Mumbai

…nachdem wir dem Zug aus Aurangabad entstiegen sind – die Fahrt verlief tatsächlich ohne weitere Vorkommnisse und wir sind pünktlich in Mumbai angekommen – geht es in erstmal auf die Suche nach einem Hotel.

Diese gestaltet sich ein weiteres mal schwierig, Saleem und ich sind in Kombination wieder einmal weniger gerne gesehene Gäste. Irgendwann langt es mir und ich schnauze von Vornherein den Hotelier an, verklicker ihm, dass wir ein Zimmer wollen und er das bitte zu akzeptieren habe, sich seine abwertenden Blicke sparen kann. Letzteres tut er nicht, aber immerhin bekommen wir ein fensterloses, aber eigentlich ganz nettes Zimmer, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof – unserer Basis für die nächsten zwei Tage.

Die Zeit in Mumbai muss ich gar nicht weiter erklären, denn de facto haben wir kaum besondere Dinge unternommen. Ich bin nun bereits das dritte mal hier, das zweite mal mit Saleem, und wir entschließen uns, unsere letzten gemeinsamen Tage ruhig anzugehen und uns einfach nur treiben zu lassen…

Treiben lassen im Moloch, jener Stadt, die -wie ich einst las- einer Hure gleicht, und jede Nacht aufs Neue von ihren Zuhältern – den korrupten Politikern und Polizisten – auf den strich geschickt wird, jener Stadt, die immer pulsiert, immer lebt, ein waberndes großes Etwas, unheimlich, monströs, beängstigend, voll und stickig, aber vor allem doch eines: schön.

Familie

Mumbai_Sonnenuntergang

Wir lassen uns treiben über chaotische Basare, durch enge Sträßchen, quetschen uns durch überfüllte Plätze, laufen vorbei an mit goldenem Schmuck beladenen Marktständen, vorbei an bunten Saristoffen, schrillem Plastikspielzeug und vielen, vielen anderen Dingen, an den sich mein auge niemals wird sattsehen können.

Die Abend verbringen wir an Chowpatty Beach, jenem Küstenstreifen, an dem sich Mumbai trifft um zu snacken, zusammen zu kommen und in die Ferne des Meeres zu blicken – die Hochhäuser der Stadt im Rücken. Wir sitzen oft nur dort, schauen und beobachten, denken nach und wissen, dass es bald heißen wird Abschied zu nehmen. Wir schauen in die untergehende Sonne, eine Familie mit Kindern sitzt am dreckigen Wasser, bunte Windräder drehen sich im sandigen Wind…

Am nächsten Tag brechen wir auf: Saleem zu seiner Familie in Mysore, ich in eine mir unbekannte Stadt in Rajasthan…
Nachdenklich, wann wir einander wieder sehen werden, froh, dank der langen Zeit, die nun war…

 

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