Ecuador// La Costa: Techno am Strand, Wale und tanzende Blaufußtölpel

Ecuador// La Costa: Techno am Strand, Wale und tanzende Blaufußtölpel

Montañita

Von Guayaquil aus sind es nur knapp 170 Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel: Dem auf der Halbinsel Santa Helena gelgenen Städtchen Montañita.

An Montañita scheiden sich allerdings die Geister: Die einen lieben die konstanten, hohen Wellen, die den Strand zu einem Surferparadies machen. Für manche ist es DIE perfekte Backpackerstadt mit all ihren Bars, entspannten Leuten und den Trommlern am Strand. Nicht wenige bleiben daher oft länger hier hängen als geplant. Die anderen hingegen verteufeln den Ort als überlaufen, laut, unauthentisch – einen Flecken, den man meiden sollte und der mit dem einst beschaulichen Fischerdörfchen nicht mehr viel gemein hat.

Als wir Montañita erreichen, sind auch wir erstmal etwas schockiert, denn schon beim Ausstieg aus dem Bus spüren wir die Vibrationen tiefer Bässe, die vom Strand herüber hämmern: Unmittelbar an der Strandpromenade befindet sich eine große Freiluftdiskothek, die den gesamten Ort beschallt. Und obwohl wir einige Parallelstraßen entfernt von dieser unsere (ziemlich siffige) Unterkunft für die erste Nacht beziehen, bebt der Boden des Zimmers zum Takt der Musik. Als wir eine Einheimische fragen wie die Gemeinde dazu kam einen solchen Bau zu genehmigen, fasst sie es in einem Wort zusammen: „Dinero“ – wer das Geld hat, erhalte hier jede Erlaubnis. Wir jedenfalls bekommen kaum ein Auge zu und sind genervt.

In den nächsten Tagen allerdings schließen wir dann doch unseren Frieden mit Montañita, denn der Ort besitzt durchaus Charme und die Diskothek ist nicht an jedem Abend so laut. Linda, David und ich haben nun auch eine etwas angenehmere Bleibe: Am Rand des Dorfes, wo man vom ganzen Trubel nur wenig mitbekommt, besitzt eine eigentlich in Peru lebende Freundin von Linda ein kleines Ferienhaus, in das wir uns einquartieren können und abends gemeinsam lecker kochen.

Der Strand ist recht breit und ganz nett, aber nicht DER Knaller. Die Strandkulisse wird etwas dadurch getrübt, dass es eigentlich keine Bäume am Strand gibt und die im Hintergrund liegenden Berge ausschließlich von vertrocknetem Gestrüpp (biologisch korrekter und besser klingend wäre „tropischer Trockenwald“) bewachsen sind. Dies liegt allerdings auch an der Jahreszeit – in einer anderen Saison sind die Berge wohl grüner und der Himmel seltener von dicken, grauen Quellwolken bedeckt. Nichtsdestotrotz ist es ein schöner Ort um die flammendroten Sonnenuntergänge und die vielen Surfer_innen zu beobachten.

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Kleiner Tipp: Das verschlafene Nest Ayampe liegt mit dem Bus knapp zwanzig Minuten in nördliche Richtung entfernt und besitzt einen wirklich schönen, leeren, langen Strand.

Der Ortskern Montañitas besteht aus einigen schachbrettartig angelegten Straßen zwischen Strandpromenade und der Hauptstraße. Die Häuser sind schlichte Betonbauten, die gepflasterten Straßen staubig. Der Ort wirkt ziemlich bunt und jung; die Stimmung ist ausgelassen. Nicht wenige Backpacker verdienen sich ein paar zusätzliche Dollar indem sie selbstgebastelten (oft wirklich schönen) Schmuck in den Straßen verkaufen. Unzählige Bars, Restaurants und Cafés säumen die Sträßchen, von denen viele einladend und sehr entspannt sind. Das beste Café ist unserer Meinung nach das Kaffeeina: Leo und Gaby machen hier nicht nur guten Kaffee und vegetarische Gerichte, sondern sind immer zu einem netten Gespräch aufgelegt. Die besten Cocktails trinken wir in einer kleinen Stichstraße zum Strand, wo sich mehrere Cocktail-Stände aneinanderreihen und man für ein paar Dollar richtig gute Drinks bekommt, die man dann auf den Plastikstühlen oder am Strand trinken kann. Und auch ein Stromausfall kann die Partystimmung in Montañita nicht trüben: Statt Elektrolicht gibt es Kerzen und Fackeln und statt Liedern aus den Boxen ertönt Live-Musik – das hat nun wirklich Charme und dabei lässt es sich im weichen Sand gut tanzen!

