Ecuador // Otavalo – Papallacta – Te Anau – Mishuallí: Von der Sierra in den Oriente

Ecuador // Otavalo – Papallacta – Te Anau – Mishuallí: Von der Sierra in den Oriente

Otavalo

Von Quito aus nehmen wir gemeinsam mit Linda einen Bus in Richtung Norden, der uns nach knapp zwei Stunden mit Samba-Rhythmen bedudelter Fahrt in San Rafael, einem kleinen Dorf wenige Kilometer von der Stadt Otavalo entfernt, herauswirft. Es ist schon stockdunkel (gleichwohl es noch nicht spät ist, aber am Äquator gibt´s nun mal genau von 6 – 18 Uhr Sonnenlicht) und wir haben keine Ahnung, wo wir genau sind und wo wir hin müssen. Und wovor warnen alle Menschen, alle Reiseführer, alle Foren, wenn es um Ecuador geht? Richtig: Unter keinen Umständen des Nachts irgendwo umherspazieren, denn dann sei der bewaffnete Raub ja vorprogrammiert. Und ein jeder hat Horrorgeschichten parat, die davon erzählen, was dem Kumpel einer Bekanntschaft aus dem Hostel oder der Schwippschwägerin eines Kollegen alles Schlimmes hier passiert sei. Leider macht auch uns das teilweise recht befangen und schreckhaft. Doch wir merken, dass man – wie so oft – wohl etwas gesunden Menschenverstand walten lassen sollte und dann passt das schon. Und auch hier in San Rafael treffen wir wie bisher ausschließlich auf hilfsbereite Leute und nach ein wenig Umherirren, finden wir schließlich auch unsere Bleibe: El Balcon del Lago.

Und diese Bleibe ist, wie wir am nächsten Tag sehen werden, ziemlich toll: Zwar regnet es hier und dort durchs Dach, aber dafür haben wir einen wunderschönen Blick auf die wolkenverhangenen Berge um den Lago San Pablo, in dem sich der stahlgraue Himmel der Sierra spiegelt. Doch wie in Quito, heißt es auch hier möglichst früh aufzustehen, damit man einen Blick auf die umliegenden Vulkane erhaschen kann, denn schnell am Tage zieht alles wieder mit dicken Wolken zu.  Wir sind zum Ende der Regenzeit in Ecuador, das Wetter könnte also jeden Tag besser werden – bisher überwiegt aber leider nach wie vor das triste Schmuddelgrau. Das kleine Holzhäuschen in dem wir unterkommen, steht auf dem Grundstück von Jessicas und Efrains Familie, die gemeinsam mit ihren Söhnen und dem zotteligen Hund Cleopatra (die wahrlich nicht so aussieht, als würde sie in Milch und Honig baden, aber dafür gerne schlabbrige Küsse verteilt) seit kurzem Gäste beherbergen und wirklich sehr freundlich und herzlich sind.

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Zu Fuß dauert es knapp anderthalb Stunden bis Otavalo, einem hübschen Ort, wo jeden Samstag ein besonders großer Kunsthandwerksmarkt stattfindet, der einer der größten Touristenmagneten Ecuadors ist. Wir erwarten Schlimmes, sind aber positiv überrascht, da sich das touristische Gewusel doch in Grenzen hält und die feilgebotenen Sachen oftmals wirklich sehr schön sind. Insbesondere die vielen bunten Stoffe sind eine Augenweide: Hängematten, Tücher, Puppen, Decken, Ponchos, Stofflamas uvm. sind in knallig bunten, frohen Farben gehalten – welch ein Kontrast zum tristen Wetter! Die Verkäufer_innen aus den umliegenden Dörfern tragen zu einem großen Teil die farbenprächtigen traditionellen Trachten. Nicht ganz so typisch ecuadorianisch, aber trotzdem umwerfend sind die  Pies im Shenandoah Pie Shop direkt am Plaza de los Ponchos – insbesondere der Mora-Pie (Mora ist eine ziemlich leckere Brombeerart) hat´s in sich!

