Ecuador // Quito: Weltkulturerbe und höchste Hauptstadt der Welt

Ecuador // Quito: Weltkulturerbe und höchste Hauptstadt der Welt

Süd Amerika!  ¡Hola! in Süd Amerika!

Nach einem engen, aber ansonsten recht angenehmen Flug mit LAN in die größte ecuadorianische Stadt Guayaquil steigen wir direkt um in unseren  Anschlussflieger nach Quito. Ich bin ja beileibe kein Flugfan und verfalle bei kleinsten Turbulenzen in schiere Panik, doch dieser Flug ist schlichtweg genial (und mit 30 Minuten auch angenehm kurz)!

Zugegeben: Ich bin schon froh, dass wir nicht mehr auf dem alten innerstädtischen Flughafen Marical Sucre landen müssen (der allgemeinhin als Horror Flughafen bekannt ist), doch der Anflug auf den neuen Flughafen ist absolut atemberaubend – und das im positiven Sinne. Schon kurz nach dem Start sieht man die majästhetischen Anden auf einen zukommen und wenige Minuten später fliegt man an rund 7000m hohen Vulkanen vorbei, u.a. dem Cayambe, dem Anstisana und dem Cotopaxi, deren flache Kraterränder die Wolkendecke durchbrechen. Die Tragflächen des Flugzeuges kommen den imposanten Bergriesen so nahe, dass man das Gefühlt hat nach ihnen greifen zu können. Unter den teils schneebedeckten Hängen liegen sanfte, grüne Hochgebirgszüge, die sich im Blau der Ferne verlieren. Wow – was ein Anblick!

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Höhenkrank in den Anden

Quito liegt auf rund 3000m Höhe mitten in den Anden und ist damit die  höchstgelegenen Hauptstadt der Welt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir schon bei der kleinsten Anstrengung vollkommen aus der Puste kommen. Klar – wir waren auch schon auf über 5000m Höhe unterwegs, doch hier landet man mitten im Hochgebirge, hat keinerlei Zeit sich zu aklimatisieren und hinzu kommt noch der turbulente Stadtverkehr, dessen Feinstaub sicherlich nicht gerade zuträglich ist (Kleiner Tipp am Rande Kokablätter kauen hilft bei Höhenkrankheit!).

Also schleppen wir uns wie zwei Hundertjährige die Treppe unserer AirBnB  Unterkunft hinauf und sind begeistert ob des genialen frei zugänglichen Flachdaches, das eine unverbaute Sicht auf die Stadt bietet, die von riesigen Vulkanen umgeben wird. Die Aussicht ist also theoretisch genial – praktisch bekommen wir sie nicht allzu häufig zu Gesicht, denn in den nächsten Tagen wird es regnen, regnen, schütten und nochmals schütten. Hinzu kommen tiefliegende Wolken, graue Abgase und heftige Hagelschauer.  Wie schön! Ganz im Ernst: Anfänglich sind wir wenig begeistert von Quito, doch je mehr Zeit wir hier verbringen, desto besser wird auch das Wetter und so gefällt uns die Stadt nach rund 11 Tagen sehr gut und wir fühlen uns richtig heimisch und wohl. Das liegt nicht zuletzt auch an der herzensguten Alicia, die Dame des Hauses, die uns mit ihrem einnehmenden Lachen sofort überzeugt und außerdem, die größten Epanadas der Stadt brutzelt.

Doch was gibt es in Quito außer knusprigen  Teigfladen noch zu sehen? Wir werden nun mit euch einen kleinen Stadtspaziergang durch Ecuadors Hauptstadt unternehmen und jene Orte mit euch teilen, die wir als interessant, sehenswert und bereichernd empfunden haben:

 

Weltkulturerbe: Altstadt

Im 16. Jahrhundert eroberten die Spanier auch das Andenhochland um weitere Kolonien zu erschließen und die Kontrolle über die Indios zu gewinnen. Sie gründeten in den Resten des alten Quito eine Stadt namens San Franciso de Quito – die Ursprünge der Stadt, wie wir sie heute kennen.

