Malaysia// Georgetown & Malakka: Street Art, Street Food, Street Life

Malaysia// Georgetown & Malakka: Street Art, Street Food, Street Life

Wäre es doch immer so einfach: Es dauert gerade einmal zwei Minuten die malaiische Grenze zu passieren. Stempel in den Pass und schon hat man eine Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage. Würde es doch in allen Ländern so laufen!
Richtig, wir haben Thailand verlassen und haben rückblickend unsereren Aufenthalt in diesem Land richtig genossen. Wir hatten eine tolle Zeit, haben viel gesehen und erlebt und uns vor allem an der vielfältigen Natur erfreut. Nun brechen wir weiter in den Süden auf. Haben wir vor gut einem Jahr in Lappland den Polarkreis überschritten, so nähern wir uns nun in großen Schritten dem Äquator – so weit südlich waren wir beide noch nie.

Georgetown (Penang)

Unser erstes Ziel heißt Georgetown (oder auch Penang), das auf der unmittelbar der Küste vorgelagerten Insel Penang liegt. Vor etwa 250 Jahren, genauer im Jahre 1786, siedelten britische Händler unter ihrem Befehlshaber Francis Light auf der Insel an. In den letzten Jahrhunderten war Penang aber ganz unterschiedlichen kulturellen Einflüssen ausgesetzt: Sowohl Inder, Chinesen, Portugiesen, Araber und Niederländer und eben Briten haben deutliche Spuren hinterlassen und prägen bis heute die besondere Stimmung in der Stadt, die seit 2008 zum UNESCO Weltkulturebe zählt. Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass das außergewöhnliche an dieser Stadt die regionale Identität ist, die sich daraus speist, dass alle nicht von hier sind. Und das ist mehr als zutreffend, denn vor allem die gelebte Vielfalt unterschiedlicher Herkunft macht die Stadt so interessant und bunt. Darüber hinaus sind die Menschen, die wir hier auf der Straße, in Geschäften oder Cafés treffen außerordentlich nett, was dazu beiträgt, dass wir uns in Georgetown sehr wohl fühlen.
Zusammenfassend sind es vor allem drei Dinge, die es wert sind Georgetown zu bereisen:

1. Die Multikulturalität

So eint zum Beispiel die „Street of harmony“ ganz unterschiedliche Religionstätten: Eine christliche Kirche, hinduistische Tempel, chinesisch – buddhistische Tempel und die Kapitän Kling Moschee liegen in unmittelbarer Nachbarschaft von einander.

Diese kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch ganz deutlich im städtischen Leben wieder. Es gibt Stadtviertel, die eher chinesisch geprägt sind (omnipräsent sind zum Beispiel die chinesischen einstöckigen Shophäuser, die neben Kolonialgebäuden das Stadtbild dominieren), und jenes Viertel, in dem ein Großteil der indischen Bevölkerung lebt. Betritt man Little India, fühlt man sich tatsächlich unmittelbar nach Indien versetzt: Extrem laute Bollywood Musik beschallt die Straßen, die Frauen tragen farbenfrohe Saris und in den Restaurants werden (vegetarische) süd- und nordindische Thalis und knusprige Dosa serviert. Die Atmosphäre ist tatsächlich beeindruckend und es macht Spaß durch die engen Straßen zu laufen und die Gerüche, Töne und Farben in sich aufzunehmen.

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2. Die kulinarische Vielfalt

Hiermit wären wir dann auch schon bei der kulinarischen Vielfältigkeit Penangs. Und diese ist schlichtweg beeindruckend. Penangs Essen ist ein Mix aus vor allem chinesischer, indischer und malaiischer Küche und die Straßen sind voll von unzähligen Straßenküchen und Ständen an denen frisch zubereitetes Essen angeboten wird. Hinzu kommen die zahlreichen Hawker-Center, überdachte Plätze voll mit essenden Menschen, die um große Tische sitzen und sich die Speisen an den umliegenden Küchen abholen. Die Auswahl ist riesig und ganz Penang scheint bis spät in die Nacht hinein dem Essen zu frönen. Zwar ist das ganze (mal wieder!) recht fleischlastig, doch dank der indischen Küche schweben auch wir auf der kulinarischen Wolke sieben: köstliche Thalis, klebrig indische Süßigkeiten, knusprige fluffige Rotis und ein ganz spezielles malaiisches Dessert haben wir probiert: Cendol. Dafür werden grüne, geleeartige Reisnudeln mit Kokosmilch übergossen. Hinzu kommen gecrushtes Eis, Palmzucker, rote Bohnen und gehackte Erdnüsse. Sehr gehaltvoll, aber auch wirklich lecker!