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Den schmuddeligen Nachmittag verbringen wir in unserer Herberge, wo wir eingemummt in Decken und mit Blick auf den Lago uns über acht Stunden (wegen der schlechten Internetverbindung) damit abmühen den Eurovision-Song-Contest zu streamen und uns am Ende riesig über Conchitas Sieg und den „moralischen Niedergang Europas“ freuen! :)

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Es heißt am kommenden Tag leider Abschied nehmen, denn Linda reist nun weiter nach Norden in Richtung Kolumbien. Wir Beide hingegen fahren wieder Richtung Quito, um dort einen Bus in den Oriente zu schnappen. Doch eins vorweg: Lange trennen sich unsere Wege nicht!

 

Papallacta

Papallacta ist ein ziemlich verschlafenes Nest in den Bergen, das einen nur aufgrund seiner Höhenlage auf über 3000 Metern in atemloses Staunen versetzt. Ganz am Ende der Dorfstraße finden sich jedoch die großen Termas Papallactas, wo man im Freien vor hübscher Bergkulisse und üppig blühenden Sträuchern in Becken mit heißem Thermalwasser unmittelbar neben einem reißenden Wildbach vor sich hindümpeln kann. Wunderbar, um die Kälte der letzten Tage aus den Knochen zu vertreiben! Denn zwar befinden wir uns genau am Äquator, doch tropische Hitze sucht man aufgrund der Höhe hier vergeblich. Im Gegenteil, die  Nächte sind mitunter richtig eisig!

Btw: Man sollte meinen nach knapp einem Jahr auf Reisen wären wir uns im Klaren darüber, dass man keineswegs damit rechnen kann, in kleinen Orten wie Pappallacta einen ATM zu finden… Aber wir haben´s scheinbar nicht gelernt und so stehen wir mit knapp 10 US$  in der Tasche abends um 20 Uhr im Nieselregen auf Papallactas Hauptstraße ziemlich dumm da. Was für ein Glück, dass ein freundlicher Hotelbesitzer uns zum Freundschaftspreis bei sich übernachten lässt! Und in den doch recht touristischen Thermen kann man sogar mit der Kreditkarte zahlen.

 

Te Anau

Mit dem Bus (übrigens: Das Busfahren in Ecuador ist spottbillig – man kann mit circa 1,20 US$ pro Stunde Busfahrt rechnen!) geht´s am kommenden Tag 2500 Meter bergab ins Amazonasbecken. Wir lassen das Hochland, die Sierra, hinter uns und betreten Ecuadors zweite Klimazone – den Oriente. Was für ein Wandel! Denn hier ist es nun wirklich richtig tropisch warm und schwül, das Grün ist üppig, die Schmetterlinge groß und bunt, die Regengüsse ergiebig und die Blattschneideameisen emsig. Die kleine Stadt San Juan de los Dos Ríos del Tena hingegen ist kein Blickfang und recht uninteressant. Von hier aus werden eine ganze Reihe Raftingtouren angeboten, aber da wegen der niedrigen Wasserstände nur Touren bis Schwierigkeitsgrad III angeboten werden (und unsere Reisekasse darüber hinaus geplündert ist!), nehmen wir dieses Abenteuer nicht mit. Das einzig sehenswerte in Tena ist der Parque Amazónico, eine Halbinsel zwischen den milchkaffeefarbenen Flüssen Tena und Pano, die dicht mit Dschungel bewachsen ist und auf der sich niedliche Totenkopfäffchen tummeln. Zudem gibt es einige Tiere des Dschungels zu sehen, die hier wegen Verletzungen wieder aufgepäppelt werden sollen – bei manchen der Käfigen fragt man sich jedoch, ob die Tiere nicht in der Wildnis ohne menschliche Hilfe besser bedient gewesen wären. aDSCN1262 (Large)

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Misahuallí

Das kleine verschlafene Nest mit dem schwer auszusprechenden Namen circa 45 Min. östlich von Tena hat den Charme eines Außenpostens ganz am Ende der Straße. Und wirklich: von hier aus geht es nur auf Flüssen weiter in Richtung Osten, hinein in den Amazonas. An den Hügeln hängen regenschwere Wolken und auf dem Dorfplatz dösen die Bewohner_innen in der schwülen Hitze des Tages. Aktiv sind nur die Affen, die sich und die Straßenhunde pflichtbewusst nach Läusen absuchen und naiven Besucher_innen Obst aus den Händen klauen.

