Schweden 2012

Draußen war es kalt, vielleicht schneite es auch – jedenfalls gab uns das triste Berliner Wetter genug Anlass, bereits in Gedanken den nächsten Sommerurlaub zu planen. Im Frühherbst hatten wir zuvor für einige Tage die Mecklenburger Seenplatte erpaddelt und fühlten uns bereits damals von Zeit zu Zeit an Schweden erinnert. In den Wochen danach, setzten wir uns zunehmend mehr mit den Gedanken auseinander, im hohen Norden unseren Jahresurlaub zu verbringen. So kam es, dass wir im Dezember vorm Rechner saßen und nach günstigen Flügen gen Stockholm suchten. Diese waren recht schnell gefunden und von jenem Zeitpunkt an hieß es, die Tage bis zum Abflug Anfang Juli zu zählen und den Reiseverlauf genauer zu planen (auch wenn rückblickend vieles anders kam als gedacht)…

Sicher waren wir uns, dass wir vor allem wandern wollten, beide hatten wir von einem wunderschönen Weg in Lappland gehört, dem Padjelantaleden. Heiko war außerdem bereits in einem Urlaub zuvor in Nordschweden unterwegs gewesen. Was er zu berichten wusste, steigerte die Motivation nur umso mehr, und auch die Fotos, die wir uns im Netz ansahen, ließen Einsamkeit, unberührte Natur und Ruhe im schwedischen Fjäll erwarten.

Doch nicht nur wandern wollten wir, denn abermals zog es uns auch aufs Wasser. Und  so entschieden wir uns letztlich für eine Tour im Pärlälvens Naturreservat, die vor allem eines versprach: Einsamkeit, weite Seen und tiefe Wälder.

Im Groben hatten wir also damit den Verlauf unserer Tour abgesteckt. In den folgenden Monaten sollte es dann vor allem darum gehen, die Ausrüstung etwas aufzustocken, wie zum Beispiel um einen Schlafsack (mit diesem Thema kann man Tage, nein – was sage ich- Wochen verbringen!), der auch den lappländischen Nächten und Temperaturen standhält, Mückenschutz, Massen an Müsliriegeln, Pemmikan, Trockennahrung und vielen anderen Dingen mehr, die unseren Rucksack füllen sollten.

Langsam rückte der Zeitpunkt der Abreise näher, die Vorfreude stieg (Davids Flugpanik leider ebenso) und das Fernweh sollte nun endlich bald wieder ein wenig befriedigt werden. Doch mittlerweile hatte unsere Schwedentour noch eine ganz andere Relevanz bekommen, denn noch im Dezember (kurz nach der damaligen Flugbuchung) keimte in uns ein neuer, ganz großer Gedanke, nämlich jener, eine gemeinsame, einjährige Weltreise zu machen. Und so fungierte Schweden ganz nebenbei als eine Art Generalprobe für unsere “Reisekompatibilität”: Wie würden wir zwei harmonieren, wenn wir uns vier Wochen rund um die Uhr sehen und ein enges Zelt teilen? Vieles kam anders als geplant und mit einigen Entscheidungen haben wir uns ziemlich schwer getan. Doch schon vorab sei gesagt, dass wir die Generalprobe ziemlich gut gemeistert haben!

Wenn ihr nun Lust bekommen habt mit uns gemeinsam den Polarkreis zu überschreiten, dann folgt uns doch zunächst  in die schwedische Landeshauptstadt Stockholm, ein städtischer Traum, der sich über 14 Inseln erstreckt. Durchlauft mit uns die engen Gassen der Altstadt, genießt die vielfältigen Ein- und Ausblicke, die diese Stadt ihren Bewohner_innen bietet, entspannt im Skansen, genießt das formidable vegetarische Mahl im Hermann´s  und macht euch schließlich mit uns auf den Weg in den Norden.

Denn nachdem wir im Zug den Polarkreis passiert, eine interessante Busfahrt absolviert und eine windige Bootsfahrt überstanden hatten, kamen wir schließlich an unserem Ziel an: Anonjalme, dem Startpunkt  des Padjelantaleden. Von hier werden wir 140km durch das schwedische Fäll laufen, zahlreiche Brücken und Bäche passieren, und über hölzerne Plankenwege stapfen, die die oftmals sumpfigen Gebiete erschließen. Wir werden die Einsamkeit und Ruhe genießen, Berlin vergessen und tief eintauchen in die Schönheit der kargen Natur, die vor uns liegt…

Nachdem wir aus der Abgeschiedenheit der Berge zurückkamen war unsere erste Station, das etwas garstige Jokkmokk. Zwar gab es auch dort leider keinen guten Cappuccino, doch dafür lieferte uns das Ájtte museum endlich die notwendigen Informationen hinsichtlich der samischen Kultur. Nicht zuletzt war es auch Jokkmokk, in dem wir unser kompliziertes Entscheidungfindungsverfahren begannen, wohin die Reise uns nun eigentlich weiter bringen sollte…

Auf Umwegen landeten wir über 1000km weiter gen Süd-Westen, nämlich beim Kanufahren in Dalsland. Bei regnerischem, aber auch ganz grandiosem Wetter te wir durch eine Landschaft, die mit ihren Felsen, Flüssen, Seen, Kanälen, Schleusen und kleinen Häuschen durchaus pittoresk anmutet. Wir erblickten unseren ersten Elch, genossen warmes Stockbrot, während das Wasser ans Ufer schwappte und ließen die Seele baumeln, bis wir ein weiteres Mal quer durch Schweden gurkten, nahe Stockholm die Fähre nahmen und nach Gotland übersetzen.

Hier folgten wir auf Rädern einem Teil des Gotlandsleden. Wir entdeckten die mittelalterliche Stadt Visby, bewunderten die unzähligen gotischen und romanischen Kirchen (-ruinen), ließen uns Safranspannkaka schmecken und nahmen gedanklich langsam Abschied von Schweden, diesem wunderschönen Land.

Doch ein letztes Mal ging es zurück nach Stockholm, nochmals ins Hermann´s, außerdem in das prächtige Schloss Drottningholm. Wir betrachteten das auf seiner Jungernfernfahrt im Jahre 1628 gesunkene Kriegsschiff Vasa, tranken ein letztes Mal Fil und entschieden uns, irgendwann in (hoffentlich naher Zukunft) wiederzukommen.

Darauf eine klebrig-süße, saftig-leckere Zimtschnecke!

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