Daneben, und das ist für uns caféverwöhnte Berliner ja ein nicht unrelevanter Faktor, gibt es in Georgetown einige tolle, sehr gemütliche Cafés mit leckeren Cappuccino, tollem Kuchen, hausgemachtem Joghurt und einer sehr, sehr netten Atmosphäre. Einen guten Überblick darüber findet man in diesem Blog. Wir haben einige davon ausprobiert und vor allem das Café Chinahouse hat uns richtig gut gefallen. Das Kuchenbuffett ist der Wahnsinn (und der New York Cheesecake mit karamelisierten Cashewnüssen ein Traum), die Umgebung richtig nett und letztlich haben wir hier bei Weihnachtsmusik und Christbaum dann auch unseren Weihnachtsabend verbracht.

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collage chinahouse

 

3. Street Art

Die Street Art ist sicherlich eines der Highlights Penangs. Über 30 Kunstwerke liegen über die Stadt verteilt. Teils versteckt in kleinen Seitengassen, teils auf größeren Plätzen, nehmen sie immer Bezug auf die Umgebung und laden in vielen Fällen (hier sind vor allem die Werke des Litauischen Künstlers Ernesto Zachareviec besonders hervorzuheben) die Betrachter_ innen zur Interaktion ein. In den meisten Hotels gibt es es einen Stadtplan, in dem die Murals markiert sind. Einen guten Überblick verschafft auch die folgende Karte:


Street Art of George Town, Penang auf einer größeren Karte anzeigen

Und wer mehr sehen oder lesen möchte, klicke auf einen der folgenden blogs:
Backpackerbecki und Onlypenang.

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Von Penang aus erreicht man in rund sieben Stunden Melaka. Das Busfahren in Malaysia ist übrigens genial. Die Busse sind sehr luxuriös und – wenn überhaupt – mit lediglich drei Sitzen pro Reihe ausgestattet und bieten daher sehr viel Platz. Manche Busse haben sogar Videospielkonsolen oder eine Massagefunktion in den Sesseln integriert. Verglichen mit manch anderen Bussen unserer Reise ist das hier ganz definitiv die Königsklasse!

Malakka (Melaka)

Auch Melaka ist seit 2008 UNESCO Weltkulturerbe. Die Küstenstadt liegt an der sogenannten Straße von Melaka gegenüber von Sumatra, was sie zu einem wichtigen Handelspunkt über die letzten Jahrhunderte machte. Bis zum 15. Jahrhundert war Malakka eine chinesische Kolonie (auch dies spiegelt sich im Stadtbild wieder), bis 1957 stand es dann unter portugiesischer, niederländischer und schließlich britischer Herrschaft. Neben chinesisch geprägter Architektur findet man dementsprechend zum Beispiel auch ein portugiesisches Viertel, das zum Zeitpunkt unseres Besuches extrem kitschig weihnachtlich geschmückt war. Riesige Krippen standen vor den Häusern, leuchtende Schlitten mit Rentieren auf den Dächern und alle Straßenzüge waren bunt blinkend illuminiert.

Sehenswert ist vor allem jedoch die Innenstadt von Melaka. Besonders fällt hierbei das niederländische Viertel ins Auge, das komplett rot gestrichen ist und sich um einen Springbrunnen herum gruppiert. In der Tat: Fokussiert man seinen Blick auf die Christ Church, den Brunnen und das nahegelegene Stadthuys, so könnte man meinen, sich in einem kleinen niederländischen Örtchen zu befinden. Doch bereits auf der anderen Seite des Flusses liegt Chinatown und auch die schrill geschmückten Trishaws (das malayische Äquivalent zum tuktuk), die mit laut wummerdem Technotrash durch die Gassen poltern, wollen nicht so recht zum Erscheinungsbild passen.

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Hat uns Melaka rückblickend gefallen? Jein. Melaka ist sicherlich eine nette Stadt mit einer interessanten Geschichte, trotzdem ist unserer Meinung nach Georgetown bedeutend interessanter, quirliger und vielfältiger. Kulinarisch hat sich unser Ausflug hierher aber ganz definitiv gelohnt, denn hier gab es das bisher beste Essen unserer Reise. Das Restaurant  „Veggie Planet“ hat uns derart überzeugt, dass wir gleich jeden Tag dort essen waren. Der kulinarische Höhepunkt ist ganz klar das Hakka Gericht Hoi Lok Feng Lui Cha. Hier erhält man eine Schale mit braunem Reis, grünen Bohnen, Chinakohl, Tofu, schwarzem Sesam, geriebenen Nüssen, gepufftem Reis und Frühlingszwiebeln. Das ganze übergiest man schließlich mit einer Suppe aus Pestoblätter, Pfefferminz, Pu Er Tee, weißem Sesam, Ingwer, Nüssen und Cashewnüssen. Das Ergebnis ist schlichtweg der Hammer!

