USA// Las Vegas: Blinkender Wahnsinn in Sin City

USA// Las Vegas: Blinkender Wahnsinn in Sin City

Und plötzlich ist die Stadt da – ganz ohne Vorwarnung.

Eben noch fuhren wir an Kakteen und verbrannter Erde vorbei, nun an grün gesprenkelten Rasenflächen, greller Leuchtreklame und riesigen Kasinos. Ein Schock nach der Ruhe der letzten Tage. Mitten im Nichts steht Las Vegas da, eingerahmt von Wüste, einzig am Leben erhalten vom endlosen Strom der Tourist_innen und dem Elektrizitätswerk am Hoover Dam.
Eine Stadt des Überflusses, der Maßlosigkeit – für uns eine Stadt zum Fürchten. Denn wir brauchen nicht lange um festzustellen, dass Las Vegas wahrlich nicht unsere Welt ist und wir uns auch nicht auf die Stadt einzulassen vermögen.

Die Stadt boomt seitdem in den 40er Jahren das erste Kasino eröffnet wurde, denn anders als in den restlichen US-Staaten wurde in Nevada das Glücksspiel in den 30er Jahren legalisiert. Und mit der Energie des Damms wurde an diesem lebensfeindlichen Ort eine blinkende Oase aus dem Boden gestampft, die heute alljährlich mehr als 40 Millionen Menschen anzieht.

Am Strip (und auch sonst überall in der Stadt, nur hier sind sie zahlreicher und protziger) reihen sich die unzähligen Kasinos, für die Las Vegas so bekannt ist, auf. Einige der größten von ihnen sind thematisch gestaltet, wie z.B. das die New Yorker Skyline imitierende New York New York, das mit Gondolieren, Kanälen und einem Campanile aufwartende Venetian, das neben einem Miniatureiffelturm errichtete Paris oder das einem (ziemlich kitschigen) Märchenschloss nachempfundene Excalibur. Manche der Hotels setzen neben gigantischer Leuchtreklame auch auf aufwändige Shows. So bricht vorm Mirage regelmäßig ein Vulkan aus, das Bellagio hat eine große, musiksynchrone Wasserfontänenshow (tatsächlich sehenswert!) und vorm Treasure Island liefern sich Piraten am Abend eine pyrotechnische unterstützte Schlacht.

aDSCN9789

Von innen sehen die Spielpaläste jedoch alle ziemlich gleich aus: Fensterlose (damit die Spieler brav die Zeit vergessen), blinkende Höhlen, in die ein dem jeweiliger Kasino eigener Duft über die Klimaanlage eingeleitet wird. An vielen Tischen bedienen Frauen in knappen Höschen und Oberteilen oder tanzen an Stangen – scheinbar erhöht das den Umsatz. Auch außerhalb der Kasinos sieht man anders als sonst wo auf unserer Reise im prüden Amerika viel nackte Haut, zur Freude vieler teilweise sehr besoffenener Passanten. An allen Ecken bekommt man Flyer in die Hände gedrückt, die auf Anruf Damengesellschaft versprechen – Sin City hat seinen Namen scheinbar nur zurecht verdient.

Vor den Bildschirmen der Spielautomaten (die mechanischen einarmigen Banditen, wie man sie aus Filem kennt, sind längst durch digitale Apparate ersetzt worden) sitzen viel zu oft apathische Gestalten, die rauchend und trinken mit grauem Gesicht gebannt auf rotierenden Bildschirme starren: Las Vegas verspricht Reichtum, ein bisschen für die Spieler_innen, extrem viel jedoch für die Betreiber der Kasinos. Aber natürlich treiben sich in den Kasinos auch Hinz und Kunz umher, ganz normale Leute, die keine gescheiterten Spielerexistenzen zu sein scheinen. Las Vegas ist offenbar ein beliebter Urlaubsort für jede_n, die Familiendichte scheint sogar besonders hoch.
Für ein paar Dollar versuchen wir zumindest fürs Foto unser Glück bei Kitty Glitter, doch schon nach kurzer Zeit haben wir das Gefühl von all dem Geblinke wahnsinnig zu werden. Und ehrlich gesagt verstehen wir das Prinzip des Spiels auch gar nicht. Was wir verstehen ist, dass es primär darum geht geht fleißig auf einen Knopf zu drücken und die Dollars fliessen zu lassen. Nein, das macht uns keinen Spaß.

In vielen Restaurants der Kasinos kann man hier in Las Vegas übrigens für recht wenig Geld ein All-you-can-eat Buffet besuchen, das sich zu untrschiedlichen Tageszeiten in Angebot und Preis unterscheidet. Für 7,99 USD besuchen wir z.B. das Mittagsbuffet im Palm‘s Kasino. Die Buffets sind zwar primär auf Carnivore ausgerichtet, dennoch finden sich zwischen den Fleischhaufen auch einige vegetarische Leckerbissen. Für das Geld bekommen wir auf jeden Fall ein ziemlich gutes und umfangreiches Mittagessen. Viele Besucher_innen hieven sich die Teller randvoll, doch probieren nur hier und dort einen Bissen – 80% der Portionen landen anschließend im Müll. So eine Verschwendung! Erst recht, wenn man bedenkt, dass es Dutzende dieser Buffets gibt, die meisten weitaus aufwändiger als das im Palm’s.

Am zweiten Tag entscheiden wir uns das Hotel (das zum Glück etwas abseits des Trubels liegt) nur noch am Abend zur Show von Cirque du Soleil zu verlassen. Die Shows sind neben den Kasinos ein Anziehungspunkt für Besucher_innen. Wir sehen die Show eine imposante, opulente Show, die jedoch akrobatisch recht wenig bietet. Technisch perfekt, mit einigen poetisch schönen Bildern, manchmal hart am Limit des Kitsches. Die Magie der anderen Cirque du Soleil Shows fehlt leider ein bißchen. Aber grade wegen des Aufwands scheint die Show sehr gut nach Las Vegas zu passen.

Am dritten Tag lassen wir Las Vegas in Richtung Death Valley fahrend hinter uns.
Und so plötzlich wie die Stadt auftauchte, verschwindet sie auch wieder.

Herrlich!

//Heiko

Share on FacebookShare on Google+Pin on PinterestShare on TumblrTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on StumbleUponShare on RedditEmail this to someoneDigg thisFlattr the authorBuffer this page

Author Bio

Leave a reply