In den folgenden Jahrzehnten, bis ins 17. Jahrhundert hinein, waren unterschiedliche Ordensgemeinschaften wie zum Beispiel die Dominikaner, die Augustiner oder  die Jesuiten mit der Missionierung der indigenen Bevölkerung beauftragt. Als Zeichen des katholischen Glaubens dominieren die rund 40 Kirchen jener Zeit noch heute die Altstadt Quitos – übrigens die älteste Welterbestätte überhaupt und eine der vermeintlich schönsten Altstädte Süd Amerikas.

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Die Altstadt ist auch das touristische Highlight der Stadt. Verwinkelte, enge Straßen umgeben die Plaza de la Indepencia, die von der Kathedrale, dem Erzbischöflichen Palast und dem Regierungspalast dominiert wird. Die Straßen sind voll von Menschen, die Häuser weiß getüncht, und Straßenverkäufer_innen bieten Obst und andere waren an. Ein Teil der Bevölkerung trägt -auch im urbanen Quito – Poncho, Hut und traditionell farbenfrohe Röcke, andere modernen „Schick“, wie man sie in jeder anderen Großstadt dieser Welt findet.  Es ist ein quirliges Durcheinander hier! Nicht unbedingt entspannt (dafür sorgen schon die extrem engen Bürgersteige), aber doch nett, farbenfroh und belebt, sodass wir uns hier gerne aufhalten und in den folgende Tagen auch immer wieder zurückkehren.

Ein kleiner Tipp am Rande: Einen fulminanten Ausblick auf die Altstadt hat man vom Dach der Basílica del Voto Nacional. In einem der Türme ist übrigens ein Café versteckt, in dem man ecuadorianische heiße Schokolade genießen und dabei über die Dächer der Altstadt in Richtung des Panecillo blicken kann.

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Museen

In Quito gib es richtig viele, richtig gute Museen. Besonders gefallen haben und das „Centro de Arte Contemporéano“ sowie das „Guayasamin Museum“:

Das Centro de arte Contemporéano liegt mitten in der Altstadt in einem ehemaligen Militärhospital. Das Museum versteht sich als Raum für Kunst, Kultur und zeitgenössische Prozesse und möchte „kritisch, inklusiv, demokratisch, fragend und partizipatorisch sein.“ Klingt vielversprechend und wir waren allesamt auch sehr begeistert! Bei unserem Besuch gab es eine Ausstellung des ecuadorianischen Künstlers XXX, der auf humorvoll böse und fantasiereiche Weise multimedial die Idee konkretisiert hat, wie es wäre, wenn Südamerika nicht kolonialisiert worden wäre, sondern stattdessen die Südamerikaner in Europa eingefallen wären, und sich dort Land und Leute Untertan gemacht hätten.

Das Guayasamin Museum stellt vor allem Werke des wichtigsten ecuadorianischen Künstlers des 20. Jahrhunderts aus: Oswaldo Guayasamín. Das Museum liegt etwas außerhalb in einer schönen Wohngegend, der Bellavista hillside. Es ist angeschlossen an die prachtvolle Villa des 1999 verstorbenen Künstlers und zeigt viele seiner  eindrucksvollen und bewegenden Bilder. Guayasamín, selbst Sohn eines indigenen Vaters, verarbeitet in seinen Werken vor allem den Schmerz, das Elend und die Unterdrückung der indigenen Bevölkerung Ecuadors. Die Gemälde und Skulpturen sind eindrücklich und imposant und in Kombination mit den traurigen Zitaten, die die Wände des Museum zieren, teilweise nur schwerlich auszuhalten.

 

Mitad del Mundo

Zugegeben, Mitad del Mundo ist schon eine kleine Touristenfalle. Aber wenn wir  schon mal vor Ort sind, so können auch wir uns den „Mittelunkt der Erde“ nicht entgehen lassen. Rund 25km entfernt von Quito markiert ein Monument jenen Punkt, an dem Charles Marie de La Condamine 1736 als erster Europäer die Position des Ecuadors ermittelte. Im Laufe der Zeit entstanden im Umfeld des Monuments einige kleine Museen, ein paar Restaurants und natürlich viele, viele Läden. Und so ist es für Touris aus aller Welt eine Tradition geworden, sich breitbeinig über den vermeintlichen Äquator zu stellen und so mit dem einen Bein auf der Südhalbkugel und mit dem anderen auf der Nordhalbkugel zu stehen.

