Goecha La Trekking

– Auf nach Yuksom – 

Mit dem Jeep brechen wir morgens auf in Richtung Yuksom, den Startpunkt meiner Trekkingtour. Vorangegangen war ein länger währender Aufenthalt in Gangtok um eine Trekkinggruppe bzw. einen Guide zu finden. Letztlich dauerte dies einige Tage, da die Saison gerade begonnen hatte und wohl noch nicht allzu viele Traveller unterwegs waren. Letztlich entschieden habe ich mich für eine sehr kleine agancy. Vermutlich sprach mich gerade das nicht gänzlich perfekte und die eher sympathische als vollkommen professionelle Art und Weise der dortigen guides bzw. Organisatoren an.
Am Abreisetag habe ich dann auch meine anderen Gruppenteilnehmer kennengelernt, bzw. ich muss eher sagen: meinen anderen Gruppenteilnehmer – denn wir waren nur zu zweit, wohingegen die anderen Gruppen mit deutlich mehr Teilnehmern aufbrachen. Ich jedenfalls war fortan mit einem äußerst ruhigen Informatiker aus Bangalor unterwegs.
Wir fahren also in relativ rasantem Tempo nach Yuksom, durch Bachläufe, tiefe Täler und in Serpentinen auf und ab. Immer an wunderschöner Landschaft vorbei, sattes Grün und tiefe Wälder umgeben uns. Relativ spät am Abend kommen wir in Yuksom an und ich bin deutlich aufgeregter als noch die Tage zuvor, schließlich wird es morgen losgehen und unser Ziel liegt rund 45km Kilometer entfernt von uns in- und das bereitet mir ein wenig Sorgen – über 5000m Höhe. Die kommenden Tage werden wir uns jeden Tag in Richtung Goecha La fortbewegen, das Ziel unsers Trekkings und ein Peak in relativer Nähe zum Khangchendzonga, dem dritthöchsten Berg Welt.
Der Abend beginnt zunächst entspannt, wir lernen „unsere“ Träger und den Koch der Reise kennen und ich bin zunächst mal damit beschäftigt durchzusetzen, dass ich meinen Kram selber tragen möchte. Letztlich würde mich sonst nur das schlechte Gewissen plagen und vielleicht habe ich auch das Bedürfnis, mich ein wenig auszupowern. Generell ist es verblüffend, welch enormes Gewicht die Träger in einem schier unglaublichen Tempo auf die Berge schleppen – mein vollster Respekt. Die Träger und der Koch jedenfalls scheinen äußerst nett zu sein und auch mein Guide ist ein lieber, wenn auch sehr, sehr ruhiger Zeitgenosse. Die anfängliche Schüchternheit wird mit zunehmender Reisedauer bei ihm jedoch immer geringer und so finden wir letztlich einen guten Draht zueinander.
Wir begießen unseren ersten gemeinsamen Abend mit einem speziellem Getränk: gegorene, kleine Beeren werden mit heißem Wasser aufgegossen und aus einem großem Holzgefäß mit Bambusstrohhalm getrunken. Schmeckt nach den ersten Schlückchen überraschend gut und vernebelt den Geist auf eine angenehme Art und Weise. Wir versacken in der Küche des kleinen Hotels in dem wir nächtigen und ich unterhalte mich noch lange Zeit angeregt mit einem Nepali, der schon mehrfach auf dem Mount Everest war. Beeindruckend und wirklich interessant. Danach pilgere ich nochmals kurz durch das nächtliche Yuksom und versuche noch einige Kekse für die kommenden Tage aufzutreiben. Yuksom selbst ist ein kleines, kleines Dörfchen am Rande des Kanchenjunga-Nationalparks und von der Atmosphäre her relativ verträumt. Teilweise kommen tatsächlich Erinnerungen an die Alpen auf, doch diese Assoziation ist nur von kurzer Dauer und ich entschwinde in mein Hotel und mein Bett – das letzte für die kommenden Tage.

