Ecuador// Quilotoa: Der farbenprächtige Vulkansee

Ecuador// Quilotoa: Der farbenprächtige Vulkansee

Ein Glück, dass Ecuador flächenmäßig so „kompakt ist“! Wir erinnern uns an China, wo zwischen A nach B eine mal gut und gerne 12-24 Stunden dauernde Busfahrt lag. Hier in Ecuador ist man hingegen selten länger als fünf Stunden unterwegs. Und dennoch findet man sich nach einer so kurzen fahrt plötzlich in einer vollkommen anderen Klimazone oder Landschaft wieder. Das macht Ecuador landschaftlich bisher wirklich sehr spannend.

Von Baños aus schnappen wir also einen Bus nach Latacunga. Hier gibt es angeblich erst wieder in vier Stunden einen Bus in unsere Richtung. Doch mit ein bisschen Hartnäckigkeit und penetranter Herumfragerei – siehe da – fährt plötzlich doch ein Bus in fünf Minuten ab. Das klapprige, zerdellte Gefährt arbeitet sich von Latacunga aus langsam aber beharrlich höher und höher ins Gebirge in östliche Richtung. Die Örtchen werden immer kleiner und verschlafener und der Anteil der Menschen in traditionellen Trachten innerhalb und außerhalb des Busses nimmt in dem Maße zu, in dem die Luft dünner wird.

Nach knapp drei Stunden erreichen wir den auf knapp 4000 Metern Höhe gelegenen Ort Quilotoa – und zu Beginn unserer Reise dachten wir noch, dass das auf 2200 Metern gelegene Mestia in Georgien (das höchtgelegenste Dorf Europas) ein beeindruckender Superlativ ist! Der Eintritt ins Dorf, welches eigentlich nur aus einer einzigen Straße und verstreuten Häusern besteht, kostet 2 US$. Es gibt einen zentralen Plaza, der für die Größe des Dorfes etwas überdimensioniert wirkt, und einen kleinen überdachten Handwerkermarkt, der aufgrund der Nebensaison nun aber geschlossen ist. Ansonsten finden sich im Ort eine Reihe einfacher Unterkünfte, ein großes Gemeindehaus und einige kleine Läden. Die Menschen scheinen in sehr einfachen bis hin zu wirklich armen Verhältnissen zu leben. Der Tourismus scheint neben der Landwirtschaft auf mageren Böden die einzige nennenswerte Einnahmequelle zu sein.  Die Dörfler_innen, insbesondere die Frauen, aber auch viele Männer, tragen traditionelle Kleidung. Zudem unterhalten sie sich untereinander fast ausschließlich in Kichwa, einer indigenen Sprache der Andenvölker. Auch die Mentalität der Dörfler_innen scheint anders als die der Menschen, die wir in den tieferen Lagen der Sierra getroffen haben. Zwar begegnen uns alle Menschen hier freundlich, wirken aber insgesamt doch eher reserviert und zurückhaltend.

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Der Ort selbst bietet außer einen kleinen Einblick in das Leben einer indigenen Community nicht viel. Was uns aber primär herführte, liegt in unmittelbarer Nähe des Dorfes:  Die Laguna de Quilotoa, ein circa 3km breiter  Vulkansee zu dessen Oberfläche hin die Wände des Kraters jäh um 250 Meter abfallen. Zuletzt ausgebrochen ist der Quilotoa wohl vor knapp 800 Jahren und hat im Zuge einer riesigen Detonation Schutt und Asche bis in den Pazifik gespien. Seitdem ist es ruhig um den Quilotoa geworden und nur die an einigen Stellen des Sees aufsteigenden Blasen zeugen von einer vulkanischen Restaktivität. Aufgrund der im Wasser gelösten Mineralien hat der See eine grünliche Färbung, die stark vom Wetter abhängig ist: So präsentiert sich der See mal in einem hellen türkis oder aquamarin, mal in einem satten jadegrün oder einem stumpfen grau-grün, auf dessen Oberfläche sich die Wolken spiegeln. Der Anblick des Sees vom Rand aus ist einnehmend schön!

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Es gibt die Möglichkeit in circa fünf Stunden einmal um den Kraterrand herumzuwandern oder in drei Stunden zum See hinunter und wieder hinauf zu steigen. Wir sind im Augenblick allerdings eher träge und auf nicht allzu viel Bewegung aus. Und so spazieren wir lediglich ein wenig entspannt am Kraterrand entlang. Dabei begegnen wir einigen Dorfbewohner_innen, die ihre Esel und Schafe zu entfernteren Weiden führen oder unterwegs in einen der nahegelegenen Orte sind.

Wir suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen und genießen die wunderschöne Aussicht auf das Farbenspiel des Sees, die vielen bunten Wildblumen und die Berge in der Ferne, wo unzählige Vulkane und Bergketten immer weiter bis zum Horizont aufeinander folgen – wenngleich die Landschaft auch nicht unberührt ist, ist der Blick grandios!

Ansonsten versuchen wir während der zwei Tage hier die vereinzelten Sonnenstrahlen einzufangen, denn es ist wirklich verdammt kalt! Obwohl wir alles tragen, was unser Rucksack hergibt, wird uns in Quilotoa nie richtig warm – daran ändern auch die vielen Tassen Kräutertee und das Feuer, das im Heim unserer Gastfamilie vor sich hin prasselt, nichts. Vielleicht ist das der Grund weshalb wir auch nicht ganz traurig sind, als es dann wieder heißt zurück nach Latacunga zu fahren.

//Heiko

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