Stockholm I

Nach einem kurzen Flug (aus Davids Perspektive natürlich viel zu langem Flug, dem die Debatte vorausging, ob wir nicht doch lieber mit spontan auf Zug und Fähre umsteigen sollten) und einer noch kürzeren Busfahrt, sind wir bald in Stockholm angekommen…

Was für eine wunderschöne Stadt!

Das Blau des Wassers durchzieht die Stadt wie Adern, denn sie ist auf einer Vielzahl von Inseln erbaut. Darüber hinaus sind diese Inseln recht hügelig, so dass man von vielen Orten aus eine grandiose Sicht auf Stockholm hat, welche neben dem Wasser durch die vielen Grünanlagen und Parks und die schöne Architektur der Gebäude geprägt ist. In Gamla Stan – der überaus touristisch geprägten Altstadtinsel – gibt es kleine, verschlungene Gässchen und hohe, schmale mittelalterliche Häuser zu sehen, wohingegen die Östermalm, als modernes Geschäftszentrum von herrschaftlichen Bürgerhäusern und moderner Architektur geprägt ist. Die auf einer steilen Erhebung gelegene Södermalm wiederum, hat einerseits einige Ecken, die mit ihren kleinen Holzhäusern geradezu dörflich wirken. Andererseits wohnen hier besonders gerne junge Leute und Studierende und es gibt ziemlich viele angesagte Cafés und Bars, insbesondere in SoFO (South of Folkungatan), welches angeblich das Kreuzberg Stockholms sein soll. Besonders viel alternative Szene scheint es aber auch hier nicht zu geben, nett ist die Ecke aber allemal. Wie wir erfahren haben, sind die Mietpreise in Stockholm horrend, so dass es sich Otto-Normalverbraucher_innen kaum leisten können in der Innenstadt zu leben. Und so ist der schöne Kern der Stadt umringt von einem Gürtel Hochhaussiedlungen und Neubauten, die weitaus weniger romantisch wirken, aber trotzdem noch eine ganze Ecke einladender sind als die Berliner Peripherie.

Was sonst sehr stark auffällt, ist die ausgeprägte, mitunter gar aseptisch wirkende Sauberkeit der Stadt – insbesondere, wenn man aus Berlin kommt. Hinzu kommt die Tatsache, dass Schwed_innen scheinbar ziemlich viel Wert auf ihr Äußeres legen und häufig sehr durchgestylt wirken: Es wirkt bisweilen ein bisschen zu perfekt hier.

Dennoch hinterlässt die Stadt einen so positiven und interessanten Eindruck bei uns, dass wir ins Überlegen kommen, ob wir hier nicht wohnen wollen würden. Wäre da nicht die schlechte Bezahlung für Lehrer_innen…

Was das Geld angeht, so ist Stockholm – wie ganz Schweden – nicht grade günstig. Alles was mit Dienstleistungen zusammenhängt, ist wegen der hohen Löhne teuer. Insbesondere trifft das auch aufs Essengehen und den öffentlichen Verkehr zu. Lebensmittel in den Supermärkten sind ebenfalls kostspieliger, allerdings noch bezahlbar. Ich würde sagen, man muss für alle Produkte den 1-1,5-fachen Preis rechnen. Am häufigsten haben wir uns in Geschäften wohl mit Filmjölk (Sauermilch, die es in zig Geschmacksrichtungen gibt), Schokolade (Marabou!) und vor allem Kannelbullar (Zimtschnecken), von denen wir im Schnitt pro Person mindestens eine pro Tag verdrückt haben (da es in Lappland keine zu kaufen gab, haben wir an den restlichen Tagen entsprechend viele mehr gegessen), eingedeckt.

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Die drei Tage in Stockholm verbrachten wir primär damit durch die verschiedenen Stadtteile zu spazieren und die Atmosphäre der Stadt auf uns wirken zu lassen. Das Wetter war trocken und auch wenn sich die Wolken immer wieder zu hohen Bergen auftürmten und grandios am Himmel herumwirbelten, so rissen sie doch immer wieder auf, um ein paar Sonnenstrahlen durchzulassen, die sich im Wasser des Mälarensees spiegelten. Besonders gut gefiel uns auch die Halbinsel Djurgården, auf der sich neben einem kleinen Schloss viele Grünflächen befinden. Einige Stunden brachten wir in Rosendals Trädgård zu, einem echt hübschen Café inmitten eines botanischen Gartens, wo man auf einer Obstbaumwiese entspannt picknicken kann. Das Thema „Café“ war in Schweden für uns eher leidlich: An guten Cappuccino gewöhnt (ja, wer uns kennt, der kann was mit dem Namen „Lerchen und Eulen“ anfangen), fiel es uns hier wahrlich schwer mit den Kaffeegepflogenheiten der Schwed_innen klarzukommen: In der Regel erhält man für 20-25 Kronen  einen Becher, den man sooft wie man möchte, mit schwarzem Kaffee nachfüllen kann. Insbesondere David litt unter der Tatsache, dass es kaum möglich war, wirklich guten Cappuccino zu bekommen. ;) Auf Djurgården findet sich ansonsten neben verschiedenen Museen und dem Freizeitpark Gröna Lund, noch Skansen, Stockholms Zoo und Freilichtmuseum. Den Tag dort verbrachten wir mit Niclas, einem guten Freund von mir, den es nach dem gemeinsamen Studium in Bielefeld, nach Malmö verschlagen hatte.

Ach ja, ein Highlight der Stadt sei noch erwähnt: sicherlich kein Geheimtipp mehr, aber trotzdem grandios, ist das Hermann´s, wo wir uns bei vegetarischem Büffet mit wunderbarer Aussicht über die Altstadt den Bauch voll schlugen.

Am Morgen des dritten Tages war es dann soweit: Unsere Straßenkleidung tauschten wir gegen unsere Trekkingausrüstung, und in Wanderstiefeln, ausgestattet mit Zelt, Kocher und Schlafsäcken, ging es in Richtung Bahnhof – wo wir unsere Sachen erstmal in Schließfächer deponierten (wir würden in den nächsten Wochen noch häufig auf diese Schließfächer zurückgreifen), da der Zug erst am frühen Abend losfahren sollte. In unseren Outdoor-Klamotten kamen wir uns zwischen den schicken Schwed_innen ein wenig deplatziert vor, aber als wir dann endlich am Abend den Zug bestiegen, änderte sich das schlagartig…

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