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– Aufbruch in die Berge – 

Der Start in den Tag ist kühl, denn es gibt kein warmes Wasser, dunkel, denn es ist erst 5h morgens und aufregend, denn nun geht es endlich los. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und marschieren die ersten Meter durch Yuksom, sammeln unterwegs noch einen weiteren Träger mit einem kleinen Pferd ein und brechen dann in Richtung Nationalpark auf. Ich muss innerlich ein wenig lachen: Wohingegen die anderen Gruppen mit mehreren Yaks als Lastentiere und mehreren Teilnehmern und ganzen Sitzgarnituren unterwegs sind, wirken wir mit unserem Pony und zwei Teilnehmern doch ein wenig amüsant. Doch was soll´s, mir ist es so fast lieber und ich freue mich auf die kommenden Tage. Wir passieren die Grenze zum Reservat und fortan geht es ausschließlich und kontinuierlich bergauf. Das heutige Etappenziel heißt Tsocha und liegt einige Kilometer weit entfernt. Schnell komme ich ins Schwitzen, denn teilweise wird es doch recht drückend und schwül, insbesondere in den Wäldern herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Jene hingegen sind unglaublich schön, überall hängen Lianen im Baumgewirr und das Areal rechts und links ist übersäht mit blühendem Rhododendron. Wir passieren zahlreiche Hängebrücken, wandern an Wasserfällen entlang. Das Tal stets an unserer linken Seite schlängelt sich der Weg in die Höhe.

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Die Strecke ist relativ einfach aber doch auch anstrengend, teilweise kommt man schon ganz gut aus der Puste. Aber lässt man den Blick durch die Bäume gleiten und breitet sich die Weite des Tals zu den eigen Füßen aus, so ist dies eine wunderbare Entschädigung und Motivation genug. Ajit war ganz offensichtlich zuvor noch nicht in den Bergen, denn letztlich braucht er für die Strecke extrem lang und wir müssen immer wieder auf ihn warten. Eine längere Pause machen wir gegen Mittag um zu essen. Hierbei bin ich äußerst überrascht, denn mir war keinesfalls bewusst, was uns an kulinarischen Leckereien auf dieser Tour erwarten würde. Wirklich sehr, sehr lecker und vielfältig was unser Koch dort zaubert. Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert und kann nicht glauben, dass Gautam den Salat in einem bunten Mandala-Muster anrichtet. Doch genau das tut er und auch in den kommenden Tagen ist immer wieder er es, der einem den Start in den Tag erfreulich und halbwegs angenehm gestaltet, denn egal zu welcher Uhrzeit wir auch aufbrechen, der Tee ist bereits heiß und das Frühstück steht neben dem Schlafsack. Irgendwie schön, doch natürlich nagt auch das schlechte Gewissen und ich finde die Vorstellung unangenehm, dass Gautam dafür natürlich noch deutlich früher aufstehen muss als ich.

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Gestärkt geht es also weiter und nach ein paar Stunden erreichen wir unser erstes Etappenziel. Ein festes, recht großes Haus aus Steinen, mit einigen Tieren und einer großen Feuerstelle. Das Lager erinnert an die Matratzenlager der Vereinshütten in den Alpen, natürlich gibt es hier allerdings kein fließendes Wasser, keine Fernwärme und auch keine Toilette im üblichen Sinne. Stattdessen gibt es hier und auch in den folgenden Camps kleine Holzhütten über einen schräg verlaufenden Graben, über dem man dann sein Geschäft verrichtet. Das sieht bisweilen unschön aus, insbesondere dann, wenn es auf dem Weg voller wird, im Vergleich zu anderen indischen Toiletten sind diese jedoch vollkommen zu verkraften.
Langsam wird es Abend und die Sonne geht unter, nicht jedoch ohne nochmals die Wolkendecke aufreißen zu lassen und uns so den Blick auf die umgebenden 8000er freizugeben. Erhaben und imposant türmen sich die Gesteinsmassen in der Ferne auf, schon bald werden wir ihnen etwas näher sein. Und prompt ist es auch wieder da, dieses mulmige Gefühl und die Frage, ob ich mir da nicht zu viel zutraue, nicht vielleicht doch eher einen Egotrip fahre?
Die erste Nacht im Lager wird kalt, verdammt kalt. Doch im Vergleich zu den folgenden Nächten ist es noch nahezu gemütlich, mit heißem Wasser gefüllte Flaschen an den Füßen und die Schlafsäcke vom indischen Militär tun ihr übriges. Ich bin eingepackt bis obenhin und hoffe inständig diese Nacht nicht pinkeln zu müssen…