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4 Comments

  1. Ursel wagenfeldt - 9. Januar 2014

    Hallo David, regelmäßig lese ich eure interessanten Reiseberichte, freue mich richtig darauf, denn ich kann die Reise fast miterleben, nehme sogar die Gerüche wahr! Da ich ja ein kleiner „Schisser“ bin und die Reise nach Asien noch immer nicht gewagt habe, macht Vieles von dem, was ihr berichtet, mir Mut! Aber eigentlich brauche ich die Reise nicht mehr, denn ich fahre bei euch mit. Die vielen tollen Bilder beeindrucken mich außerordentlich und durch die vielen Informationen hat sich mein Horizont ziemlich erweitert! Euch ein super 2014 und noch viele schöne Erlebnisse, interessante Begegnungen, kulinarische Genüsse usw. Ganz liebe Grüße aus Berlin Ursel

    • david - 1. Februar 2014

      Liebe Ursel,

      wie schön von dir zu hören. Es tut mir leid, dass es mit dem Antworten so lange gedauert hat, doch die letzten Tage waren wir ohne Internet im australischen Outback unterwegs.

      Ja, wir hatten in der Tat eine tolle Zeit in Asien, haben unglaublich viel schönes gesehen und erlebt, sind aber nun doch nach nunmehr fast einem halben Jahr auch mit Lust auf Neues in Richtung Australien aufgebrochen. Bisher sind wir schwer begeistert von der unglaublich schönen und einsamen Natur hier, den entspannt freundlichen Menschen, dem leckeren Essen und vor allem von dem australischen Licht, der gleißend hellen Sonne.

      Vielleicht reist du aber ja doch mal nach Asien, z.B. Vietnam hat uns richtig gut gefallen und war, entgegen z.B. China, sehr entspannt und trotzdem schön quirlig.

      Ich werde dir nach meiner Rückkehr einfach ganz viel berichten, vielleicht bekommt du ja dann noch mehr Lust auf eine Reise nach Asien…

  2. Annette Richter-Judt - 12. Januar 2014

    Hallo David,

    weiterhin viel Spaß im Malaysia. Ich habe von 1996-1998 in Kuala Lumpur gewohnt, gearbeitet und habe einfach sehr schöne Erinnerungen an das Land und seine Menschen, die Kultur, aber auch an Borneo, die Nachbarländer wie Thailand, Indonesien und weiter Australien und Neuseeland. Genieß alles, diese Eindrücke sind unvergänglich.

    Viele Grüße aus dem kalten Berlin von Annette Richter-Judt (BvA)

    • david - 1. Februar 2014

      Liebe Annette,

      ich freue mich sehr von dir zu hören.
      Ja, wir hatten eine wirklich tolle Zeit in Asien, sind aber auch – wie ich Ursel schon geschrieben habe – gerne wieder aufgebrochen und reisen nun schon rund drei Wochen durch Australien. Ich hätte dich vor meiner Abreise mal über deine Eindrücke und Erfahrungen bezüglich der ganzen Ländern fragen sollen, doch ich wusste nicht, dass du auch in so vielen Ländern, die auf unserer Route liegen, unterwegs warst.

      In jedem Fall bin ich gespannt, was du über das Leben in Kuala Lumpur berichtest. Malaysia hat uns gut gefallen, doch mit KL sind wir leider nicht richtig warm geworden. Die Stadt schien nur aus klimatisierten Shopping Centern zu bestehen und wir fanden es ziemlich stressig. Zwar waren wir auch mal in den Stadtrandgebieten unterwegs, da war es schon interessanter, aber richtig überzeugt waren wir nicht. Aufgrund des Klimas konnten wir nicht an die Ostküste reisen und auch Borneo haben wir nicht geschafft, das wollen wir aber in jedem Fall später mal nachholen!

      Nun sind wir in Australien, schwer begeistert von der weiten Landschaft, dem wild schäumendem Meer, dem leuchtenden Sonnenlicht und den sympathischen Menschen!

      Liebe Grüße aus Australien
      David

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