Laos // Eine Prise Laos – Stippvisite im einstigen Königreich

Laos // Eine Prise Laos –  Stippvisite im einstigen Königreich

Rund neun Tage haben wir in Laos verbracht. Wir sind im Nordwesten gestartet und mit einem Longtailboat auf dem Mekong nach Luang Prabang geschippert. Nachdem wir hier die zahlreichen Tempel bestaunt haben, ging es in Richtung Süden nach Vang Vieng mit seinen aufregenden Höhlen.

Auf dem Mekong nach Luang Prabang

Im Norden von Thailand, direkt am Ufers des Mekong, liegt der kleine Ort Chiang Kong. Der Fluss fungiert dieserorts als natürliche Grenze zu Laos. Möchte man nach Laos einreisen, und das ist unser heutiges Ziel, dann setzt man mit einer kleinen Fähre nach Houay Xai über, lässt das Grenzprozedere über sich ergehen und hält innerhalb kurzer Zeit sein laotisches Visum in den Händen (übrigen:  wer die Visumsgebühr in Dollar und nicht in Kip zahlt, spart knapp acht Euro!). Houay Xai selbst hat nicht sonderlich viel zu bieten und die meisten Reisenden werden auch nur ein paar Stunden hier verweilen, denn das Hauptziel aller ist vermutlich das Mekongufer. Der Mekong, die Lebensader Südostasiens, hat hier bereits viele Kilometer seit seinem Ursprung im tibetischen Hochland zurückgelegt und es werden noch viele folgen, bis er sich nach rund 4500km in Vietnam auf  70000km‘ in ein riesiges Delta ausbreitet und schließlich in das Südchinesische Meer strömt.

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Houay Xai ist heute unser Ausgangspunkt einer zweitägigen Tour auf dem Mekong in die Königsstadt Luang Prabang. Rund 300km werden wir dem Lauf des Flusses folgen, durch steile Täler, über erstaunlich zügige Stromschnellen, vorbei an mit tiefem Dschungel bewachsenen Hängen, dörflichem Leben und spielenden Kindern. Ist Thailand auch im Norden noch vergleichsweise dicht besiedelt und kann mit einer guten Infrastruktur aufwarten, so gibt es im laotischen Nordwesten kaum mehr Straßen und viele Menschen leben in ihren Dörfern völlig autark und abgeschieden. So schippert das Boot ab und an an kleinen Siedlungen vorbei, Kinder strömen zum Wasser und winken, Ochsen stehen im Matsch und Bauern und Bäuerinnen bestellen die kleinen, steilen Felder.

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Die Tour ist wirklich schön, auch wenn die hölzernen Longtailboote recht laut knattern und ziemlich eng bestuhlt sind. Gerne wären wir alleine oder nur in einer kleinen Gruppe unterwegs (und nicht mit rund 100 anderen Reisenden), doch die Tickets sind dann horrende teuer und wir konnten uns diesen Luxus schlichtweg nicht leisten. Doch was soll’s, die Landschaft, die dort an uns vorüber zieht ist unglaublich schön und daher heißt es eines: genießen!

Noch ein kleiner Hinweis: Man nächtigt nach dem ersten Tag in Pakbeng, einem Ort mit sehr vielen Gasthäusern und Restaurants direkt am Ufer. Es ist absolut nicht notwendig, sich auf dem Boot ein Hotelzimmer aufschwatzen zu lassen, so wie wie es leider gemacht haben und dann, notgedrungen, im Hotel Bounmy schlafen mussten (das mit Abstand düsterste, ekligste und heruntergekommenste Hotel unserer bisherigen Reise!).

Luang Prabang

Nach insgesamt rund 16h Fahrt erreicht man Luang Prabang, das auf einer Halbinsel zwischen dem Mekong und seinem Nebenfluss Nam Khan liegt. Die Stadt ist umgeben von hohen, grünen Hügeln und von dem mitten in der Stadt gelegenen Phousi-Berg hat man eine extrem schöne Aussicht auf das Umland und Luang Prabang selbst, das sich da vollkommen entspannt vor einem ausbreitet. Und genau das ist es: entspannt. Luang Prabang gehört sicherlich zu einer der ruhigsten, hübschesten und wohl auch touristischsten Städten Laos. Die französische Kolonialarchitektur in der Innenstadt steht unter Denkmalschutz und wurde behutsam restauriert. Über das Stadtgebiet verteilt liegen 32 teils opulent verzierte buddhistische Tempelanlagen und so ist es nicht verwunderlich, das vor allem Mönche in orangenen Gewändern und Schirmen das Stadtbild prägen. Daneben gibt es einen sehenswerten Königspalast und einen allabendlich stattfindenden Nachtmarkt am Füße des Phousi-Berges, auf dem die Bewohner_innen der umliegenden Dörfer Kunsthandwerk, Stoffe und vieles anderes (nett kitschiges) anbieten.