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Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, vermutlich ist es etwa 6h. Immer höher geht es bergauf und der Weg schlängelt sich durch Wälder, deren Geäst noch kahl vom Winter ist. Nebelschwaden ziehen über Schneereste und schaffen eine eindrückliche und bisweilen etwas schaurige Atmosphäre. Es ist unglaublich ruhig. Nur vereinzelt begegnet man anderen Wanderen, die meiste Zeit ist man alleine, sieht maximal in einiger Distanz die anderen Gruppenmitglieder vor bzw. hinter sich. Das ist angenehm und schön, die Stille tut unglaublich gut und unweigerlich machen sich die eigenen Gedanken selbstständig und man denkt über die Dinge nach, die schon längst vergessen schienen aber nun doch wieder eine hohe Relevanz bekommen.

Grübelnd und sinnierend erreiche ich Dzongri, unser Camp für die kommenden zwei Nächte. Wir werden hier einen Tag länger verweilen, um uns an die zunehmende Höhe zu gewöhnen und uns so zu akklimatisieren.

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Kurz vor Sonnenuntergang breche ich nochmals auf und kraxle ein wenig in der Gegen rum. Letztlich setze ich mich auf einen Felsvorsprung oberhalb eines riesigen, weiten Tales. Es ist unglaublich schön und unglaublich imposant. Ich fühle mich klein im Vergleich zu den Naturgewalten und bin gebannt ob derer Schönheiten. Unter mir liegen die kargen Baumgipfel und ich kann eine Herde von Yaks beobachten, die sich ihren Weg durch die Äste bahnt. Langsam fängt es an zu schneien und ich bin wirklich bewegt. Die Eindrücke sind schlichtweg überwältigend und unbeschreiblich, letztlich kommen mit die Tränen vor Glück, Ergriffenheit und Trauer. Diese Gefühle scheinen nahe beieinander zu liegen, jedenfalls überwältigen sie mich in Gänze…
Die Nacht wird wieder bitterkalt, teilweise schneit es durch die Ritzen im Gemäuer auf unsere Schlafsäcke. Es sind rund -10°C bis -15°C und bevor ich einschlafe frage ich mich, was ich hier eigentlich mache.

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Wir stehen gegen 4.30h auf, der heiße Tee tut unglaublich gut und ich bin Gautam extrem dankbar für seine Ausdauer. Er und der junge Träger haben die Nacht neben mir gelegen und sich einen Schlafsack geteilt. Der Informatiker verlässt seinen Schlafsack so gut wie gar nicht mehr und ich glaube er bereut es inständig, diesen Weg auf sich genommen zu haben. Deswegen bleibt er auch liegen, als wir noch im Dunkeln mit Taschenlampen aufbrechen und durch den Neuschnee einen Hang entlang stapfen. Das Mondlicht erhellt den Schnee und unseren eisigen Atem, die Luft ist schneidend kalt und mir tut das Luft holen weh. Nach rund einer Stunde erreichen wir den Peak und warten mit ein paar anderen Leuten der anderen Gruppe auf den Sonnenaufgang. Es ist -mal wieder- wunderbar und einmalig schön. Wir stehen über einem Wolkenmeer, aus dessen sanften Wogen vereinzelt die imposanten Bergspitzen emporstürmen und sich weitere 4000m gen Himmel richten. Wir stehen und schauen, warten gebannt. Hören die Stille und blicken in die Ferne, als sich auch die Nebelwand vor dem Kanchenjunga öffnet und wir freien Blick auf die weiße Gottheit erhalten. Ruhe.

