Neuseeland // Westküste: „There and back again“ – Kreuz und quer durch die Southern Alps

Neuseeland // Westküste: „There and back again“ – Kreuz und quer durch die Southern Alps

Die letzten Nächte in Zelt und Camper waren verdammt kalt und auch die nächsten versprechen frostig zu werden. Die Schneefallgrenze ist auf rund 800m gesunken und die Bergspitzen rund um Te Anau und Queenstown (unser nächstes Ziel) sind wie mit Puderzucker bestäubt.

Die Strecke nach Queenstown ist wahrlich schön, und vor allem die letzten Kilometer entlang blauer Bergseen sind beeindruckend. Ebenso ist es auch die Lage der kleinen Stadt, wohingegen die Atmosphäre uns nicht überzeugt und wir uns die zahlreichen angebotenen Outdoorsportarten aufgrund der extrem hohen Preise sowieso nicht leisten können. Schöner und ruhiger ist da das kleine Örtchen Glenorchy am anderen Ende des Sees – ein Ausflug dorthin lohnt allein aufgrund der grandios geführten Straße entlang des Sees und hoher Bergketten sowie des extrem leckeren Beeren-Pie im Glenorchy Café (Tipp: Rund 15km hinter Queensstown kommen sehr schöne Möglichkeiten zum „Freedom-Camping“ direkt am Ufer).

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Arrowtown

Ebenfalls lohnenswert ist ein Abstecher ins pittoreske Arrowtown (eine Möglichkeit zum „Freedom-Camping“ liegt ca. 6km südlich des Ortes am Lake Hayes). Arrowtown ist eine ehemalige kleine Bergbausiedlung und versprüht in der Tat reichlich historischen Charme. Die Gebäude scheinen unmittelbar einem Western entsprungen zu sein und bei Sonnenuntergang sieht hier alles verdammt nett aus. Interessant ist auch ein Abstecher in die Überreste der einstigen chinesischen Siedlung.  Hier lebten zur Zeit des Goldrauschs chinesische Bergarbeiter, wobei das Miteinander zwischen Chinesen und Neuseeländern nicht immer ein entspanntes war. Ganz definitiv lohnenswert ist ein Besuch des Kinos in Arrowtown: Bei Wein und Häppchen sitzt man in plüschigen Sesseln und in der Pause versichern einem die Damen des Ortes, dass es in ihren Familien nun wahrlich nicht so verdorben und desolat zugeht wie in der Familie rund um Violet Weston, grandios verkörpert von Meryl Streep in dem sehenswerten Film „August: Osage County“.

Haast Pass

Über das schicke Wanaka, und das kleine Örtchen am Lake Hawea (für 10NS$ (inkl. Dusche) darf man oberhalb des gleichnamigen Hotels im Ortskern campen und den Ausblick auf den See genießen) fahren wir weiter in Richtung des Haast Pass. Der Pass führt über die Southern Alps und endet direkt an der Westküste. Der Pass selbst scheint vor allem bei Regen eine Freude zu sein (denn dann bilden sich hunderte Wasserfälle, die die steilen Bergflanken hinabfließen), doch auch bei Sonnenschein – wie wir ihn hatten – lohnt sich die Strecke in jedem Fall. Unterwegs gibt es zahlreiche kurze Spaziergänge in tiefen Regenwald, zu den blauen Emerald-Pools und durchaus auch zu ein paar sehenswerten Wasserfällen.

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Ship Creek

Die Krönung des Tages war jedoch ohne Frage der Boardwalk ab Ship Creek (einige Kilometer nördlich von Haast Township). Im Sonnenuntergang laufen wir durch das Dünengebiet, durch tiefgrünen Wald und über den Strand, auf dem sich angschwemmtes Treibholz stapelt. So besonders ist hier der Blick auf die Zusammenkunft von Meer, Gebirge und Wald – echt toll!

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Festgefahren

Tja, und dann passiert es: Schon in Australien hatten wir ständig Sorge mit unserem Camper irgendwo im Sand stecken zu bleiben. Doch bisher hatten wir immer Glück – heute nicht. Um die tolle Aussicht genießen zu können manövrieren wir unsere Lucy direkt an den Abgrund. Was wir dabei übersehen ist die Tatsache, dass der Boden aus sehr tiefen Kieselsteinen besteht und so tut sich, als wir zurücksetzen möchten, letztlich gar nichts. Die hinteren Reifen drehen durch und wir kommen weder vor noch zurück und hängen mitten im Nirgendwo fest. In den folgenden 7h, also fast die gesamte Nacht, üben wir zwei uns als KFZ-Mechaniker, bocken unseren Camper rund 10mal auf, versuchen Holz und Steine als griffigen Untergrund unter unser Auto zu legen und erreichen letztlich nur, dass wir vor lauter Abgas kaum mehr Luft bekommen und Lucy sich, im Schweiße unseres Angesichts, immer tiefer in den Boden eingräbt. Keine Chance – hier kommen wir alleine nicht mehr raus. Und, tadaa, am nächsten Morgen dann fährt ein Jeep mit nettem Neuseeländer vorbei, der uns Möchtegern-Mechaniker angrinst und Madame Lucy binnen  30 Sekunden aus ihrer Grube zieht. Uff!

Unterwegs zum Arthurs Pass und Abstecher zum Fox Gletscher

Weiter geht’s entlang der wilden, von Treibholz übersāhten Küste, zum recht sehenswerten Fox Gletscher, durch kleine nette Orte und das waldige Hinterland. Unser nächstes Ziel ist der Arthur’s Pass, über den wir erneut die Southern Alps überqueren möchten. Die Ausblick auf der Strecke sind spektakulär schön (die Landschaft hier ist deutlich karger als an der Westküste) und wir entscheiden uns spontan eine zweitägige Wanderung mit Hüttenübernachtung zu machen.

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Cass-Lagoon Saddle Wanderung

Die Cass-Lagoon Saddle Wanderung klingt spannend und so packen wir unsere Rucksäcke und laufen los. Der Weg ist zu Beginn kaum markiert und es ist teilweise recht schwierig im ausgetrockneten Flussbett den Pfad zu finden. Doch nach ein paar Kilometern wird es einfacher und fortan windet sich der Pfad durch flechtenbewachsenen Wald führt konstant bergauf. Oben angekommen überqueren wir einen in der Sonne liegenden Sattel und genießen die freie Sicht auf das umliegende, golden schimmernde Gebirge. Abends kommen wir dann schließlich in der rustikalen und gemütlichen Selbstversorgerhütte (Hamilton Hut) an, wärmen uns am Kaminfeuer und freuen uns definitiv über diesen schönen Weg. Auch der nächste Wandertag ist sehr toll. Erneut folgt man für lange Zeit einem Flussbett, steigt über einen Sattel und steigt schließlich mit toller Fernsicht wieder in Tal hinab.

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Die schöne Zeit auf der neuseeländischen Südinsel endet hier für uns wir sind gespannt, was uns im Norden erwarteten wird! Ab nach Wellington!
// David

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1 Comment

  1. uffo und Mo - 28. April 2014

    Wir freuen uns immer wieder über eure Berichte und die fantastischen Bilder. Weiter so!

    Uffo und Mo

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