Tat Kuang Si Wasserfall

Rund 30km entfernt liegt der Tat Kuang Si Wasserfall, sicherlich der schönste Wasserfall, den wir drei je gesehen haben. Genau genommen sind es mehrere kleine und große Kaskaden, die aus unterschiedlicher Höhe  (die höchste misst 60m!) in die Tiefe stürzen. Die unteren Kaskaden sind teilweise nur wenige Meter hoch, doch darunter bilden sich breite Pools mit milchig-türkis-blauem Wasser, in denen man schwimmen und sich erfrischen kann. Das ist vor allem dann nötig, wenn man auch das oberste Plateau erreichen möchte, denn dann muss man rund 20 Minuten steil bergauf durch den Dschungel kraxeln. Das ist schweißtreibend, doch dafür hat man von ganz oben einen tollen Ausblick in die Ferne und kann bis ganz nach vorne an die Kante gehen, dorthin, wo das Wasser 60m Meter hinabstürzt.

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Vang Vieng

Von Luang Prabang aus erreicht man innerhalb von 4 bis 5 Stunden mit einem Minibus Vang Vieng – unsere nächste Station. Der Weg dorthin ist genial – wenn man klare Sicht hat und die Gipfel der Berge nicht in Wolken gehüllt sind. Wir haben Pech, denn dichter Nebel umwabert uns, als wir auf einem der Pässe aussteigen. Vor rund drei Jahren bin ich die gleiche Strecke schon einmal gefahren und weiß, welch dramatischen Aussichten sich einem auf dieser Fahrt bieten. Der Blick in die Ferne ist grandios, die Karstberge massiv und alles so intensiv grün.
Tja, was soll man zu Vang Vieng sagen? Die kleine Stadt mit dem trostlosen, stillgelegten Rollfeld mitten im Zentrum ist seltsam. Vereinzelte Backpacker starren stupide auf riesige Plasmafernseher, lassen sich mit amerikanischen Sitcoms berieseln und laufen mit nacktem, in Neonfarben bekrakelten Oberkörper durch die kleine Stadt im konservativen Laos. Doch dies sind lediglich die Überbleibsel einer seltsamen Backpackerszene, die noch vor wenigen Jahren in Vang Vieng pulsierte. Jener kleine Ort war sozusagen der Ballermann von Laos. Junge Reisende, die zum Saufen, Drogen nehmen, Kopolieren und Tuben her kamen. Beim Tuben (man lässt sich auf einem LKW-Reifen den Nam Xong hinabtreiben und kauft alle paar Meter am Ufer Alkohol ein und konsumiert diesen) sind vor ein paar Jahren dann allerdings so viele junge Menschen ersoffen, dass die laotischen Behörden fast alle am Fluss ansässigen Bars schliessen liessen und seitdem versuchen, Vang Vieng touristisch neu zu definieren.

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Dass die Stadt das Potential dazu hat steht außer Frage, liegt sie doch – mal wieder – in einer sehr, sehr schönen Landschaft. Rund um Vang Vieng stehen tolle Kastberge, die zahlreiche riesige Höhlen beherbergen. Viele davon kann man besichtigen. Am besten, man leiht sich einen Roller aus, fährt durch die kleinen Dörfer und macht unterwegs immer mal wieder Halt, um Landschaft, Höhlen, Reisfelder und Dorfleben zu geniessen! Besonders sehenswert ist ganz klar die Tham Phu Kam Höhle, die etwa 8km von Vang Vieng entfernt liegt. Man sollte in jedem Fall eine Taschenlampe dabei haben, oder sich am Fuße des Berges eine Stirnlampe leihen – sonst ist man verloren! Der Aufstieg zur Höhle ist kurz, aber steil und ziemlich anstregend. Hat man den Eingang erreicht, öffnet sich unmittelbar vor einem eine große Halle in deren Zentrum eine goldene Buddhastatue liegt. Von dort aus kann man die Höhle weiter erkunden – hinein ins Dunkel. Es gibt keine Wege, keine Lampen – nichts. Stattdessen Dunkelheit und kathedralengrosse Hallen, die man auf eigene Faust erforschen darf. Tiefer im Inneren der Höhle finden wir riesige Stalaktiten und Stalakmiten, die im Schein unserer Lampe silbern funkeln. Schaltet man die Lampe aus, sieht man nichts, keinen Schimmer vom Tageslicht, das einige Hallen und Gänge weiter enfernt vor der Höhle leuchtet. Stattdessen lauschen wir unserem Atem und höhren Wasser von der Decke tropfen. Wasser, aus dem nach langer, langer Zeit wieder bizarre Gesteinsformationen enstehen werden.

//David

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