Australien // Von den Adelaide Hills über die Grampians zur Great Ocean Road

Australien // Von den Adelaide Hills über die Grampians zur Great Ocean Road

On the road again… Unser Ziel ist das auf direktem Weg 1340 Kilometer entfernte Sydney, das wir in 16 Tagen erreichen wollen (alles in allem haben wir 2629km zurückgelegt). Mal sehen, ob das gut passt.
In Adelaide tauschen wir unseren treuen, staubpistenerprobten kleinen Ford gegen einen schicken Campervan von Mighty. Nötig gewesen wäre der Tausch allerdings nicht, da wir mit Zelt und Auto gut klargekommen sind und keine unerwarteten Besuche von Australiens giftiger Fauna hatten. Darüber hinaus ist der Campervan fast doppelt so teuer, frisst mehr Sprit und fährt sich leider nur mäßig gut. Aber egal, nun haben wir das Gefährt und bequem ist der Campervan mit seinem großen Bett und dem Tisch schon.

Adelaide Hills

Unmittelbar vor Adelaides Haustür erstrecken sich die Adelaide Hills. Hier erwartet uns wieder ein schönes Weinanbaugebiet, das durch sanfte grüne Hügel, ein angenehm mildes Klima, reichlich Landwirtschaft, kleine und große Wälder, hübsche Aussichten (z.B. auf Adelaide vom Mount Lofty aus) und die allgegenwaertigen Rebstöcke gekennzeichnet ist. Besonders schön ist es in den fruehen Abendstunden über die kurvenreichen kleinen Straßen zu fahren, wenn die Landschaft in (das für uns so sehr zum Markenzeichen Australiens gewordene) goldenes Licht getaucht ist. Deutsche Siedler ließen sich in den Adelaide Hills 1838 nieder und errichteten hübsche Örtchen wie Hanhdorf, das zwar ziemlich touristisch (omnipräsent: Wurst, Sauerkraut, Kuckucksuhren), aber nett anzuschauen ist, und darüber hinaus eines der nettesten Cafés der bisherigen Reise aufwartet: Das „The Seasonal Garden“ Cafe mit gutem Kuchen und einer ultra netten Inhaberin.

Klein, aber fein – Die Adelaide Hills sind auf jeden Fall einen Umweg wert!

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Lime Stone Coast

Bald erreichen wir wieder die Küste, wo South Australias Limestone Coast beginnt. Der Princess Highway führt durch mit niedrigen Bäumen und Büschen bestandene Landschaft. Viel zu sehen gibt es rechts und links des Weges nicht – da muss man selbst von so zweifelhaften Attraktionen wie dem „Gigant Lobster“ (s.u.) ein Foto machen. Wirklich häufig sieht man das offene Meer wegen der vorgelagerten Inseln und Dünen nicht. Doch an einigen Stellen kann man durch die breiten Dünen zu den wunderbaren kilometerlangen, menschenleeren Stränden gelangen. Die sanfte Dünenlandschaft erinnert uns ein bisschen an die niederländische Nordseeküste, nur dass hier gänzlich andere Pflanzen gedeihen und uns manchmal ein aufgeschrecktes Känguru über den Weg hüpft. Die azurblaue See ist teilweise recht rauh und Gischt spritzt um uns, während Möwen versuchen ihr Gleichgewicht im strengen Gegenwind zu halten. Es ist wirklich richtig schön hier!

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Unser Fazit: Die 146km auf dem Princess Highway sind recht dröge, doch abseits davon gibt es wunderbare Strände, unberührte Natur und schöne Dünen. Um die Limestone Coast und den Corong Nationalpark wirklich zu erkunden, muss man aber definitiv mehr Zeit als wir einplanen.

Die Grampians

Die Grampians liegen zwar nicht auf unserem direkten Weg nach Melbourne, aber eine Schweizer Familie hat uns begeistert vom dortigen Nationalpark erzählt – und wenn Schweizer begeistert von Bergen sind, muss das schon was heißen. ;)
Zuvor unternehmen wir noch einen kleinen Abstecher zu den Naracoorte Höhlen, die für ihre spektakulären Fossilienfunde bekannt sind. Besonders interessant sind die Funde der australischen Megafauna, die u.a. mit zwei Meter großen Wombats und entsprechend großen Schlangen, die selbige verspeisen konnten, aufwartete. Auf dem Weg dorthin und weiter zum Grampians Nationalpark passieren wir eine ganze Reihe ziemlich verschlafener Örtchen, die sich gegenseitig den Titel „Tidiest Town of Australia“ streitig machen.

Der Umweg zu den Grampians lohnt sich auf jeden Fall, denn sie sind wirklich schön! Leider ist unser Aktionsradius im Nationalpark sehr eingeschränkt, da einige Buschfeuer im Gange sind und größere Teile des Parks gesperrt sind. Die Luft riecht nach Rauch und in der Ferne sehen wir Rauchsäulen aufsteigen.
Die Grampians sind ein ziemlich kleiner Gebirgszug, der abrupt aus der Landschaft aufragt, wodurch man den Blick von den Bergspitzen bis weit hinein in das umliegende flache Land schweifen lassen kann. Die Wanderung zum höchsten Berg der Grampians, dem Mt. Williams, lohnt sich, da man eine wirklich grandiose Aussicht hat, doch ist der kurze Aufstieg über einen betonierten Weg an sich nicht so interessant. Mit festen Schuhen und ein bisschen mehr Puste ausgestattet, ist die anstrengendere Wanderung auf kleinen Pfaden zur Spitze des Mt. Abrupt auf jeden Fall spannender. Im Gebüsch kann man Kängurus, Papageien, Echsen, Kokabooras und die allgegenwärtigen, kreischenden Kakadus entdecken. Die Aussicht auf die umliegenden Plateaus und die schwindelerregend steil abfallende Klippen ist genial.

