Agra

– Taj Mahal – 

Irgendwann am Abend kommen wir an, M. übernimmt für D. und mich die Handelei mit den Fahrern und dem Hotelier. Vollkommen genervt erblicken wir von unserer Terasse aus den Taj Mahal, im Dunst des Sonnenuntergangs – oder aber des Verkehrssmogs- liegt er dort, das Mauseolum in Tränenform. Wir können uns gerade wenig freuen, doch wenigstens M. empfindet Euphorie, für sie ist der Taj Mahal einer der potentiellen Höhepunkte unserer Reise. Wir gehen trotzdem zeitig schlafen, am nächsten Tag dann möchten wir das Denkmal erkunden.

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Als wir aufbrechen fühlen wir uns etwas fitter. Am Eingang werden wir gefilzt wie Schwerbrecher, zumindest fühlen wir uns unweigerlich so. Detektoren durchschreiten, Körper werden abgetastet. Wir betreten das Gelände und sind endlich da – wie viele andere auch. Farbenfrohe Saripunkte schwirren auf grünen Rasenflächen und vor weißem Marmor. Vor uns erhebt sich jenes Gebäude, das wohl auf ewig unmittelbar mit Indien verbunden zu sein scheint. Der weiße Marmor erstreckt sich in den Himmel, befindet sich das Mausuleum doch erhöht auf einer großen Marmorplattform. In dem vorgelagteren Wasserlauf spiegeln sich die großartige Kuppel und die weißen Minarette. Gehen die Fontänen an, verwischt das Bild und der Taj Mahal verblasst…

Das Gebäude, oder vielmehr das Gefühl ist beindruckend und erhaben: Man fühlt sich klein vor dieser Größe und kann nur erahnen, wie grenzenlos die Liebe von Shah Jahan zu seiner Frau gewesen sein muss, lies dieser das Mausuleum doch als Zeichen seines gebrochenen Herzens und seiner immer währenden Liebe nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau erbauen.

All dies ist eindrücklich, doch ich bin nicht tief bewegt wie beispielsweise in Ranakpur. Ich kann mir nicht erklären woran es liegt. Vielleicht habe ich erwartet zu Tränen gerührt zu sein? Stören mich die vielen Leuten? Der Smog? Oder ist es schlichtweg das beschissene Gefühl in der Magengegend? Letztlich resigniere ich und entscheide für mich, dass der Taj Mahal wahrlich beeindruckend ist, ich die tatsächlich rührenden, bleibenden und verändernden Momente aber an anderen Orten dieses Landes erfahren habe und – so wird sich zeigen – erfahren werden.

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– Red Fort – 

Nachdem wir das Gelände, das Mauseleum und die Gärten ausgiebig erkundet haben brechen wir auf in Richtung des Agra Fort. Auf dem Weg dahin passieren wir einige Kutschen, deren Fahrer anbieten, uns bis zum Fort zu fahren. Natürlich nehmen wir das Angebot nicht an, nicht zuletzt aufgrund der geschundenen, abgemagerten Pferde. Jene bestehen nur noch aus Haut und Knochen und haben teilweise blutige, offene Beine da offensichtlich die Kutsche an ihrem Lauf gerieben hat…Wahrlich kein schöner Anblick und innerlich werde ich sehr wütend und mir steigen Tränen in die Augen…

Kurz vor dem Fort kommt bei uns zweien die Übelkeit zurück, also entscheiden wir uns ein paar Minuten auf einer Wiese zu verweilen. An sich eine schöne Idee und ein wenig erholsam, doch schon bald gruppieren sich mehr und mehr Jugendliche um uns herum und es dauert nicht lange, da sind M., D. und ich eine wahrliche Attraktion für rund 20 Halbstarke. Da es offensichtlich ausgeschlossen ist, jemals seine Ruhe zu haben stehen wir wieder auf und betreten durch das große Amar Singh Tor die Fortanlage. Der imposante Gebäudekomplex liegt ebenfalls am Ufer des Yamuna, unweit des Taj Mahals. Erbaut wurde es im Jahre 1565 von Akbar, weiter entwickelt und zu einem Palast ausgebaut in den folgenden Jahren. Zu besichtigen gibt es verschiedenste Hallen, Moscheen, einen Spiegelpalast sowie einen Gartenbereich.
Mir persönlich gefällt es hier fast besser als auf dem Taj Mahal, die erhöhte und prädestinierte Lage ermöglicht einen weiten Blick in die Ferne und eine fulminante Aussicht auf den Taj Mahal.

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Doch so langsam wird es Nachmittag und wir müssen schon wieder zurück ins Hotel um noch eine Kleinigkeit zu essen und vor allem um unser Gepäck abzuholen. Ab Abend wollen wir den Zug in Richtung Varanasie nehmen, doch auch dies wird wieder komplizierter als gedacht. Wider erwarten fährt der Zug nicht dort ab, wo wir angekommen sind, sondern an einer relativ weit außerhalb gelegenen Station. Also rasen wir mit einer Rikschaw durch die Dunkelheit über staubige Straßen,sind jedesmal aufs neue erschrocken, wenn uns plötzlich ein Truck entgegenkommt und haarscharf an uns vorbei brettert. Doch letztlich kommen wir gerade so pünktlich an und rennen in Richtung der Bahngleise. Doch schon bald merken wir, dass wir uns ganz und garnicht so hätten beeilen müssen, denn unser Zug ist nicht da und wir müssen mal wieder die Zeit auf dem Bahndamm totschlagen. Noch wissen wir nicht, wieviele Stunden unser Zug Verspätung haben wird, doch es wird immer deutlicher, dass wir die Nacht wohl auf dem Bahnhof verbringen müssen. Über uns in der Halle schwirren tausende von Vögeln, alles ist voll mit Kot und Ratten tummeln sich im Gleisbett.

Glücklicherweise wartet neben uns ein äußerst netter Student aus Indien, mit dem wir ins Gespräch kommen und der aufgrund seiner liebenswerten Art und Weise unsere Stimmung etwas anhebt. Meine zumindest, denn D. geht es garnicht gut, er hat Heimweh, ist fertig vom Stress und verständlicherweise enttäuscht von mir und meiner distanzierten Art und Weise.
Irgendwann gegen Mitternacht landen wir in einem Aufenthaltsraum. Auch dort gibt es einige Ratten und ich liege leider in Hinternhöhe eines schnarchenden Inders, der von Zeit zu Zeit gemächlich einen fahren lässt. Ergänzt wird dies durch eine in ein weißes, wallendes Kleid gewickelte Esotante, die mir ausnahmslos von irgend einem Ashram erzählt. Ich bin total genervt und daher heilfroh, als es plötzlich hektisch wird und unser Zug doch noch früher als erwartet eintrifft. Die Verspätung liegt also letztlich „nur“ bei 9 Stunden…Kann man nicht meckern, oder?

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