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Im Lager zurück bleibt mir nicht viel anderes übrig, als die kommenden Stunden hauptsächlich im Schlafsack zu verbringen und mal wieder die Zeit zum Nachdenken zu nutzen. Mein Begleiter wirkt zunehmend unglücklicher und ich glaube in ihm keimt langsam der Gedanke umzukehren.

Doch am nächsten Morgen bricht er mit auf und wir steigen die nächsten Höhenmeter hinauf. Die kommenden Stunden laufen wir über ein karges Hochplateau, der Schnee ist größtenteils wieder geschmolzen und gibt den braunen Grund frei. Die Landschaft ist öde, aber auf ihre Art und Weise sehr schön. Ich fühle mich vollkommen verloren in dieser Weite.
Nach einem längeren, durch die Schneefelder rutschigen Abstieg, erreichen wir eine kleine Holzhütte die unmittelbar an einem rauschenden Bach liegt. Sie wird in einigen Tagen unsere Bleibe sein, zunächst jedoch steigen wir weiter auf bis nach Thansing. Dies ist das letzte Etappenziel vor unserem finalen Aufstieg und wir werden hier abermals länger verweilen um uns an die Höhe zu gewöhnen. Thansing liegt in einem bewegend schönen Hochtal, bräunlich roter Grasboden mit Geröllflächengeht in nahezu senkrechte Felswende über und schraubt sich über weitere 1000m in die Höhe. Das Tal ist schlichtweg imposant, zugleich aber pittoresk – die grasenden Yaks vervollständigen dieses Bild. Am Ende des Tals, mehrere Kilometer weiter bahnt sich unser Weg seine Bahn und verläuft in Richtung Goecha La. Doch, wie gesagt: wir verweilen und erholen uns.

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In der Nacht habe ich Kopfschmerzen, friere wie sonst was uns hasse den blanken, eiskalten Steinboden unter meiner Isomatte. Ajit hat offensichtlich die Schnauze voll und entscheidet sich unmittelbar am nächsten Morgen nach Yuksom zurückzukehren. Einer unserer Träger bricht mit ihm auf und wird die kommenden Tage mit ihm zurück wandern. Letztlich wohl eine gute Entscheidung, denn richtig glücklich und zufrieden wirkte er schon lange nicht mehr.
Nachdem meine Kopfschmerzen wieder etwas besser geworden sind, ich besonders viel getrunken habe, entscheide ich mich mit dem Koch und Träger zum Samiti Lake (?) aufzubrechen. Eine besonders schöne Tageswanderung, angenehm anstrengend und mal wieder einmalig imposant. Wir laufen auf kleinen Pfaden durch schroffe Natur zunächst an einem Hang entlang, später dann über ein Plateau auf dem zahlreiche riesige Monolithe liegen. Immer höher geht es, bis wir schließlich einen Grad erreichen und auf der anderen Seite den Blick in Tiefe gleiten lassen. Rund 100m unter uns erstreckt sich der Samiti See, zugefroren und mit einer sanften, weißen Schneeschicht überpudert. Sein Wasser ufert in eine bräunlich-grüne Gras- und Sandfläche aus, aus dieser Höhe ein beeindruckender Anblick. Wir liegen, wohlig erschöpft auf dem Boden und blicken in den Himmel. Die Wolken ziehen schnell vorüber und wieder spüre ich dieses Glücksgefühl, dass mir ganz schwindelig wird.