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Wie besuchen auch das Brambuk Cultural Centre in Halls Gap, das sich der Kultur der Aborigines widmet. Die Ausstellung wirkt ein bisschen self-made und ist etwas repetitiv, aber wir lernen hier viel über die Geschichte und vor allem das Selbstbild der Aborigines. Die Kultur der Aborigines ist die älteste existierende der Welt (wahrscheinlich über 40.000 Jahre alt) und ihre Sprache die älteste auf der Erde gesprochene. Legenden, die sich Aborigines heute erzählen, erzählten sich vermutlich bereits ihre Urahnen in der Steinzeit und die Formensprache der Höhlenmalereien aus der Steinzeit können Aborigines heute problemlos entschlüsseln. Irre! Aber wie bei so vielen Dingen, die die Aborigines betreffen: Kaum jemand weiß davon. Oder noch schlimmer: es hat keine Relevanz. Aus der Ausstellung spricht nicht nur Stolz auf die lange Geschichte, sondern sehr viel Gram und Trauer. Darüber, dass sie ihres Landes beraubt wurden, gezwungen wurden Sprache und Sitten ihrer Eroberer anzunehmen, gefoltert, gedemütigt und getötet wurden. Und darüber, dass auch heute, fast zwei Jahrhunderte nach Gründung der ersten dauerhaften europäischen Siedlung in Australien, für sie keine Gerechtigkeit gibt und sie nach wie vor als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Wir würden sehr gerne wissen, wie das Australier nicht-aboriginealer Herkunft sehen – vielleicht sollten wir das Thema bei nächster Gelegenheit mal anschneiden…

Auch für die Grampians war unsere Zeit arg kurz bemessen, denn es gibt noch viel mehr zu entdecken. Schade! In Dünkel südlich der Grampians stießen wir zum Abschluss unseres Schlenkers in die Berge auf eine sehr coole kleine Bäckerei (The Old Bakery & Wild Plum Cafe), wo wir neben fabelhaften Kuchen und einem netten Gespräch vom Inhaber ein frisches Brot geschenkt bekamen – einfach so und weil er Reisende einfach gerne mag. Die Freundlichkeit mit der uns die Australier_innen begegnen ist echt phänomenal! 

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Great Ocean Road

Schließlich erreichen wir den Start der berühmten Great Ocean Road. Über 243 Kilometer schlängelt sie sich an der Küste Victorias von Allansford bis zur Surferhauptstadt Torquay entlang.
Die Straße ist wirklich beeindruckend, besonders, da sie durch sehr unterschiedliche Landschaften führt. Am Anfang passiert man eher flache, von Weideflächen dominierte Landschaften, später windet sich die Straße in engen Kurven durch üppige Regenwälder und führt hin und wieder recht weit weg vom Meer. An der Küste fallen die Klippen immer häufiger abrupt zum Strand hin ab. Der Kalkstein hat hier im Zusammenspiel mit Wind und Wetter imposante, abstrakte Formationen geschaffen, deren bunte Schichten vor allem in der Abendsonne und im Kontrast zum Blau des Meeres und dem Weiß der Sandstrände zu leuchten scheinen – ein wirklich beeindruckender Anblick!
Einige der markanten Felsen, z.B. die 12 Apostel (die niemals zwölf an der Zahl waren, aber sich so weitaus besser vermarkten lassen – früher hießen sie einfach „Sau und Ferkel“) sind sehr bekannt und Anziehungspunkt für viele Tourist_innen. An dieser Stelle werden wir zum ersten Mal in Australien mit dem Phänomen des Massentourismus vertraut: Große Reisebusse spucken unermüdlich Menschen aus und auf den Aussichtsplattformen wird um den besten Platz fürs Familienfoto gerungen. Zum Glück aber sind die Gruppen ab vier Uhr wieder auf dem Heimweg und selbst hier auf der Great Ocean Road wird es dann wieder nahezu einsam.

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In einem späteren Abschnitt ist die Straße eng an die Klippen geschmiegt und führt in engen Kurven hoch über dem Meer entlang. Die Ausblicke sind wirklich beeindruckend. Doch aufgrund der drängenden Autofahrer_innen hinter uns, kann man während der Fahrt (zumindest der Fahrer) den Blick nur selten in die Ferne schweifen lassen. Zum Glück aber gibt es einige Punkte an denen man halten kann um die Aussicht zu genießen. Bei einigen dieser Punkte sind allerdings gewagte Manöver vonnöten um den Campervan über die Gegenfahrbahn auf die Parkplätze zu bugsieren. Einfacher ist es gewiss die Strecke aus Melbourne kommend zu fahren.

Ja, die Great Ocean Road war definitiv die Reise wert! Die abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaft rechts und links der Straße, die weißen Strände und bunten Felsen an denen das blaue Meer unentwegt anbrandet und die Aussichten auf die skurrilen Formationen sind toll. Jedoch muss man aufgrund der immensen Beliebtheit inkauf nehmen, dass man hier nur selten allein unterwegs ist. Grade wer campen möchte, muss damit rechnen, dass die günstigen oder kostenlosen Plätze schnell voll sind. Zudem sind die bekanntesten Orte geradezu überlaufen – und ehrlich gesagt weniger beeindruckend als andere, weniger besuchte Formationen. Also: Augen aufhalten und – wenn möglich – in kleine Straßen abbiegen, die ihren Umweg wert sind.

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//Heiko

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