USA // Grand Canyon Nationalpark: Beeindruckend schöner Gigantismus

USA // Grand Canyon Nationalpark: Beeindruckend schöner Gigantismus

Route 66 von Topock nach Kingman

Vom Joshua Tree Nationalpark geht’s weiter durch öde Landschaften und durch noch weniger einladende Orte, die eigentlich nur aus Fastfoodketten, Tankstellen und Motels zu bestehen scheinen. Irgendwann passieren wir die Grenze nach Arizona und irgendwann sind wir dann auch in Topock, wo wir einen kleinen Umweg auf der sagenumwobenen Route 66 einlegen. Von der einstigen Route 66, die bis nach Chicago führte, ist nur noch wenig übrig und dieser Abschnitt soll einer der interessantesten verbliebenen Teilstücke sein. Also schnell noch einen Radiosender mit Country suchen, das markante Straßenschild fotografieren und den vorbeifahrenden Harley Davidson Fahrern zuwinken und das Route 66 Feeling stellt sich ein. ;) Die Straße macht auf jeden Fall Spaß und führt durch raue, rote Wüstenlandschaften und vorbei an trockenen Büschen und Kakteen. Irgendwann mittendrin taucht der kleine Ort Oatman auf, der wie ein Bilderbuch-Westernstädtchen ausschaut: Auf der Straße dösen Esel und Pferde, rostige Windräder drehen sich in der warmen Brise und die Türen der Holzgebäude quietschen in ihren Angeln. Drinnen haben sich jedoch anstelle von Salons extrem kitschig Souvenirläden breit gemacht. Einen kleinen Abstecher ist Oatman aber trotzdem wert, erst recht wegen der coolen Landschaft.

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Grand Canyon Nationalpark

Der Grandcanyon Nationalpark besteht, grob gesagt, aus dem südlichen Rand (South Rim) und dem nördlichen Rand (North Rim). 90% aller Besucher_innen bereisen den südlichen Rand und auch wir kommen hierher, da der Nordrand wegen des raueren Klimas dort erst nächsten Monat für die Saison öffnet. Die beiden Teile sind nur knapp 20 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, aber da keine Brücken den Grand Canyon überspannen, sind es tatsächlich 450 Kilometer, die beide Teile des Parks voneinander trennen.
Die Schlucht, die der Colorado River mithilfe von Wind und Wetter in den Stein gefräst hat, ist zwischen sechs und 30 Kilometer breit und bis zum 1800 Meter tief. Erdgeschichtlich betrachtet ist der Canyon mit 5-6 Millionen Jahren recht jung. Native Americans lebten hier bereits vor 3000 Jahren, insbesondere die Anasazi und ihre Nachfahren, die Hopi kultivierten die Ufer der Flüsse. Auch heute leben noch einige wenige Mitglieder des Havasupai Stammes im Grunde des Canyons.

Aber erstmal genug des enzyklopädischen Wissens!

Unsere ersten Schritte im Nationalpark führen uns zum Mather-Point Aussichtspunkt unweit des Visitor Centers. Und hier verschlägt es uns wirklich die Sprache, denn der Canyon ist gewaltig! Auf so vielen Bildern hat man ihn bereits gesehen, dass man ein recht genaues Bild davon hat was einen erwartet – und doch übertrifft die Realität alles. Diese Schlucht ist purer Gigantismus, einfach phänomenal. Und schön auch noch dazu! Denn der Canyon haut einen nicht nur aufgrund seiner schier unfassbaren Größe aus den Socken, sondern auch aufgrund seiner Farben: Die Steine leuchten in allen erdenklichen Rot-, Ocker- und Brauntönen. Besonders genial ist das wechselhafte Farbenspiel zum Sonnenuntergang hin, den man unserer Meinung nach besonders gut vom Mohave Point und Hopi Point aus betrachten kann. Ja, wir sind zutiefst beeindruckt.

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Wir haben uns außerdem auch ein wenig in den Canyon hineinbegeben. Auf dem South Kaibab Trail kann man (wie auch auf dem Bright Angel’s Trail und einigen weiteren) bis zum Colorado River wandern. Möglich ist dies allerdings nur mit einer Übernachtung im Zelt am Grunde der Schlucht, die allerdings viele Monate im Voraus gebucht werden will, was wir natürlich nicht vorher gemacht haben. Daher endet für uns die Tour nach knapp 5 Kilometern und 800 Höhenmetern am Skeleton Point. Aber auch hier ist man dem Fluss schon um einiges näher und kann ihn recht genau sehen, was nur von wenigen Punkten des Randes aus möglich ist. Hier und auf der Cedar Ridge hat man tolle 360° Ausblicke auf den Canyon, es lohnt sich also durchaus herzukommen. Auch sehr interessant ist, dass es im Laufe des Abstiegs bedeutend wärmer wird. Aufgrund dieser Tatsache leben und gedeihen zwischen Rand und Grund des Canyons vollkommen unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten. In der Tat durchschreitet man auf dem Weg zum Colorado ganze fünf Klimazonen. Zu Gesicht bekommen wir natürlich unterschiedlichste Kakteen, Baum- und Straucharten. Von der Fauna her sehen wir neben riesigen Raben und einigen anderen Vögeln auch Kondore, die elegant in den warmen Aufwinden segeln, viele Elche (die allerdings nicht auf dem Kaibab Trail, sondern auf dem Campingplatz), einige Echsen und vor allem etliche Squirells, die extrem putzig sind, aber leider Überträger der Pest sein können. Der Trail ist ohne Frage anstrengend, aber gut machbar (allerdings sind wir auch nicht in der Sommerhitze hier). Auf jeden Fall sollte man reichlich zu trinken mitnehmen, denn es gibt auf dem Weg kein Trinkwasser.

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Am Rand des Canyons gibt es weitere unzählige Aussichtspunkte, die allesamt beeindruckend sind. Auf dem Rim Trail kann man eine ganze Reihe der Aussichtspunkte ablaufen, für manche, wie z.B. den Abrgund bei The Abyss, sollte man aber auf jeden Fall schwindelfrei sein. :) Je weiter weg man sich von Visitor Center und Village entfernt, desto weniger überlaufen sind die Punkte, insbesondere auf der Straße Richtung Dessert Point war sehr wenig los. Der Nationalpark hat übrigens ein ganz gutes Shuttlebusnetz, das kostenlos zur Verfügung steht. Einige der Straßen und Aussichtspunkte (z.B. Richtung Hermits Rest oder die Yaki Road) sind ausschließlich über diese Buslinien zu erreichen.

Uns erscheint Anfang April übrigens ein guter Zeitpunkt um den Grand Canyon zu besuchen, denn es ist nicht allzu heiß und vor allem halten sich die Besucherströme noch in Grenzen. Der große, aber ganz nette Campingplatz füllt sich im Sommer wohl extrem schnell und man ist dann wahrscheinlich gut beraten vorab zu reservieren. Ach ja, super Kaffee gibt’s im Café des General Stores – natürlich aber trotzdem nur im doofen Pappbecher.

Der Canyon ist der Hammer und landschaftlich sicherlich eines der großen Highlights unserer Reise. Ist der ganze Hype um den Grand Canyon also gerechtfertigt? DEFINITIV!

// Heiko

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