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Nach einem recht hektischen Abstieg – das Wetter wird schlechter, die Temperatur sinkt rapide und Schneekriesel künden einen möglichen Wetterumschwung an – steigen wir ab zurück in Richtung Thansing und erreichen gegen Nachmittag das Lager. Letztlich heißt es nun einmal mehr zu warten und zu schauen, ob sich das Wetter wieder bessert und zum anderen nochmals Kraft zu sammeln, so dass wir am kommenden Morgen früh aufbrechen können um weiter nach Goecha La aufzusteigen. Wir gehen alle früh zu Bett und warten die letzten Stunden bis zum Aufstieg. Um 2.30h morgens stehen wir wieder auf, die Luft ist schneidend kalt und der Himmel vollkommen klar. Das Firmament ist übersät mit unzähligen Sternen und der Mond erhellt unseren Weg und die umliegenden Gipfel. Langsam bewegen wir uns durch das Tal, noch verläuft der weg nahezu eben. Doch schon bald wird es zunehmend steiler und aufgrund der für meine Verhältnisse extrem dünnen Luft auch sehr, sehr anstrengend. Ich bewege mich nur noch sehr langsam, muss schon nach wenigen Schritten immer wieder pausieren und tief Luft holen. So geht wird es nun die kommenden Stunden weiter gehen: wenige Schritte marschieren, pausieren, wenige schritte marschieren, … Es wird immer schwieriger die Gliedmaße zu heben und ich bekomme langsam Panik, wie ich den Weg zurück bewerkstelligen soll, falls ich es überhaupt nach Goecha La schaffe und nicht schon vorher umdrehe. Doch noch maschieren mein Guide und ich weiter, mittlerweile geht es über riesige Schotter- und Geröllfelder konstant bergauf. Zischen drin passieren wir immer wieder Schneefelder, die mir besondere Schwierigkeiten bereiten, da die Hänge teilweise wirklich steil sind und ich von Zeit zu Zeit bis zu den Kniekehlen einsinke. Doch irgendwie geht es immer weiter, auch wenn ich mittlerweile richtig erschöpft bin und definitiv weiß, dass ich meine Grenze nahezu erreicht habe. Ich hoffe nun inständig, dass hinter jeder verdammten Kurve das Ziel erreicht ist, doch immer wieder geht es weiter bergauf und ich bin innerlich nur noch am fluchen. Dann endlich, nach etwa 6 Stunden erreichen wir vollkommen unspektakulär – Goecha La. Da wir letztlich doch recht lange gebraucht haben ist die Sicht auf den Kanchenjung mehr als bescheiden, doch zumindest reist die Wolkendecke immerwieder partiell auf, so dass wir Teile der nahezu senkrecht emporsteigenden Flanke des Berges sehen können. Die freie Sicht auf den Gipfel wird uns heute in jedem Fall verwehrt. Doch ganz ehrlich: was solls? Die bisherigen Ausblick, die Landschaft, die Flora und Fauna, die erhabenen Berggipfel und nicht zuletzt auch das extrem erfüllende Gefühl es endlich geschafft zu haben sind schier unglaublich und gänzlich erfüllend. Wir haben es geschafft!
Wir verbringen einige Zeit auf dem Peak, sind auch tatsächlich alleine. Einige andere Wanderer sind schon auf dem Rückweg, ein paar andere befinden sich noch auf dem Aufstieg. Letztlich genießen mein Guide und ich die Ruhe, reden kaum miteinander, sondern blicken in Richtung Gipfel bzw. hinab in den Abgrund, der sich vor unseren Füßen auftut. Unter uns liegt ein tiefer, mit Schnee gefüllter Kessel, auf dem sie Spuren von einem Schneeleoparden abzeichnen. Unser Weg hingegen endet an dieser Stelle und langsam beginnen wir mit dem Abstieg.

