Neuseeland// Christchurch: Earthquake City und Banks Peninsula

Neuseeland// Christchurch: Earthquake City und Banks Peninsula

…ein zugegebenermaßen reißerischer Titel. Doch so heißt auch eine gleichnamige Ausstellung in der Innenstadt Christchurch’s, die über das folgenschwere Erdbeben im Jahre 2011 informiert. Hierbei kamen 185 Menschen ums Leben und ein Großteil der historischen Innenstadt wurde unwiederbringlichen zerstört. Riesige Baulücken klaffen dort, wo einst Gebäude standen, zahlreiche Häuser stehen leer und sind einsturzgefährdet und zwei große Kunstmuseum sind noch für einige Jahre geschlossen. Kurzum, die Nachwehen und der Schmerz des Bebens (an den durch ein Denkmal mit 185 leeren, weiß getünchten Stühlen erinnert wird) sind in Christchurch weiterhin sehr präsent und bei Regenwetter wirkt die Stadt in der Tat trist und deprimierend.

Auf der anderen Seite strahlt sie auch vielerorts eine starke Energie aus: So enstand in der Innenstadt die re:start Mall, ein buntes mehrstöckiges Containerdorf, das Geschäfte und Cafés beherbergt und in jedem Fall dazu beiträgt die Innenstadt zu beleben. Auch gibt es kleine Wohnwagen, die zu Koffeeshops umfunktioniert wurden, einen aus Paletten gebauten Veranstaltungsort, zahlreiche Straßenkünstler_innen und Streetart, die den durch das Beben entstandenen Raum nutzt und farblich und künstlerisch aufwertet (auf der Hauptstraße durfte ich dann auch für eine Hulahubakrobatin als Stütze fungieren und dabei ungewollte Einblicke in ihr rotes Höslein erhalten).
Daneben versprühen natürlich auch die verbliebenen historischen Gebäude ihren Charme, der Avon River, die grüne Ader der Stadt kann mit Stocherkähnen erkundet werden und der botanische Garten ist wirklich sehr, sehr schön.

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Nun, wir sind also in Neuseeland! Weiter weg von zu hause geht fast nicht mehr, rund 16000km – eine beachtliche Strecke. Unsere Einreisen war übrigens eine Sache für sich: Schon in Australien wurde ja unser Gepäck auf böse Pflanzen, gemeine Tiere und fiese Algen gefilzt, doch wir durften ohne Probleme einreisen und stellten offensichtlich kein großes Risiko für die einheimische Flora und Fauna dar. Anders in Neuseeland: Auch hier mussten wir mal wieder all unser Gepäck in der Quarantänestation auspacken und – Oh Graus! – die taffe Beamtin wurde fündig. Wir hatten illegale Einwanderer an Brot – drei fiese lebende Ameisen haben wir in unserem Zelt hierher transportiert. Und so muss unsere Bleibe, unser Zelt, in Quarantäne. In diesem Fall ein riesiger schwarzer Plastikbeutel samt Insektenvernichtungsgas, den wir nun für 24h nicht öffnen dürfen … Zugegebenermaßen etwas ungünstig nachts um 1h in Christchurch zu stehen – ohne Zelt, dafür aber mit einem riesigen Plastikbeutel. Doch zum Glück gibt’s auf dem Campingplatz einen Fernsehraum und so verbringen wir unsere erste Nach in Neuseeland auf einem etwas siffigem Sofa.

In Christchurch holen wir dann aber auch auch unsere Bleibe für die nächsten 3,5 Wochen ab: Einen knallgrünen Camper mit einer leider etwas peinlich sexistischen Lackierung. Doch das Innenleben des Wagens ist chick und so starten wir mit „unserer“ Lucy von Jucy unsere Reise über die neuseeländische Südinsel. Unser erstes Ziel ist hierbei die

Banks Peninsula

Und promt landen wir dort, wo wir mit unserem Camper eigentlich nicht landen sollten: einer unbefestigten, extrem steilen Straße, die vielleicht rund zwei Zentimeter breiter als unser Auto ist. Der Weg zurück wäre lang und als uns ein Einheimischer rät „give it a try“ wagen wir uns vor und zuckeln mit rund 10km den Berg empor. Links von uns geht es mehrere hundert Meter nahezu senkrecht bergab und ein wenig zittern mir schon die Hände, als wir letztlich wohl erhalten oben ankommen und die Aussicht genießen können: Rechterhand sanfte, grasbraune Berge, links das offene Meer.
Die Banks Peninsula entstand durch einen Vulkanausbruch und der ehemalige Krater hat sich im Laufe der Zeit zum Meer hin geöffnet und bietet Delfinen, Wahlen und Robben Heimat. Hoch oben auf dem Kraterrand entlang führt eine Straße und es ist extrem schön zu beobachten, wie tief liegende Wolken die weichen Bergkämme streicheln.
// David

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2 Comments

  1. Jens - 24. März 2014

    Frühlingsgrüße von Rhein und Mosel in die 16000 Km entfernten Regionen, wo’s keine Leitplanken, die vor Abgründen schützen können, gibt. Den Weltenbürgern also weiterhin alles Liebe (und die Nachricht, dass Lea jetzt auch Abitur hat – und sicherlich bald auf Reisen geht, irgendetwas zwischen London und Südamerika wird’s schon werden) und gute Ausblicke. Jens

    • david - 23. April 2014

      Lieber Jens, mittlerweile sind es gar nicht mehr 16000km, denn richtungsmäßig befinden wir uns sogar schon auf dem Heimweg und reisen gerade durch die USA (Berichte folgen). In San Francisco haben wir im Moment eine tolle Zeit und sind schwer begeistert von dieser bunten Stadt… Lea muss ich unbedingt mal schreiben, denn Südamerika ist unsere nächste Station – vielleicht treffen wir sie ja?! Habt ihr einem schönen Frühling im Moseltal?

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