katastrophalem Pingyao.

 

Beeindruckende Toiletten:

  1. Georgien, ein Halt zwischen Kutaissi und Mestia: Man stelle sich eine gekachelte Rinne vor. Man teile sie durch kleine, türlose Holzkabinen in Abschnitte, in denen sich der geplagte Bürger seiner Notdurft entledigen darf. Und das tut er auch – reichlich. Aber halt, durch die besagte Rinne fließt ja gar kein Wasser! So entstehen also wunderhübsch anzusehende Kackberge, die vielleicht einmal die Woche manuell weggespült werden…
  2. Kirgistan Busstation am Westende des Issyk Köl Sees: Reisende haben es bekanntlich oft eilig, insbesondere, wenn sie grad die Hose runtergelassen haben und draußen der Marshruthkafahrer schon wieder ungeduldig auf die Hupe drückt. Und da kaum ein Reisender je wieder in dieses Kaff hier zurückkehren will, denkt er sich: Nach mir die Sintflut! Anders kann man sich die immense Anzahl von „Fehltreffern“ und verschmierten Türen kaum erklären.
  3. Westchina, irgendwo zwischen Dunhuang und Zhangye: Wer braucht schon Türen??? Dass sich chinesische Toilettenkultur und der Bedarf nach Privatsphäre deutlich von unseren Bedürfnisse unterscheidet, haben wir während unseres Aufenthalts im Reich der Mitte zur Genüge erfahren. Diese vollkommen verdreckte, aber sehr gut frequentierte Toilette, die vollkommen ohne Trennwände und Türen auskommt und den Besuchern die Möglichkeit gibt zu plaudern und sich nach rechts und links umzuschauen, was die Mitbürger so produzieren, war wohl die eindrücklichste ihrer Art.

 

//Heiko

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