USA // Sequoia Nationalpark: Mammutbäume und Schwarzbären

USA // Sequoia Nationalpark: Mammutbäume und Schwarzbären

Eigentlich war es unser Plan vom Death Valley aus via den Tioga Pass in den Yosemite National Park zu fahren, doch leider sind zu dieser Zeit des Jahres eine ganze Reihe der Straßen über die Bergkette der Sierra Nevada wegen Schnees gesperrt, u.a. auch diese Route. Da ein Festhalten am ursprünglichen Plan einen riesigen Umweg bedeuten würde, disponieren wir also um und erklären stattdessen den Sequoia Nationalpark zu unserem Ziel.

Vom Death Valley aus fahren wir auf der #178 und #155 über den Isabella Walker Pass und durch den malerischen Sequoia National Forest. Hier begegnen uns auf dem Trail of 100 Giants die ersten Sequoia Redwoods – gigantisch große Mammutbäume, die mehr als 80m hoch und bis zu 11m dick werden. Diese Bäume gedeihen ausschließlich hier, an den Westhängen der Sierra Nevada auf einer Höhe von 1200-2400m. Nur hier sind die Wachstumsbedingungen für die Baumriesen ideal.

Aber erstmal geht es wieder bergab und wir nähern uns dem Sequoia Nationalpark, der auf einer Höhe von 400-4400m liegt. Von den Foothills geht es erstmal wieder auf einer serpentinenreichen, schmalen Straße 1500m bergauf, da der Hauptteil des Parks auf über 2000m gelegen ist.

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Zum ersten Mal stoßen wir auf zahlreiche Hinweisschilder, die vor Bären warnen, bzw. erklären wie man einen unfreiwilligen Besuch vermeidet und sich bei unerwarteter Begegnung am Besten verhält. Entsprechend ist jeder Picknickplatz und jede Parzelle des Campingplatzes mit einem bärensicheren Lebensmittelschrank ausgestattet, in den alles, was für Bären lecker riecht reingehört: Obst, Gemüse, Lebensmittelreste, Kerzen, aber auch für Bären scheinbar lecker nach Kindern riechende Kindersitze… Der Campingplatz Lodgepole ist recht groß, aber sehr schön an einem kleinen, wilden Fluss gelegen – Streifenhörnchen und Diademhäher sind hier allgegenwärtig, laut Aushängen schauen auch öfter mal Bären vorbei. Ein Glück, dass wir ordentlich Feuerholz dabei haben, denn die Nächte sind im April auf dieser Höhe noch verdammt kalt.

Die Sequoia Trees sind zwar weder die höchsten, noch die dicksten Bäume, aber vom Holzvolumen her die größten Bäume der Welt. Einfach nur beeindruckend wie riesig sie sind – mit Abstand die größten, die wir je zu Gesicht bekommen haben! Ihre Dimension kann man auf einem Foto kaum erahnen. Über den Nationalpark verteilt liegen mehr als zwanzig Haine in denen die Mammutbäume wachsen. Egal welchen der Haine man besucht, beeindruckend sind sie allesamt. Der größte Baum ist der General Sherman Tree, der mit 84m Höhe und einem Stammdurchmesser von 10m als das größte Lebewesen der Erden gilt. Und richtig alt sind die Bäume noch dazu: bis zu erstaunliche 3200 Jahre.

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Neben idealen Boden- und Wetterbedingungen, benötigen die Bäume vor allem eins: Regelmäßige Waldbrände. Die Bemühungen der Naturschutzbehörden alle Feuer im Keim zu ersticken, haben den Sequoias weitaus stärker geschadet als genutzt, denn nur die Hitze eines großen Feuers führt dazu, dass die Zapfen der Bäume ihre Samen ausschütten. So gehen die Bäume sicher, dass der Untergrund frei von Gebüsch ist, welches den Samen Sonne und Nährstoffe rauben könnte. Den alten Bäumen machen selbst größte Feuer oft wenig zu schaffen, denn ihre Rinde ist extrem dick und darunter befindet sich zusätzlich eine sehr wassereiche Schutzschicht. Die ältesten Bäume sind von vielen Feuernarben gekennzeichnet, aber nur selten erliegt ein Baum den Bränden. Heute werden in regelmäßigen Abstandes von der Nationalparkverwaltung kontrollierte Feuer gelegt um das Wachstum der Bäume zu unterstützen. All das kann man im Giant Forest Museum erfahren.

Ebenfalls zum Schutz der Bäume hat man in den letzten dreißig Jahre die touristische Infrastruktur stark umgestaltet, bzw. reduziert. So standen rund um die Round Meadow, die der Big Tree Trail umrundet mehr als hundert, durch Straßen und Wege verbundene Gebäude. Da man merkte, dass die starke Nutzung einen schädlichen Einfluss auf Flora und Fauna hat, entfernte man nach und nach die Gebäude und Straßen. Heute sieht man auf den ersten Blick von der massiven Nutzung nichts mehr – eine wirklich vorbildliche Maßnahme.
Die Grenzen des Nationalparks wurden seit seiner Gründung im Jahre 1890 kontinuierlich erweitert und umfassen nun auch den mit 4400m höchste Berg der USA außerhalb Alaskas: Mt. Whitney. Um dorthin zu gelangen, ist allerdings ein tagelanger Marsch durch weglose Wildnis notwendig – wofür wir leider keine Zeit haben.

Aufgrund der Höhe und der Zeit liegen vielerorts noch Schneefelder. So auch auf der Crescent Meadow, die im Frühjahr ein einziges Blumenmeer sein soll. Dennoch: Auch jetzt ist die Lichtung wunderschön und es ist sehr entspannt und ruhig hier und es lohnt sich umherzulaufen. Auf einer Seite gibt es eine kleine aus einem Stamm eines Sequoia Baums gefertigte Hütte zu besichtigen, in welcher der Pionier Hale Tharp über zwanzig Jahre lebte und Rinder auf den umliegenden Lichtungen züchtete.

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Am letzten Tag haben wir großes Glück, denn auf dem Weg in Richtung Nationalparkgrenze entdecken wir auf einer halbverschneiten Lichtung nahe des Dorst Creek Campingplatzes einen Schwarzbären, der sich von unserer Anwesenheit scheinbar nicht stören lässt und sich genüsslich im Schnee rollt und nach Essbarem schnuppert. Was für ein Glück!

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//Heiko

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