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Der Weg zurück war natürlich auch anstrengend, doch vielleicht lag es ausgeschütteten Adrenalin oder schlichtweg an der zunehmend dichteren Luft: der Rückweg gestaltet sich bedeutend einfacher und schneller. Daher entscheiden wir uns die Nacht nicht nochmals in Thansing zu verbringen, sondern gleich weiter abzusteigen bis zu der am Bach gelegenen Holzbrücke, die wir schon vor einigen Tagen passierten. Zwar sind meine Beine langsam mehr als wackelig, doch letztlich bin ich froh nicht nochmals in Thansing nächtigen zu müssen, denn mittlerweile ist die Hütte doch recht voll und ein paar hundert Höhenmeter weiter unter sind wir für uns alleine.
Die Hütte ist wirklich schön und gefällt mir bisher am besten. Sie liegt direkt an einer Holzbrücke und einem kleinen Wildbach, dessen Rauschen man die ganze Zeit beruhigend wahrnimmt. Auch das innere der Hütte ist schön, alles aus Holz und zahlreiche Reisende haben Nachrichten in die Bretter geritzt. Wir machen ein Feuer und erstmals kann ich auch ein wenig beim Kochen helfen. Letztlich bleibt mir jener Abend als besonders schön in Erinnerung, die Atmosphäre war sehr freundschaftlich und ich habe mich mit meinem Guide, dem Koch und dem Träger gut und nahe unterhalten. Wir blicken lange in das lodernde Feuer, die drei singen Lieder, die ich nicht verstehe und als auch die Glut immer weniger wird gehen wir erschöpft schlafen. Im Schlafsack lasse ich den Tag nochmals Revue passieren und penne dann recht bald äußerst zufrieden und erfüllt ein.

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Am Tag darauf gehen wir wirklich schnell und zügig in Richtung Yuksom zurück und erreichen innerhalb eines Tages jene Hütte, an der wir unsere erste Nacht verbracht haben und erstmals die Gipfel erblicken konnten. Wir verbringen einen ruhigen Abend an der Hütte, lassen letztmals den Blick ins Tal gleiten und brechen tags darauf zur letzten Etappe nach Yuksom auf. Keine Ahnung wieso, doch der Weg kommt mir dieses mal extrem lange und anstrengend vor und ich bin richtig glücklich, als wir endlich unser Ziel erreichen. Im Hotel angekommen stellen wir fest, dass jenes überbucht ist, also nächtige kurzerhand im Zimmer der Tochter. Das ist irgendwie amüsant, aber so richtig wohl fühle ich mich dabei nicht, denn letztlich dringe ich damit natürlich in ihre Intimsphäre ein. Am Abend fängt es plötzlich unglaublich stark an zu schütten, der Regen prasselt auf das Wellblechdach und stürzt in Bächen am Fenster hinab. Irgendwann klopft es und Gautam steht von der Tür und fordert mich auf, mit ihm in die Küche zu kommen. Dort sitzen die beiden Träger, mein Guide und Gautam drückt mir als Überraschung einen wunderbaren Kuchen in die Hand. Unmittelbar nach der Reise hat Gautam angefangen den Kuchen zu backen und ihn mit dem Schriftzug „Happy Trecking“ zu versehen. Ich bin wahrlich gerührt und wir lassen uns alle zusammen den Kuchen schmecken und wärmen unsere Füße am Feuer. Ein wirklich, wirklich schöner Abschiedsabend.

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Am Folgetag breche ich nochmals mit Gautam auf, um einen kleinen Berg in der Nähe zu erklimmen. Auf jenem steht die Dubdi Gompa, die älteste Gompa Sikkims. Das Kloster wurde 1701 erbaut und und in ihm werden Statuen der drei berühmten Lamas aufbewahrt. Das Kloster ist wirklich schön und ruhig und es bereitet uns viel Freude, die farbenfrohen Gebäude zu besichtigen. Einige Zeit später brechen wir wieder auf und laufen den weg durch die Wälder zurück in unser Hotel. Dort heißt es langsam Abschied nehmen, denn am Nachmittag wird mein Jeep in Richtung Gangtok aufbrechen. Rückblickend war diese Reise vor allem zweierlei: eindrücklich und grandios. Wunderbare, schöne, schroffe, verzaubernde, erhabene Natur und durchweg liebenswerte Menschen mit denen ich meinen Weg teilen durfte.

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