Australien// Blue Mountains: 500 Meter senkrecht in die Tiefe

Australien// Blue Mountains: 500 Meter senkrecht in die Tiefe

Für die nächsten vier Tage haben wir wieder fahrbaren Untersatz: Einen kompaktes Auto der australischen Marke Holden, der trotz seiner kleinen Ausmaße leider fast ebenso spritdurstig ist, wie der große Campervan von Mighty. Mindestens genauso wenig erfreulich wie diese Tatsache, ist die Hexe am Schalter von Redspot wo wir unser Auto abholen. Die Gute ist mieser gelaunt als Berliner Fahrkartenkontrolleure während der Nachtschicht.

Schnell lassen wir Sydney in Richtung Westen fahrend hinter uns, unser Ziel sind die Blue Mountains. Alle, die wir nach den Blue Mountains gefragt haben, bestätigen uns unisono, wie schön es dort sei. In Anbetracht der geographischen Nähe zu Sydney und der Info, dass den Echo Point jährlich knapp zwei Millionen Menschen ansteuern, machen wir uns allerdings auf kein besonders entspanntes und naturnahes Erlebnis gefasst. Doch zum Glück täuschen wir uns.

Die Blues Mountains sind kein „klassischer“ Höhenzug. Vielmehr handelt es sich um ein Hochplateau, in das Wetter und Flüsse in abermillionen Jahre langer Arbeit tiefe Täler hineingegraben haben. Für die frühen Siedler Australiens waren die Berge ein unüberwindliches Hindernis und es dauerte Jahrzehnte bis sich ein Weg durch die tiefen Täler fand. Die Entdecker müssen nicht schlecht gestaunt haben, als sie auf der anderen Seite Herden verwilderter Kühe antrafen – scheinbar waren die ausgebuechsten Rinder etwas pfiffiger als die Menschen und hatten einfach einen Weg um die Berge herum gewählt. Aufgrund der schlechten Zugänglichkeit blieben die Täler der Blue Mountains jedenfalls lange Zeit kaum erschlossen und haben sich daher ihre recht ursprüngliche Flora samt riesiger Eukalyptuswälder bewahren können.

Die Aussicht vom Echo Point in Katoomba auf die jäh herunterstürzenden Klippen und das viele hunderte Meter tiefer gelegene, dicht bewaldete Jamison Valley, das durch die verdampfenden ätherischen Oele der Eukalyptusbaeume in einen leicht blauen Nebel gehüllt ist – daher rührt im übrigen der Name BLUE Mountains – ist einfach spektakulär! Links neben der Aussichtsplattform wachen die „Three Sisters“ über dem Tal, drei unverkennbare Sandsteinformationen, deren Ähnlichkeit mit ihrem Namen allerdings auf die Zahl drei beschränkt ist. Es lohnt sich aber auf jeden Fall die steilen Treppen hinabzusteigen und die Aussicht auch von den Three Sisters aus zu genießen. Ja, es ist wirklich sehr cool hier, das hätten wir nicht erwartet. Zudem ist es am späten Nachmittag nahezu menschenleer –  wie schon an der Great Ocean Road ist derjenige mit Auto klar im Vorteil, denn man muss einfach nur die Abreise der letzten Touristenbusse abpassen.

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Vom Echo Point abgesehen, gibt es in den Blue Mountains eine ganze Reihe wirklich schöner und vor allem weniger erschlossener Orte, wie z.B. die Kanangra Road im Kanangra-Boyd Nationalpark oder ein Abstecher von der (wirklich sehr fahrenswerten) Bells Road of Line in den kaum erschlossenen Wollemi Nationalpark, wo man die tiefen Täler und dichten Wälder bewundern, zu Wasserfällen wandern (einfach zu erreichen und sehenswert: Wentworth Falls), auf Kängurus, Papageien, Grauruecken-Leierschwaenze (ein pfauenaehnlicher Vogel), Beutelmarder und große Warane stoßen kann.

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Viele der Aussichtspunkte bieten mindestens ebenso spektakuläre Ausblicke auf schroffe Felswände und Klippen wie der Echo Point, mit dem Unterschied, dass bisweilen jegliche Absperrungen fehlen und man sich – je nach Gusto – bis auf einem Schritt den senkrechten, bis zu einem halben Kilometer tiefen Abgruenden nähern kann. Da stellen sich selbst bei mir als einigermaßen schwindelfeiem Menschen die Nackenhaare auf (und erst recht bei David, der uns mehr als einmal vor dem geistigen Auge von einer Steinlawine erfasst am Grunde der Schluchten liegen sah und mich daher nur mit kurzer Leine am Abgrund langspazieren ließ ;) ).

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Der Ausflug in die Blue Mountains war definitiv sehr cool und ein schöner Abschluss zu unserer Zeit in Australien. Ja, unsere Tage hier sind nun nach etwas mehr als vier Wochen LEIDER gezählt. Wir haben Land und Leute in der kurzen Zeit sehr, sehr, sehr mögen gelernt und müssen irgendwann ganz definitiv zurückkehren!

Hooroo Oz, cya later!!

//Heiko

Und sonst: Werden wir einen Aussie ganz definitiv nicht vermissen: Die australische Fliege. Wahrscheinlich gibt es kaum ein penetranteres und unnachgiebigeres Geschöpf auf diesem Erdenball. Hat sich ein Tier in den Kopf gesetzt auf einer von ihm ganz genau definierten Stelle auf der Wange Platz zu nehmen, in das rechte Nasenloch zu krabbeln oder an der Feuchtigkeit des linken Auges zu nippen, wird es dieses Ziel unerbittlich verfolgen – bis zum eigenen Tod oder bis der Mensch sich resigniert dem Willen der Fliege (beziehungsweise dem des ganzen Schwarm) beugt und manchmal kurz davor ist dem Wahnsinn anheimzufallen.

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