Blöd nur: Dank GPS hat man vor einigen Jahren herausbekommen, dass der tatsächliche Äquator rund 240m weiter nördlich verläuft und alle Reisenden trottelig mit beiden Beinen fest auf der Südhalbkugel stehen.

Vegetarisches Essen

Nun, ecuadorianische Küche und vegetarisches Essen sind nicht gerade beste Freunde. Gibt man die Begriffe „Ecuador Essen“ mal bei der google Bildersuche ein, so sieht man vor allem eines: Fleisch. Und richtig, die Küche dieses kleinen südamerikanischen Landes ist verdammt fleischlastig und alles andere als ein Paradies für Vegetarier. Es gibt Huhn, Wurst, gegrilltes Meerschweinchen und selbst dem Reis kann man manchmal nicht trauen, da dieser gerne mit Schmalz „gepimt“ wird. Wir stellen uns also auf kulinarisch wenig reizvolle Wochen in Ecuador ein.

Doch halt! – man/ frau kann sich hier eigentich ganz gut durchschlagen, denn die zahlreichen Märkte hier sind genial und vor allem das Obst der absolute Wahnsinn! So kann man sich unterwegs mit allerlei Grün- und Buntzeug eindecken und tropische Früchte genießen, die bei uns zu Hause unglaublich teuer und vor allem nicht annährend so lecker sind.

Zusätzlich, uns das war eine positive Überraschung, gibt es in Ecuador in den größeren Städten richtig viele vegetarische Restaurants. In Quito haben wir sicherlich rund sechs rein vegetarische Restaurants, die allesamt sehr günstige Tagesgerichte (ca. 2-3€) anbieten. Hier unsere liebsten:

 1. Govindas

Wunderschön in einem ruhigen Hinterhof in der Altstadt gelegen. Es gibt vegetarische Lunchmenüs und außerdem einen umfangreichen Laden mit leckerem Gebäck, veganen Produkten und Burgern. Das ganze ist Teil eines Hare Krishna Centers  – ob man die Ideologie, die dahinter steht teilt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

2. Formosa Restaurante Vegetariano Oriental

Nettes Restaurant in Mariscal, asiatisch angehauchte Lunchgerichte, günstig und stets gut gefüllt!

3. Sakti

Ein recht gemütliches Restaurant in Mariscal mit vielen Kuchen, leckerer Lasagne und günstigen Tagesgerichten – geführt von ein paar älteren Damen.

Menschliches

Linda! Wir hatten solch ein Glück Linda aus Schweden zu treffen! In einem Dorm sind wir uns über den Weg gelaufen und haben schließlich einige tolle Tage in Quito zusammen verbracht. Dass daraus letztlich Wochen wurden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, doch schon die ersten Tage waren ganz wunderbar! Linda, vielen lieben Dank für diese geniale, lustige, bereichernde und „inspiring“ Zeit ;) mit dir in Ecuador, was eine Freude dich zu treffen!

Ecuadorianer_innen! Klar, es ist immer schwierig zu sagen DIE Ecuadorianer_innen sind ein freundliches Völkchen, doch unser erster Eindruck, der sich im Übrigen auch bestätigen wird, ist richtig gut. Wir fühlen uns in diesem kleinen Land sehr wohl und da Heiko Spanisch spricht (was hier ein sehr, sehr großer  Vorteil ist), ist es ein Leichtes  Kontakt aufzunehmen und sehr schnell neue Freunde zu finden. So treffen wir zusammen mit Linda Sebastian und Victor, mit denen wir einen feucht-fröhlichen Abend in einer Karaoke Bar verbringen. Zwar funktioniert die Anlage nicht, was, zugegebener Maße, ein wenig unpraktisch ist, doch es gibt eine kleine Playlist an Songs, die wir diesen Abend rauf und runter hören und nach ein, zwei Stunden ist die Stimmung tatsächlich auf einem abgefahrenen Siedepunkt. ;) Der Song des Abends, vielleicht sogar unserer Zeit in Ecuador? Ganz klar der folgende:

// David

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