Auf dem Weg in den Norden

Am Abend gegen 20 Uhr bestiegen wir am Stockholmer Hauptbahnhof den Nachtzug Richtung Norden. Man sah vielen Passagieren an, dass sie ähnliches wie wir vorhaben –  Wolle und Goretex an den Menschen und prall gefüllte Wanderrucksäcke in den Gepäckablagen verdeutlichen unser aller Ziel. Die Nacht im Zug sollte für die nächsten zwei Wochen die letzte, die man in Bezug auf die Dunkelheit wirklich als solche bezeichnen konnte, sein. An viel Schlaf war aufgrund der beengten Verhältnisse auf dem sogenannten Schlafsesseln nicht zu denken und auch das zuvor im Speisewagen getrunkene Lättöl war keine Einschlafhilfe. Aber nach ein paar Stunden zog David auf den Boden des Wagons um, so dass ich mich auf den Sesseln ein bisschen breiter machen konnte und mich irgendwann doch der Schlaf übermannte.

Im Speisewagen hatten wir  zuvor eine etwas fragwürdige Begegnung mit einer jungen Schwedin, die uns schon über längere Zeit gemustert hatte. Irgendwann sprach sie uns dann an und setzte sich zu uns. Nach einem kurzen Gespräch, fragte sie uns recht unverblümt, ob wir sie nicht in unser privates Abteil (das wir noch nicht einmal hatten) mitnehmen wollen würden…Scheinbar hatte sie da etwas missverstanden… ;) Als wir ihr eröffneten, dass wir es vorzögen uns nun alleine schlafen zu legen, zog sie mit einem schnippischen „BORING!“ auf den Lippen von dannen.

Am nächsten Tag erwache ich etwas verspannt gegen sieben Uhr am Morgen. Während unseres Frühstücks (wer hätte es gedacht: Filmjölk und Kannelbullar gehörten dazu), passierten wir endlich den Polarkreis. Kenntlich gemacht wurde dieser durch einige Schilder neben den Gleisen, an denen der Zug kurz anhielt, die zum einen auf den Breitengrad hinwiesen, zum anderen auf das Weltkulturerbe Lapponia. Die Überquerung des Polarkreises ist an sich natürlich wenig spektakulär, aber trotzdem hat sie irgendwie etwas besonderes. Die Landschaft draußen hat sich seit gestern Abend recht stark verändert. Nach wie vor dominieren Wälder die Aussicht, doch hier sehen wir ausschließlich Birken und Fichten, andere Laubbäume sind äußerst selten. Zudem sind die Bäume weitaus kleinwüchsiger und die Wälder lichter als im Süden und werden von vielen  Flüssen und Seen durchzogen. Häuser oder gar Siedlungen sehen wir kaum, vereinzelt tauchen leere Straßen oder Waldwege auf, Menschen erblicken wir fast nie.

Um neun Uhr rollt der Zug dann im Bahnhof Gällivare ein. Die Luft ist kühl und frisch und die Vorfreude auf das, was uns erwartet, steigt immer weiter. Mit uns verlassen recht viele Leute den Zug, die scheinbar ebenso wie wir auf Wanderschaft gehen wollen, allerdings bleiben die meisten Wanderer im Zug sitzen, sicherlich sind sie nach Kiruna unterwegs um sich auf dem berühmteren Kungsleden zu begeben.

Nun warten wir auf den Bus, der uns die restlichen knapp 200 Kilometer nach Ritsem, zum Start des Padjelantaledens bringen soll.

Weiter zum Padjelantaleden hier entlang!

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