Ecuador // Mindo: Kolibris im Nebelwald

Ecuador // Mindo: Kolibris im Nebelwald

Wie die Zeit rennt! Uns bleiben nur noch wenige Tage hier in Ecuador bis unser Flieger startet und … damit auch endgültig unsere Heimreise. Diese Vorstellung ist für uns vollkommen unwirklich. Gefühlsmäßig stürzt uns der Gedanke in ein Chaos von Vorfreude auf Zuhause und einem tiefen Unwillen, dass unsere wunderbare Reise nun zu einem Ende kommen soll…

Aber soweit wollen wir erstmal noch nicht denken, sondern die nächsten Tage noch unbeschwert verbringen. Wir sagen für ein paar Tage „Adiós“ zu Linda (die wir in Quito wieder treffen werden) und machen uns auf unsere bisher längste Busfahrt in Ecuador. Unser Ziel ist das bei Ornithologen hoch geschätzte Mindo. In 10 Stunden, von denen der Bus allerdings etwa fünf auf Busbahnhöfen herumsteht und von der endlosen Schar von „Secos de Pollo“ und „jugojugojugojugo“-Verkäufer_innen heimgesucht wird, geht´s bis zur kleinen Stadt San Miguel de Los Bancos. Leider haben wir den letzten Bus nach Mindo verpasst, doch ein paar hilfsbereite Einheimische organisieren uns eine Mitfahrgelegenheit in das in einem Seitental, einige Kilometer abseits der Ruta #28 gelegene Mindo, das wir spät am Abend erreichen.

Mindo ist ein wirklich entspannter und ruhiger Ort an dem es sich richtig gut runterkommen lässt! Das kleine Örtchen liegt ziemlich ab vom Schuss und zählt nur knapp 2800 Einwohner_innen. Auf 1250 Metern Höhe gelegen, befindet es sich mitten im ecuadorianischen Nebelwald. Die Wolken hängen meist also tief an den umliegenden Hängen und jeden Tag wabern Nebenschleier durch die bewaldeten Hügel.

Außer Vögel und Orchideen zu bestaunen, machen wir eigentlich nicht viel hier, aber das ist absolut in Ordnung so. Zumal die Flora und Fauna wirklich faszinierend sind. Es beginnt damit, dass an vielen Häusern Tränken für Kolibris hängen, an denen oft zig dieser kleinen, farbenfrohen Vögel herumbrummen. So kann man genau beobachten kann, wie sie mit ihren langen Zungen trinken und ihre abenteuerlichen Flugmanöver ausführen. Unsere Unterkunft ist umgeben von einem kleinen, hübschen Orchideengarten, in dem man auf einem Fleck gebündelt einen Einblick in die artenreiche Flora der Nebelwälder erhält. Und auch hier sausen unentwegt schillernde Kolibris herum. Auf der Frühstücks-Terrasse liegen zudem immer einige Früchte aus, die eine ganze Reihe weiterer bunter Vögel (und das ein oder andere Eichhörnchen) anziehen. Eine solche Vielfalt an Vögeln haben wir noch nie zu Gesicht bekommen (und das ist natürlich auch nur ein Bruchteil der mehr als 500 Vogelarten, die es hier gibt)!

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An einem Tag besuchen wir das knapp sieben Kilometer entfernte private Naturschutzgebiet  Satuario de Cascadas. Um dorthin zu kommen, muss man  allerdings eine abenteuerliche Fahrt mit der recht flotten und etwas provisorisch anmutenden Seilbahn „Tarabita“ auf sich nehmen: Hoch über ein Flusstal und Baumkronen geht´s ins Schutzgebiet, wo man einen Reihe hübscher Wasserfälle im üppigen Grün des dichten Nebelwaldes besuchen kann. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit eine bisweilen sehr schweißtreibende Angelegenheit! Vögel bekommt man im Dickicht eher selten zu Gesicht, dafür flattern hier viele Schmetterlinge umher und das ein oder andere überdimensionierte Insekt kreuzt unsere Wege.

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Mindo selbst ist ein netter kleiner, ziemlich überschaubarer Ort: Die Hauptstraße zieht sich von Nord nach Süd und wird von einer Reihe von Geschäften, Herbergen und Restaurants flankiert. Weitere sind über den gesamten Ort verteilt. Ziemlich gut einkehren lässt es sich übrigens im Beehive, das guten Kaffee, eine entspannte Atmosphäre und eine nette Terrasse zur Vogelbeobachtung bietet. Mit Inhaber und Hobby-Imker Ingo lässt es sich gut plaudern und er spannt uns kurzerhand zum Befestigen von Wachsplatten an Holzrahen für seine Bienenstöcke ein. Sehr zu empfehlen ist auch das Eis im Mishqui Quinde – Sweet Hummingbird: Das Passionsfruchteis auf Quinoa-Pudding ist wenig fotogen, aber köstlich!

Ein Besuch im Hostal El Quetzal lohnt sich auch: Hier erfährt man wie Schokolade hergestellt wird, und zwar von der Frucht bis zur Abpackung. Ein ziemlich komplizierter Prozess, denn die Bohnen müssen erst einmal aus der Schale gelöst und dann vergoren werden. Anschließend werden sie zerkleinert und Kakaobutter wird von Kakaomasse getrennt. Und je nachdem in welchem Verhältnis man Masse und Butter später wieder zusammenfügt und wie viel Zucker dazukommt, erhält man die verschiedenen Geschmacksnuancen von mild bis bitter. Zusätzliche Zutaten wie Milch, Kaffee oder Trockenobst können ebenfalls hinzugefügt werden. Aber wir genießen hier die gute ecuadorianische Schokolade am liebsten ganz pur. :)

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Von Mindo aus dauert es nur knapp zwei Stunden mit dem Bus der Gesellschaft „Flor de Valle“ nach Quito. Die Fahrt „versüßt“ uns der Fahrer mit einer DVD namens „Ninja Assasin“, den sich seine quengelnde etwa acht Jahre alte Tochter ausgesucht hat. Während die anderen Fahrgäste sich lieber auf die draußen vorbeiziehende Berglandschaft konzentrieren, erfreut sich das Mädchen an Blutfontänen und herausquellenden Gedärmen – mit dem Jugendschutz sieht man es hier in Ecuador scheinbar nicht ganz so eng.

Im inzwischen liebgewonnenen Quito verbringen wir noch ein paar Tage mit Linda, bevor es endgültig zum Flughafen geht und wir das kleine und vielfältige Ecuador hinter uns lassen. Was für tolle sechs Wochen wir hier hatten! Ein ganz und gar gelungener Abschluss unserer Reise…

„Abschluss unserer Reise“?! Das löst bei uns eine ganze Flut von Empfindungen aus. Was für eine geniale Zeit wir doch hatten und was für ein unbeschreibliches Glück dieses Abenteuer erleben zu können. Und nun ist es so weit nach Hause zurückzukehren und es gibt keinen Aufschub mehr… Via New York geht es also nach Frankfurt am Main. Nach 367 Tagen werden wir nun wieder auf den deutschen Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Mehr dazu im nächsten Beitrag…

//Heiko

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