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Der Regenwald um Misahuallí ist leider stark von Rodungen betroffen, so dass es hier kaum größere Landsäuger mehr gibt. Die Stadt ist zwar Ausgangspunkt für Touren in den Dschungel, doch soll man hier dementsprechend nur wenig ursprünglichen Wald zu Gesicht bekommen. Wir entscheiden uns also gegen eine Dschungeltour, möchten aber gerne nördlich von Lago Agrio aus eine Kanu-Tour in den Cuyabeno Park unternehmen. Das Ganze klingt ziemlich toll, aber die Reisekasse macht uns auch hier einen Strich durch die Rechnung. Was für ein Jammer hier im Amazonas zu sein und dann doch keine Dschungeltour zu unternehmen! Der ecuadorianische Teil des Amazonas gilt als extrem artenreich und ist kaum erschlossen. In einigen abgelegenen Schutzgebieten, wie z.B. dem Yasuní Nationalpark leben sogar noch ein paar indigene Volksgruppen, die von äußeren Einflüssen weitestgehend isoliert sind. Aber leider liegen im Amazonasgebiet große Ölfelder, was natürlich Begehrlichkeiten weckt – es bleibt also abzuwarten wie ernst es der ecuadorianischen Regierung mit dem Schutz der Natur und der indigenen Bevölkerung ist…

Statt also eine Tour zu buchen, gammeln wir ein bisschen in Mishuallí herum, beobachten die vielen bunten Vögel, großen Insekten und kreischenden Affen und machen uns zwei entspannte Tage in der Banana Lodge, einer echt schönen direkt am Fluss gelegenen Unterkunft mit vielen Hängematten und Lagerfeuer am Abend – einziger Wermutstropfen: die Besitzer haben´s nicht so sehr mit der Freundlichkeit. ;)

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Kulinarisches

Essen ist für uns ja bekanntlich immer ein großes Thema. Die ecuadorianische Küche ist aber bisher leider nicht grad ein kulinarisches Highlight unserer Reise. In Quito gab es, wie im letzten Bericht beschrieben, erstaunlich viele vegetarische Restaurants – dieser Umstand trifft aber bisher wirklich nur auf die Hauptstadt zu. Die meisten Einheimischen schauen lediglich ungläubig bis belustigt drein, wenn man ihnen erklärt, dass man kein Fleisch isst.  Für Vegetarier_innen ist die Auswahl ganz klar sehr stark eingeschränkt, aber wenn man ein bisschen nachbohrt, entdecken die Restaurantbesitzer_innen in der Regel doch, dass sie irgendetwas vegetarisches auf Lager haben. Unglaublich genial sind definitiv die vielen Früchte und die frischen Säfte, die man an jeder Ecke kaufen kann. Und eigentlich gibt es auch Gemüse im Überfluss, doch das kommt in traditionellen Gerichten nur äußerst sparsam zum Einsatz. In der Regel besteht ein Gericht aus Reis, Bohnen, einem Hauch Salat und irgendeinem frittierten Stück Fleisch – für Vegetarier_innen gibt´s entsprechend gebratenes Ei oder frittierte Kochbananen. Dabei gibt es durchaus leckere Gerichte, wie z.B. Llapingachos, kleine mit Käse gefüllte, frittierte Kuchen aus Kartoffeln oder Kochbananensuppe. Aber generell ist das Essen hier eher fad und recht unspektakulär. Essen gehen ist im übrigen ziemlich günstig in Ecuador: Für ein Almuerzo, d.h. ein Tagesgericht, das in der Regel aus einer Suppe, einem Hauptgericht, und einem Saft besteht, werden eigentlich nie mehr als 2,50 -3 US$ fällig. Und ein frischgepresster Saft (besonders toll: Mora oder Naranjilla (eine kleine orangenähnliche, saure Frucht) oder ein Batido (Frucht-Milchshake) schlagen maximal mit 1,50 US$ zu Buche.

//Heiko

 

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