Ecuador // Baños: Auf der Suche nach dem Adrenalin-Kick: Schaukeln über dem Abgrund

Ecuador // Baños: Auf der Suche nach dem Adrenalin-Kick: Schaukeln über dem Abgrund

In Misahuallí  hatten wir das erste Mal mehr Sonne als Regen und konnten so die Zeit unter freiem Himmel wunderbar genießen. Nun geht es wieder zurück in die oft von Wolken verhangene Sierra. Doch unser erstes Etappenziel Baños, vermutlich DIE Touristendestination Ecuadors, Wallfahrtsort und so etwas wie das ecuadorianische Queenstown, ist bekannt für sein mildes Klima . Und so hoffen wir, von den frostigen Winden und dem prasselnden Regen noch etwas verschont zu bleiben.

Am Fuße des Vulkans

Und so sei es! Baños (1815m) verwöhnt uns in den nächsten Tagen mit vergleichsweise viel Sonnenschein und so macht es besonders viel Freude, die wirklich schöne Bergwelt zu erwandern und die genialen Ausblicke zu genießen. Baños liegt auf einem Plateau, das auf der einen Seite von einer Schlucht begrenzt wird. Auf der anderen Seite des Ortes geht es steil bergauf hinein in die Berge, wobei vereinzelt noch einige bunte Häuschen wie Wespennester an den Hängen kleben. Rund 3000m weiter oben thront majestätisch der Vulkan Tungurahua (5016m). Dieser ist sehr aktiv und bricht auch noch in steter Regelmäßigkeit aus: Noch im April kam es zu Eruptionen. 2006 wurden ganze Dörfer unter der Lava verbrannt und es kam zu sechs Todesfällen. Und bei klarem Wetter kann man nachts wohl zeitweise das Leuchten der Lava über dem Kraterrand sehen. Auch wir erhaschen einen Blick auf den Vulkan, was wohl gar nicht üblich zu dieser Zeit des Jahres ist, denn in der Regel liegt er tief in den Wolkenfeldern versunken.

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Veganfriendly in Baños

Baños ist ein wirklich nettes und farbenfrohes Örtchen mit einer recht ausgeprägten touristischen, aber angenehmen Infrastruktur. Es gibt zahlreiche Restaurants und Cafés und die Straßen sind voll von bunt getünchten Ständen, an den Zuckerrohr verarbeitet wird. Unter anderem wird hierbei eine klebrig zähe Süßigkeit produziert. Das Melcoche ist eine Zuckerrohrpaste die mit Lebensmittelfarbe eingefärbt wird und vor allem nach einem schmeckt: Zucker. Vielleicht nicht unbedingt das kulinarische Highlight, aber es ist schon spaßig zu sehen, wie die Masse auf den Straßen über einem Haken gezogen und geknetet wird.

Leckerer sind da schon die vegetarischen Restaurants, die es hier in der Stadt vergleichsweise zahlreich gibt. Zunächst wäre  das Café Hood zu nennen, das sehr zentral direkt am Parque Central liegt. Hier ist es auf jeden Fall sehr gemütlich und die Atmosphäre ist richtig angenehm und auch der Cappuccino schmeckt ganz lecker. Eine kleine geschmackliche Katastrophe hingegen waren die Brownies, dabei hatten wir uns so auf diese gefreut! Unsere beiden Favoriten sind jedoch das Casa Hood sowie das Sativa Studio Café – beide in der Calle Luis A Martinez y Eloy Alfaro Street gelegen. Das erste punktet vor allem durch seine wunderbar gemütliche Einrichtung, die täglichen Filmabende und den großen Bereich zum Büchertausch. Auf der Karte gibt es recht viele vegetarische und vegane Optionen – das Curry und die asiatischen Nudel schmecken lecker, wobei das Preisniveau im gehobenen Mittelfeld liegt. Genau gegenüber liegt etwas versteckt das Sativa, ein kleines veganes Restaurant mit einen wenigen Speisen, die ganz frisch zubereitet werden. Die Burger sind unglaublich lecker und die in Bananenblättern gegarten Tamales schmecken ebenfalls richtig gut. Uns hat es hier gefallen und wir hoffen, dass auch weitere Gäste den weg ins Sativa finden, denn wir saßen hier ganz alleine. Also in jedem Fall ein Besuch wert!

