Jokkmokk

Wieder in der Zivilisation angekommen, erscheint uns selbst das offen gesagt überaus dröge Jokkmkokk als laut und anstrengend. Viel interessantes gibt es hier nicht: Eine Hauptstraße, auf der sich gelangweilte Teenager Autorennen liefern, zwei Supermärkte, die unser Verlangen nach Käse, Zimtschnecken und Marabou-Schokolade stillen, eine hübsche Kirche, ein von außen überaus nettes Café, dessen Espressomaschine auf guten Kaffee schließen ließ (von außen nett, da wir es aufgrund der Tatsache, dass es immer geschlossen zu haben schien, leider nicht ausprobieren konnten und somit unseren Cappuccino-Durst nicht stillen konnten) und ein, wenn auch etwas altbackenes, überaus interessantes Museum namens Ájtte, welches die Geschichte und die Traditionen der Sámi auf recht anschauliche Weise erklärte.

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Leider fiel mir bei der Ankunft auf dem Campingplatz auf, dass sich mein Portemonnaie noch auf Reisen ist. Worst Case. Nicht nur, dass mein Perso darin ist, den ich ja zum Einchecken am Flughafen benötigen würde, sondern auch meine Kreditkarte, über welche wir ausschließlich Geld aus dem Automaten ziehen wollten und auf die das gesamte Budget unserer Reise überwiesen war. Nach vielen teuren Gesprächen mit dem Busunternehmen, bei dem die Geldbörse nicht aufgetaucht ist, ließ ich also die Karte sperren. Zum Glück half uns mein Vater mit Geld aus, das er auf Davids Konto überwies, so dass wir wieder liquide waren.

Am nächsten Tag ging es mit dem Bus weiter zum Bahnhof Murjek. Zufälligerweise war das der gleiche Bus, mit dem wir von Kvikkjok nach Jokkmokk gefahren sind, doch der Busfahrer wusste leider auch nichts von einem Portemonnaie. Zehn Minuten nach Ankunft am Bahnhof, der Endstation, kam er jedoch nochmal auf mich zu – mit meinem Portemonnaie in der Hand!! Er hatte nochmal das Gepäckfach abgesucht und es dort unter einer Ablage gefunden. Was für ein Glück! Von Murjek aus sollte es nun entweder – wie ursprünglich geplant – ins nicht weit entfernte Pärlälvens Naturreservat zum Kanufahren, weiter in den Norden nach Kiruna um noch einen Teil des Kungsledens zu laufen oder doch wieder zurück in den Süden gehen. Entweder, oder…?!

Kommen wir kurz zum Thema Entscheidungsfindung mit David und Heiko. Wer uns kennt, weiß, dass sich ein solcher, in der Regel überaus komplexer Prozess von Minuten, über Stunden, bis hin zu mehreren Wochen ziehen kann. Da wird argumentiert, abgewogen, andere Perspektiven eingenommen, Pro- und Kontra-Listen angelegt, diskutiert, gerankt…das beginnt bei der Entscheidung was zu Abend gekocht wird und endet bei der Routenplanung für eine Weltreise. Zwar kommen wir irgendwann immer zu einer Entscheidung, aber das gestaltet sich zuweilen komplizierter als ein grüner Parteitag inklusive Urabstimmung. :)

Nun stand also der weitere Verlauf unserer Reise zur Debatte. Die Züge Richtung Norden und Süden fuhren beinahe zeitgleich ab, und bis zur letzten Sekunde diskutierten wir noch eifrig, derweil wir von Myriaden von Mücken ausgesaugt wurden. Im allerletzten Augenblick, der Zug rollte schon aus dem Bahnhof, sprangen wir noch auf den fahrenden Zug Richtung …. Süden auf. Nun, vielleicht war es nicht ganz so knapp, aber es war zumindest in letzter Minute. Das Ende vom Lied: Die Fahrt war ziemlich teuer, da wir nicht reserviert hatten (aber da der Zug recht leer war und der Schaffner Mitleid mit uns zu haben schien, konnten wir ohne Aufpreis in einem Abteil mit Betten schlafen – hach, diese netten Schweden!) und wir hatten sofort nach der Abfahrt das schlechte Gefühl, die falsche Entscheidung getroffen zu haben. Hatten wir das wirklich???

Weiter nach Dalsland geht’s hier!

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