Playa Los Frailes

Ein paar Kilometer nördlich von Montañita liegt der Nationalpark Machalilla. Der Park erstreckt sich von der Küste bis in die höher gelegenen Nebelwälder und ist dementsprechend sehr vielfältig und artenreich. Wir entscheiden uns nur den tiefer gelegenen Teil des Parks zu erkunden, da wir von anderen Reisenden gehört haben, dass die Strände um den Playa de Los Frailes sehr schön sein sollen. Hier wächst tropischer Trockenwald – wie bereits erwähnt, in dieser Jahreszeit eine eher trostlose Angelegenheit, da an den niedrigen Bäumen und Sträuchern weit und breit kaum ein Blatt wächst. Vom Parkeingang an der Ruta #15 ausgehend gibt es einen etwa vier Kilometer langen Rundweg, der an drei Stränden und mehreren Aussichtspunkten vorbeiführt. Die Strände und Buchten sind wirklich sehr hübsch und nahezu menschenleer. Man sollte allerdings schon zeitig zu diesem Ausflug aufbrechen, da man den Strand bereits um 16 Uhr verlassen muss.

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Puerto Lopéz

Unsere nächste Station heißt Puerto Lopéz. Den circa 45 Kilometer nördlich von Montañita gelegene Ort hat der Tourismus schon lange erschlossen, doch ist Puerto Lopéz nach wie vor eher ein verschlafenes Küstenstädtchen, in dem man weitaus häufiger auf Einheimische, als auf Tourist_innen trifft (was u.a. daran liegt, dass Anfang Juni noch keine Saison ist). Wir finden es hier wirklich sehr nett und vom Strand aus kann man wunderbar den Sonnenuntergang im Meer, die kreischenden Fregattvögel und die ein und auslaufenden Fischerboote beobachten. Besonders gut geht das vom „Paella Mar“ aus, wo es leckeren Wein und Sangria gibt oder von einer der Cabañas unmittelbar auf dem Strand, die preiswertes Bier und gute frische Fruchtsäfte haben.

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Isla de la Plata

Der Hauptgrund für uns in Puerto Lopez zu sein, ist aber die 40 Kilometer vor der Küste gelegene Isla de La Plata, die zum Nationalpark Machalilla gehört. Von manchen Reiseführern plakativ „Poor Man´s Galapagos“ getauft, soll man hier einige Seevögel sichten können, denen man sonst nur auf den Galapagos Inseln begegnet. Und da eine Reise dorthin aus finanzieller Sicht absolut nicht infrage kommt (für eine Woche Aufenthalt muss man mit Flug um die 1000 EUR rechnen), steht die Insel bei uns auf dem Programm. Man kann bei einer ganzen Reihe von Anbietern die Tour dorthin buchen, aber die Angebote scheinen sich weder preislich (ca. 30 USD), noch vom Umfang her besonders zu unterscheiden. Im Motorboot treten wir mit zehn anderen Ausflüglern die circa einstündige Überfahrt an, die allein schon ein Grund für viele ist zur Isla de la Plata zu fahren: Von Juni bis September tummeln sich in den Gewässern vor der ecuadorianischen Küste bis zu 4.000 Buckelwale, die zur Paarung und der Geburt von Walkälbern aus den antarktischen Gewässern hierher kommen. Eine Sichtung ist damit nahezu garantiert. Leider sind wir ganz zu Beginn der Saison hier und sehen dazu nicht allzu viel Walaktivität. Dennoch bringen uns die vereinzelten Flukenschläge und einmalig sogar der Sprung eines Wals in der Ferne in Verzückung! Das fotographische Resultat ist allerdings eher mager. ;)

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Bald also erreichen wir die Silberinsel (die so heißt, weil der Sage nach der englische Freibeuter Sir Francis Drake hier dereinst einen Silberschatz vergrub) und zur Entschädigung für die wenigen Walsichtungen begrüßen uns hier viele bunte Fische, Delfine und zwei Meeresschildkröten. Die Insel hört man schon von weitem: Abertausende Vögel kreischen auf den Klippen oder ziehen ihre Kreise am Himmel und stürzen sich hier und dort im Sturzflug ins Meer um Fische zu erjagen oder ihren Artgenossen die eben erbeutete Nahrung abspenstig zu machen.

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Vom Strand aus geht es in einer geführten Wanderung (die einzige Möglichkeit die Insel zu erkunden; lohnt sich aber auch, da die Ranger viel interessantes Wissen vermitteln) erstmal durch Trockenwald hinauf aufs Plateau, von wo aus man eine grandiose Sicht über die Insel und auf die türkisblaue See hat. Die kahlen Bäume biegen sich stellenweise unter dem Gewicht der unzähligen Fregattvögel, die mit ihren leuchtendroten Kehlsäcken ihre Balztänze aufführen und laut kreischen. Auch die Blaufußtölpel haben lustige Balztänze parat, die sie im Duett aufführen und sich dabei mit ausgestreckten Flügeln watschelnd im Kreis drehen. Zudem stehen oder liegen sie gerne auf den Pfaden und denken nicht dran aus dem Weg zu gehen. Recht so! Ist ja auch ihre Insel. Neben diesen beiden Arten sehen wir auch viele Pelikane und vereinzelte Rotfuß- und Nazcatölpel. Insgesamt haben die Vögel hier kaum Scheu vor dem Menschen, was sicherlich daran liegt, dass sie seit Jahrzehnten nicht gejagt werden dürfen und es auf der Insel kaum natürliche Feinde gibt. Ein wirklich grandioser Ausflug!

//Heiko

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