Außerdem essen wir hier zum ersten Mal Ceviche de Chochos – ein sehr leckeres vegetarisches Gericht, das es an vielen Straßenständen in der Sierra zu kaufen gibt. Und vegetarisches Streetfood hat hier in Ecuador ziemlichen Seltenheitswert! Das kalte Gericht besteht aus Chocho (Samen der Andenlupine), gerösteten Maiskörnern, Tomatenstücken und roten Zwiebeln, die mit einer würzigen Soße aus Tomaten, Limetten- und Orangensaft übergossen und mit frittierten Bananenchips, Koriander, Limetten und Aji (die omnipräsente ecuadorianische Chillisoße, die auf Grundlage von Baumtomaten (Tomatillos) zubereitet wird und das oft eher etwas fade Essen Ecuadors aufpeppt) serviert wird. Wir sind schwer begeistert! Ein Rezept für alle Interessierten gibt es hier, wenngleich man hierzulande wohl nur schwer an Chocho kommen wird.

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Die höchste Schaukel der Welt?!

Doch natürlich kann man in Baños nicht nur essen, sondern auch ziemlich viel unternehmen. Neben Thermalbädern, einem Zoo, diversen Ziplines, Rafting und Canyoning gibt es noch zahlreiche andere Aktivitäten, die uns gut gefallen haben:

Eine sehr schöne Wanderung startet unmittelbar im Ortskern und führt dann für rund zwei Stunden recht steil nach oben zur Casa del Arbol. Der Weg ist bisweilen  ziemlich anstregend, doch die Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge ist schön und unterwegs gibt es richtig viel zu entdecken – wie zum Beispiel leuchtende Spinnen. Das eigentliche Ziel hat es dann auch in sich, denn an der Hütte wartet eine Adrenalin-Schaukel, die seit ihrem Bau richtig viele Besucher_innen anzieht. Befestigt an einem Baumhaus, das rund 2500m über dem Meeresspiegel steht, kann man sich in die Lüfte schwingen und über eine tiefe Schlucht gleiten lassen! Nichts für Leute mit Höhenangst!

Ebenfalls lohnenswert ist ein Ausflug hinauf zur Virgen, einer klobigen Skulptur der heiligen Jungfrau und neben der Kathedrale im Zentrum ein wichtiger Ort für die zahlreichen Pilger. Auch wir kraxeln die unendlich vielen Treppenstufen hinauf, wenngleich wir nicht religiöse Buße tun, sondern vielmehr den Ausblick auf das abendliche Baños genießen möchten. Es ist richtig schön hier zu sitzen, in die Ferne zu blicken und die leuchtenden Straßen zu beobachten, die sich wie Adern durch den Ort ziehen.

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Zu Besuch bei Satan 

Und schließlich wären da noch die zahlreichen Wasserfälle, die in der näheren Umgebung von Baños in die Tiefe stürzen. Auf der Ruta de las Cascadas in Richtung Oriente passiert man einige wirklich sehenswerte Fälle und es lohnt sich ohne Frage unter anderem am Pailon del Diablo einen längeren Stop einzulegen. Der Wasserfall liegt rund 30 Minuten Busfahrt von der Stadt entfernt und auch mit dem Fahrrad kann man ihn gut erreichen. Insgesamt drei Wasserfälle stürzen hier donnernd am Pailon del Diablo über einige Kaskaden in die Tiefe – es rauscht ohrenbetäubend und man kommt den Wassermassen erschreckend nahe. Denn: Wer sich traut kann sich durch einige lediglich hüfthohe Höhlengänge quetschen und so an den Wasserfluten entlang kriechen, um schließlich hinter der tosenden Wasserwand wieder „aufzutauchen“. Die Gänge sind wirklich eng und niedrig und man sollte hier keinesfalls an Platzangst leiden!!

 

//David

 

 

 

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