Australien // Sydney: Die heimliche Hauptstadt

Australien // Sydney: Die heimliche Hauptstadt

In strömenden Regen erreichen wir Sydney. Die kommenden Tage werden wir bei unseren Freunden Mark und Jeremy verbringen und Australiens kulturelle Hauptstadt auf uns wirken lassen. Wir sind in jedem Fall gespannt, welche Stadt uns besser gefallen wird: Die weltweit angesagte Metropole Sydney oder doch eher der kleinere Rivale Melbourne?

Surry Hills

Unsere Freunde wohnen im sehr zentralen Stadtteil Surry Hills, von dem aus sich fußläufig die bekannten Sehenswürdigkeiten wie das Opera House und die Harbour Bridge erreichen lassen. Surry Hills selbst scheint das Epizentrum schwul-lesbischen Lebens in Sydney zu sein und so besteht die Oxford Street vor allem auch aus Restaurants und regenbogenaffinen Clubs. Sehr nett sind vor allem die etwas kleineren Nebenstraßen mit zahlreichen Cafés und zugegebenermaßen recht kostenintensiven Bars. By the way: Unbedingt ausprobieren sollte man das Eis von Messina (gibt’s auch am Bondi Beach). Die Sorten haben außergewöhnliche Namen wie zum Beispiel „Elvis – tue fast years“ und schmecken schlichtweg unglaublich gut. Wer also auf riesige Browniestücke, Erdnussbutter und Karamelbrocken in Sahneeis steht, sollte sich von der rund 60m langen Schlange nicht abhalten lassen – es lohnt sich!

Abseits vom CBD

Sydney lässt sich bestens zu Fuß erkunden und in der Touristeninfo kann man sich stadthistorisch interessant aufbereitete Routenvorschläge holen. Wir haben zwei dieser Stadtspaziergänge gemacht und fanden es beide Male spannend, auch etwas über das einstige und heutige „Innenleben“ der Häuser zu erfahren. Lohnenswert ist in jedem Fall ein Rundgang durch das chinesische Viertel, das mit einem großen und kostengünstigen Obst- und Gemüsemarkt aufwarten kann, sowie die Tour durch das einstige Rotlichtviertel Kings Cross (ein paar Stripclubs sind noch geblieben) und das benachbarte Wollomollo. Der Stadtspaziergang führt hier vorbei an sehenswerten Art Deco – Gebäuden, repräsentativen Villen, versteckten Häfen, schmucken Reihenhäuschen, hässlichen Wohnsilos, gemütlichen Buchläden und netten Geschäften. Nebenbei erfährt man so manches über Immigration, eine bekannte Frauenrechtlerin früherer Zeiten und andere nennenswerte Persönlichkeiten der beiden Stadtteile. Ein leckerer Stopp ist übrigens „Harrys Famous Pies“: Ein kleiner, berühmt gewordener Imbiss, in dem es Pies mit Kartoffelpüree, Erbsenpüree und Soße gibt. Eine matschig leckere Angelegenheit!

Newtown

Unser liebstes Viertel ist ohne Frage das alternativ angehauchte Newton. Entlang der recht lauten Hauptstraße liegen massig Restaurants, Cafés und Second Hand Buchläden. Es gibt vegane Örtlichkeiten und bunte Streetart. Daneben ist es schön durch das Viertel zu laufen und in den abschüssigen Parks zu sitzen. Mit den ganzen kleinen Häuschen wirkt Sydney hier kaum mehr großstädtisch – ganz anders als im Zentrum rund ums Opera House. Mit unseren Gastgebern gehen wir abends schließlich noch Meze essen und lernen, dass in Sydney nicht unübliche „byo“ kennen – „bring your own (bottle)“. In den damit gekennzeichneten lizensfreien Restaurants kann man sich seinen eigenen Wein mitbringen und so die Rechnung ein wenig im Rahmen halten.

Opera House & Harbour Bridge

DIE Sehenswürdigkeit Sydneys ist vermutlich das Opera House mit der Harbour Bridge im Hintergrund. Und ja, das große innerstädtische Hafenbecken ist toll und wertet die Stadt ungemein auf. Die Brücke ist riesig massiv und ihre Erscheinung imposant, doch das Opernhaus vielleicht sogar ein wenig enttäuschend. Es wirkt so klein, farblos und eingezwängt hier im Becken, zwischen der Brücke und den Hochhäusern des CBDs – da mag man nicht glauben, dass dieses vermutlich eines der bekanntesten Gebäude der Welt ist. Trotzdem: Blickt man nachts von Mrs. Mcquarie’s Chair (ganz am Ende des Royal Botanical Gardens) auf Hafen, Brücke und die beleuchtete Oper und sieht die funkelnden Lichter im Wasser spiegeln, dann ist das ohne Frage urbane Schönheit.

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Bondi to Coogee Walk

Sehr lohnenswert ist auf jeden Fall auch der Walk von Coogee Beach nach Bondi Beach (Dauer ca. 2.5h). Unmittelbar an Sydneys Steilküste entlang läuft man vorbei an Buchten mit kleinen und größeren Stränden, einem schönen Friedhof und glasklarem Wasser. Stets kann man die Aussicht genießen, das Meer rauschen hören und die unzähligen Surfer beobachten. Die Atmosphäre ist entspannt und die Vorstellung, dass man sich gerade in einer Millionenmetropole befindet, ist wirklich bemerkenswert. Der Walk endet in Bondi Beach, Sehen und Gesehen Werden scheint hier das Credo zu sein, und von dort fahren wir entspannt zurück ins quirlige Sydney.
Welche Stadt hat uns also mehr überzeugt? Schwierig! Fast wäre es eine Pattsitutation geworden, doch letztlich entscheiden wir uns für das atmosphärisch dichtere Melbourne, das aber ohne Frage nicht mit so einer unglaublich schönen stadtnahen Küste aufwarten kann.


//David

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