USA // New York III: Greenwich Village, Highline & Haarlem

USA // New York III: Greenwich Village, Highline & Haarlem

West Village / Greenwich Village

Ziemlich nett und ziemlich begehrt! Im West und Greenwich Village möchten viele Leute gerne leben, doch die Mietpreise sind unglaublich hoch. Aber kein Wunder, denn hier gibt es noch kleine, krumme Kopfsteingässchen und dreistöckige Backsteinhäuser – ein kleines, ruhiges Städtchen mitten in Manhattan. Ein belebter Mittelpunkt des Villages ist der Washington Square – ein kleiner Park, wo viele Menschen die Sonne genießen, Livemusik erklingt und Straßenkünstler_innen riesige Seifenblasen in den Himmel steigen lassen. Das Village war einst das Armenhaus der Stadt, später tummelten sich hier Intellektuelle und Künstler_innen, die während der Prohibition in Hinterzimmernkneipen (sog. „Speakeasys“) dem Alkohol fröhnten. Nun können sich nur noch die wirklich gut Betuchten erlauben hier zu leben. Doch wie in so vielen Teilen New Yorks ist die Restaurant-Cafe-Bar Dichte hoch und es gibt eine ganze Reihe netter Orte, die zum Geldausgeben einladen. Dennoch finden wir viele Cafés und Bars (auch ganz grundsätzlich in NYC) nicht so einzigartig und nett, wie wir das vorher vielleicht erwartet hätten. Ziemlich einzigartig ist auf jeden Fall das Café „The Uncommons“, unweit des Washington Sq, ein gemütliches und nettes Brettspielecafé mit einer guten Auswahl an Spielen, wo wir uns einige Male blicken lassen.

k-aDSCN0751

Im Greenwich Village befindet sich außerdem die Keimzelle der LGBT-Bewegung – das Stonewall Inn. Am 28.06.1969 leisteten die Besucher_innen der Bar zum ersten Mal nennenswerten Widerstand gegen eine zu dieser Zeit üblichen, willkürlichen und gewalttätigen Polizei-Razzien. Die Ereignisse führten zum mehrtägigen Stonewall Aufstand – Startpunkt einer globalen Bewegung, die bis heute mehr Rechte für Andersliebende einfordert. In dieser Gegend gibt es nach wie vor eine ganze Reihe queerer Bars, wenngleich sich ein Großteil der Szene in andere Stadtteile, z.B. nach Hell´s Kitchen verlagert hat.

Sehr empfehlenswert sind übrigens die Stadttouren von „Free Tours by Foot„, die u.a. hier im Greenwich Village eine ganz amüsante Geistertour anbieten. Die Touren laufen nach dem Prinzip „name your own price“, d.h. jeder zahlt für die Tour so viel er oder sie möchte oder kann. Daumen hoch!

The Highline

Der Highline Park wurde vor einigen Jahren mit viel Tamtam eingeweiht und ist seitdem einer der interessantesten Parks New Yorks. Auf knapp 2,5 Kilometern Länge wurde eine stillgelegte Güter-Hochbahntrassen begrünt und zum Park ausgebaut. Nun kann man knapp acht Meter über der Straße durch hübsch angelegte Beete und Baumreihen spazieren, Street Art bewundern und sich sonnen. Die Trasse schlängelt sich durch tolle Backstein-Industriearchitektur und es lohnt sich hier und da wieder nach unten auf Straßenniveau herabzusteigen. In den alten Industriehallen von Chelsea und dem Meat Packing District finden sich unzählige Galerien, von denen wir einigen einen Besuch abstatten. Ebenfalls sehenswert ist der Chelsea Market, wo es neben viel Krimskrams leckeres Essen gibt.

k-aDSCN0719

k-aDSCN0694

East Village

Noch vor zwanzig Jahren brannten im East Village tagein tagaus Mülltonnen, nun gehört es zu einem der angesagtesten Vierteln der Stadt, das sich aber keineswegs als herausgeputzt oder gar steril präsentiert. Vielmehr wirkt es an vielen Ecken alternativ, ja fast schon berlinesk schmuddelig, was uns gut gefällt, zumal es viele nette kleine Cafés, die zum Cappucinotrinken einladen. Richtige „Sights“ gibt´s hier eher weniger, aber es ist nett sich ziellos durch die Straßen treiben zu lassen. Enttäuschend fanden wir jedoch – das „New Museum of Contempary Art“ in der Bowery St.: Von außen ziemlich schick, doch drinnen gab es unserer Meinung nach nur ziemlich langweiliges.

k-aDSCN0801

China Town 

Viel China-Trash, getrocknete Vogelnester, Pekingenten und leckere gedämpfte Jiaozi (gefüllte Teigtaschen) gibt´s im quirligen China Town. Musizierende Menschen im Park und Line Dance auf der Straße – das ist China-Feeling pur. Besser gefallen hat uns eigentlich das China Town in San Francisco, doch ganz ehrlich: mit dem echten China kann auch das es natürlich nicht aufnehmen. ;)  Interessant soll übrigens der chinesische Bezirk Flushing in Queens sein, wo wir es leider nicht hin geschafft haben. Schenken kann man sich unserer Meinung nach Little Italy:  ein paar Pizzerien, karierte Tischtücher und grün-rot-weiße Fähnchen in den Blumenkästen – questo è tutto!

Haarlem

Während unseres zweiten Besuchs haben wir ein AirBnB Zimmer in Haarlem, ganz im Norden von Mannhattan Island. Noch vor einigen Jahren ein ziemlich raues Pflaster, hat sich Haarlem sehr gemausert. Mit seinen vergleichsweise niedrigen Mieten und wunderschönen alten Häusern zieht der Stadtteil Studierende, junge Familien und Immbolienmakler an. Wie es weitergehen wird, kann man sich ja ausmalen…
In einem Café treffen wir eine Frau, die die Gentrifizierung in vielen Stadtteilen miterlebt hat: Erst im East Village, dann in Williamsburg und nun in Haarlem. Sie hofft, dass sich die Mieten hier nicht wie zuvor in Williamsburg sprunghaft verteuern werden, denn sonst wird sie erneut zum Umzug gezwungen sein. Doch wohin? Viele Orte mit erschwinglichem Wohnraum gibt es in NYC nicht mehr.

k-aDSCN7886

Wir lernen Teile Haarlems durch eine sehr gute Führung kennen (ebenfalls durch Free Tours by Foot (s.o.)), bei der uns Michael mit Geschichte und Kultur des Bezirks vertraut macht. Die vornehmlich afroamerikanische Bevölkerung hatte (und hat in Teilen noch immer) erheblich unter Diskriminierung und Rassentrennungsvorschriften zu leiden. Dennoch war Haarlem stets eine Kulturhochburg, insbesondere was Musik angeht. Die bekannteste Institution ist wohl das Apollo Theater, wo SIE alle waren: Stephie Wonder, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Billie Holiday…
Und um das vormals als unfein verschriehene Soulfood, die traditionelle Küche der Afroamerikaner_innen, zu genießen, pilgern nun die Scharen aus den südlichen Stadtteilen Richtung Norden in die angesagten Restaurants in Haarlem.

Und hier geht es (bald) weiter zum nächsten Bericht!

//Heiko

Share on FacebookShare on Google+Pin on PinterestShare on TumblrTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on StumbleUponShare on RedditEmail this to someoneDigg thisFlattr the authorBuffer this page

Author Bio

Leave a reply